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Analysten: Bedarf an Xbox-360-Konsolen in Europa gesättigt [Update]

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Laut einer Studie von Screen Digest stagnieren die Verkäufe der Xbox 360. Derzeit liegen sie in Europa unter 30.000 Exemplaren pro Woche. Weltweit wurde die Konsole seit ihrer Markteinführung Ende 2005 zehn Millionen Mal verkauft. Am besten verkauft sich die Xbox 360 in den USA (6,4 Millionen); in Japan wird sie dagegen weitgehend ignoriert (0,4 Millionen). Dies liegt laut Screen Digest daran, dass Microsoft als Zielgruppe ausschließlich männliche Erwachsene anspricht und diese mit immer gleichen Schieß- und Sportspielen versorgt.

Zwar erscheinen im vierten Quartal 2007 mit Halo 3 und Bioshock zwei von Spielefans lang erwartete Titel, aber auch diese sprechen keine neuen Zielgruppen an. Das gleiche gilt für Grand Theft Auto IV, für das sich Microsoft die Exklusivrechte für herunterladbare Zusatzinhalte gegen eine Zahlung von 50 Millionen Dollar an den Entwickler Rockstar Games zusichern ließ. Eine Chance sehen die Analysten im Online-Angebot Xbox Live. Das System hat mittlerweile weltweit 6 Millionen Nutzer. Dafür könnten "kleine" Spiele mit geringem finanziellen Aufwand entwickelt und zum Download angeboten werden. Die herunterladbaren Xbox-Live-Spiele würden bereits 70 Prozent der Software-Verkaufe für die Xbox 360 ausmachen.

Ganz anders läuft es bei Nintendo. Die Wii-Konsole und der Handheld DS verkaufen sich weltweit wie geschnitten Brot. Trotz rechenschwacher Hardware sind sie derzeit die Gewinner im Konsolen-Kampf. Seit der Veröffentlichung im Dezember 2006 konnte sich die Wii bereits 8 Millionen Mal verkaufen. Von der Nintendo DS gingen seit Ende 2004 bisher weltweit 44 Millionen Stück über die Ladentheken. Das Erfolgsrezept beruhe auf der robusten Verarbeitung des Systems, der einfachen Bedienung und dem günstigen Preis. Mit der neuartigen Steuerung beider Systeme und breit gefächerten Spielkonzepten, wie etwa Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging oder Nintendogs spreche Nintendo Gelegenheitsspieler und zunehmend auch Frauen an. Laut Screen Digest liegt der Anteil von weiblichen Spielern bei 54 Prozent.

Screen Digest stellt den langfristigen Erfolg der Wii aber in Frage. Derzeit würden Entwickler durch geringe Entwicklungskosten und hohe Verkaufszahlen der Konsolenhardware dazu verleitet, den Markt mit billig produzierten Minispielsammlungen zu überfluten. Dies ziehe Entwicklungsressourcen von den übrigen Systemen Playstation 3 und Xbox 360 ab, was mittelfristig die Entwicklung des gesamten Videospielemarktes beeinträchtigen könnte. Bisher würden 40 Prozent der Wii-Besitzer die Online-Fähigkeiten ihrer Konsole nutzen. Der Bericht empfiehlt Nintendo deshalb, die Online-Angebote weiter auszubauen.

Sony hat derweil mit generell geringen Verkaufszahlen der Playstation 3 zu kämpfen. Seit dem Launch Ende 2006 in Japan konnten weltweit 3,4 Millionen Konsolen abgesetzt werden. Viele potenzielle Kunden würden aber von dem hohen Preis von 599 Euro abgeschreckt. Screen Digest erwartet deshalb eine Preissenkung bis zum Jahresende, die allerdings mit einem weiteren Angebot gekoppelt werden müsste. Ein denkbarer Termin für die Preissenkung sei etwa die Einführung der Online-Plattform Playstation Home oder die Veröffentlichung des Spieles Grand Theft Auto IV im Oktober. Auf der jüngsten Aktionärsversammlung versprach der Chef von Sony Computer Entertainment Kazuo Hirai, das bis März 2008 insgesamt 380 neue Spiele (darunter 200 Blu-Ray-Titel und 180 Download-Spiele) für die PS3 veröffentlicht werden sollen.

Die mobile PSP-Konsole wird trotz der weltweit 22 Millionen verkauften Geräte ihrem Image als "Walkman das 21. Jahrhunderts" nicht gerecht, denn es fehlten markante Spieltitel. Die Analysten sehen das Potenzial der Taschenkonsole in einer Neukonzeption der Download-Angebote. So erwarten sie, dass Sony zum Jahresende das Download-Angebot von Spielen für die PSP, unter anderem aus dem riesigen Pool an PSOne-Spielen, deutlich ausbaut, um Nintendo Paroli bieten zu können.

UPDATE: Die angegebene Zahl von 30.000 in Europa verkauften Xbox-360-Konsolen bezieht sich nicht, wie zunächst angegeben, auf einen Monatszeitraum, sondern auf die Verkäufe pro Woche. (Dennis Schirrmacher) / (hag)