Menü

Analyse zu Messenger-Konkurrenten RCS: Wird nur was, wenn alle mitziehen

Der Mobilfunkverband GSMA hat auf dem MWC den Messenger-Standard "Universal Profile" vorgestellt und zeigt sich überzeugt von den Möglichkeiten des neuen Messenger-Standards. Doch einige Fragen bleiben noch offen.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 60 Beiträge
Analyse zu RCS: Wird nur was, wenn alle mitziehen

(Bild: Google)

Googles RCS-Demo: Multimedia, vorgegebene Antworten und ein KI-Backend - das können andere Messenger auch.

Im Rahmen eines Workshops hat der Mobilfunkverband GSMA seine neue globale "Plattform für Konversationen, Chatbots und Kommerz" vorgestellt. Damit sollen Kunden im Dialog mit KI-gesteuerten Chatbots Dienstleistungen aller Art in Anspruch nehmen können und auch einkaufen können (Conversational Commerce). Als Anwendungsbeispiel präsentierte der bei Google für das Projekt zuständige Manager Amir Sarhangi eine Flugbuchung, bei der Kunde das elektronische Ticket direkt als Bild auf das Smartphone erhält.

Möglich macht solche Interaktionen eine Weiterentwicklung des Mobilfunk-Standards SMS namens Rich Communications Services (RCS), genauer gesagt eine Erweiterung von RCS namens Universal Profile. Google hat kürzlich begonnen, den Android-Messenger zu aktualisieren. Die neue Version unterstützt RCS, sodass auf einen Schlag 'zig Millionen Anwender den Standard nutzen können.

RCS ist wieder einmal ein Anlauf der Mobilfunkunternehmen, einen Fuß in den Markt des Messagings zu bekommen. Bislang haben die Mobilfunkunternehmen das Thema vergeigt. Sie haben viel zu lange an den veralteten SMS festgehalten. Die Kunden sind scharenweise zu WhatsApp und Konsorten abgewandert, mit denen sie mehr machen können, ohne extra dafür zu bezahlen. 2013 versuchten die Carrier es dann mit Joyn, Boden bei den Messengern gut zu machen – erfolglos.

Milliardenmarkt Messenger

Inzwischen zeichnet sich ab, dass Messaging in Zukunft weit mehr sein wird, als das Austauschen von Nachrichten unter Freunden und Kollegen. Auf verschiedenen Messenger-Plattformen entsteht derzeit die Infrastruktur, mit der man viel mehr machen kann als nur quatschen: Mit Messaging as a Platform werden Dienstleistungen und Kommerz in den Messenger abwandern. Facebook baut mit seinem Messenger an so einem Ökosystem, aber auch rund um andere Messenger wie Telegram entsteht so eine Plattform. Der chinesische Messenger WeChat ist das Vorbild.

Eine Analyse von Jo Bager

Jo Bager arbeitet schon seit fast zwanzig Jahren bei c't und seit dem Start auch bei heise online. Er schreibt über Suchmaschinen, soziale Netze und Web-Dienste aller Art und ist immer wieder fasziniert davon, wie sich die IT-Branche permanent neu erfindet.

Die Mobilfunkunternehmen wollen diesen lukrativen Markt nicht kampflos aufgeben. Sie haben mit Google einen Partner gefunden, der bisher mit seinen Messengern ebenfalls sehr erfolglos war. Gemeinsam will man den Markt von hinten aufrollen. Was man bisher von den Funktionen von RCS gesehen hat, ist allerdings nicht gerade überwältigend. In den Demos war nichts zu sehen, was WhatsApp und Konsorten nicht auch könnten, eher im Gegenteil: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung scheint nicht mal ein Bestandteil des Standards zu sein.

Der letzte Trumpf

Bleibt den Carriern eigentlich nur ein einziger Trumpf – der einst auch dazu geführt hat, dass SMS so beliebt wurde: die globale Verfügbarkeit. Dazu müssen aber alle mitziehen, Mobilfunkunternehmen, Gerätehersteller und Hersteller von Betreibssystemen für Mobilgeräte. Und da ist noch Luft nach oben: Google und Microsoft sind dabei, mit Apple laufen derzeit Gespräche.

Immerhin 11 Gerätehersteller und 47 Mobilfunkunternehmen haben sich zum Universal Profile bekannt, aber auch dort gibt es wohl noch viel Raum für Verbesserungen. So berichtet Android Police von Problemen in den USA, wo die RCS-Versionen von T-Mobile, AT&T und Sprint zueinander inkompatibel sind. Das können aber noch Kinderkrankheiten sein.

Bei RCS/Universal Profile haben sich viele Schwergewichte, die teilweise in Konkurrenz zueinander stehen, zusammengetan, um etwas Neues zu schaffen. Diese Haltung müssen sie beibehalten und auch noch die verbliebenen Zweifler ins Boot holen. Sonst droht dem neuen Standard das Schicksal von SMS und Joyn. (jo)

Anzeige
Anzeige