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Analyse: Microsofts Freemium-Anti-Chromebook-Windows

Mit der Billig-Version Windows Bing steigt Microsoft in den Preiskampf bei PCs und Notebooks unter 300 Euro ein. Hauptsächlich gilt es Chrome OS entgegenzutreten, aber vielleicht gibt es auch ein paar Office-Abonnenten zu gewinnen.

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Langsam wird klar, wo Microsoft mit dem Billig-Windows "Bing" hin will. Es soll nicht nur bei Tablets mehr Marktanteile bringen, sondern auch bei den superbilligen Notebooks und PCs unter 300 Euro – ein Segment, das gerade erst an Bedeutung gewinnt. Hier tummeln sich Chromebooks und Chromeboxen, die Microsoft interessanterweise nicht mit dem funktional ähnlichen Windows RT angeht, sondern mit einem vollwertigen Windows. Für Tablets bis 9 Zoll gibt Microsoft den Herstellern das Bing-Windows umsonst, doch auch für größere Billiggeräte sollen deutlich geringere oder keine Kosten fällig sein – von 250 US-Dollar als Obergrenze ist die Rede.

Jörg Wirtgen

Schreibt seit 1999 für c't und heise online, anfangs über Mainboards und Prozessoren, seit vielen Jahren nun über Notebooks, Smartphones und Tablets. Daneben beschäftigen ihn Android-Programmierung und die Synchronisation des ganzen Geräteparks.

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Damit zieht Microsoft eine richtige Lehre daraus, dass der Windows-Marktanteil bei 14 Prozent liegt, wie das Unternehmen heute vorrechnete – wenn man Smartphones und Tablets einbezieht. Die Hausnummer von 90 Prozent PC-Marktanteil unter Nichtbeachtung von Smartphones und Tablets geht an der Realität vorbei. Immer mehr Leute verbringen immer mehr Zeit mit den Mobilgeräten und erledigen immer mehr Aufgaben damit. Für diese Geräte geben sie mehr Geld aus, auch weil dort die Entwicklung schneller voran geht – mit einem vier Jahre alten Notebook kann man noch fast alles machen, mit einem vier Jahre alten Smartphone nicht.

Das heißt nicht, dass PC und Notebook aussterben werden, sondern sie werden in vielen Bereichen unersetzbar bleiben. Aber das bedeutet, dass sie weniger im Fokus stehen, seltener ersetzt werden, dass weniger Käufer einen hochwertigen PC benötigen. Die PC-Hersteller müssen sich anpassen.

Chromebooks gibt es ab 250 Euro, doch mit 14-Zoll-Display kosten sie sogar mehr als der 15,6-Zöller mit Windows Bing.

(Bild: Google)

Da immer mehr Daten zur besseren Synchronisation des Geräteparks eh in die Cloud wandern, verliert Googles Chrome OS einiges von seinem Schrecken, zumindest in den USA, wo Chromebooks und -Boxen einen Anteil von 30 Prozent an Business-Käufen haben. Für Deutschland gilt das nicht, auch aufgrund der hiesigen Vorbehalte gegen Cloud-Dienste – vor allem gegen solche, die Daten auf US-Servern mit vermeintlich direktem Zugriff durch die NSA speichern.

Den Smartphone-Verkäufen hilft Windows Bing natürlich nicht, auch bei Tablets dürfte der Effekt gering bleiben. Doch Käufer von Notebooks und PCs profitieren, für Chrome OS sieht es nun schwieriger aus. Einschränkungen gegenüber einem vollwertigen Windows haben wir bei Windows Bing – anders als bei den Windows-Versionen für Netbooks – nicht gefunden. Auch herrscht kein Zwang zur Cloud wie bei Chrome OS. Und anders als bei Windows RT laufen alle Windows-Anwendungen – Windows Bing ist also ein weiterer Sargnagel für RT.

Bing ist zudem nicht auf 10-Zoll-Geräte beschränkt: Wir testen es gerade auf einem 15,6-Zoll-Notebook, dem Lenovo B50-30 für 270 Euro. Und das Paket stimmt, so viel sei vorweggenommen, man muss fast das Doppelte ausgeben, um ein deutlich besseres Notebook zu bekommen.

Und dann gibt es da noch einen feinen Unterschied, durch den Microsoft sogar Geld mit Bing verdienen könnte: Installiert ist das Office 365 mit Abo-Zwang. Wer nicht eine andere Office-Software nutzt, darf so in bester Freemium-Game-Strategie Excel und Word 60 Tage lang hochleveln, bevor das Abo fällig wird. Statt einmalig vom Gerätehersteller ein paar Dollar zu kassieren, kriegt Microsoft so vom Anwender 7 Euro. Jeden Monat. (jow)