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Analysten: Schlamassel auf dem Smartphone-Markt

Der weltweite Smartphone-Absatz ist weiter auf Schrumpfkurs – und das wird auch 2019 nicht viel besser, mahnen die Marktforscher von IDC.

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Android-Smartphone

Mit einem Marktanteil von mehr als 80 Prozent ist Android das dominierende Smartphone-System.

(Bild: dpa, Britta Pedersen)

Der Abwärtstrend auf dem weltweiten Smartphone-Markt hält an. Laut vorläufigen Zahlen der Marktforscher von IDC haben die Hersteller im Schlussquartal 2018 rund 375 Millionen Smartphones und damit knapp 5 Prozent weniger Geräte ausgeliefert als im Jahr zuvor. Damit schrumpft der Markt das fünfte Quartal in Folge. Das schlägt sich auch in der Gesamtschau für 2018 nieder: Im vergangenen Jahr haben die Hersteller rund 1,4 Milliarden Smartphones ausgeliefert, das waren gut 4 Prozent weniger als noch 2017.

Der Nachfrage-Rückgang dürfte auch 2019 anhalten, meinen die IDC-Analysten mit Blick auf die schwierige Marktlage. "Global betrachtet ist der Smartphone-Markt derzeit ein ziemlicher Schlamassel", meint Ryan Reith. "Abgesehen von einer Handvoll Märkten mit starkem Wachstum wie Indien, Indonesien, Korea und Vietnam haben wir 2018 nicht viel positive Bewegung gesehen."

Smartphone-Verkäufe nach Hersteller, Q4/2018 (IDC)
Hersteller Geräte Marktanteil Geräte Marktanteil Geräte +/-
4. Quartal 2018 4. Quartal 2017
Samsung 70,4 Mio. 18,7 % 74,5 Mio. 18,9 % -5,5 %
Apple 68,4 Mio. 18,2 % 77,3 Mio. 19,6 % -11,5 %
Huawei 60,5 Mio. 16,1 % 42,1 Mio. 10,7 % +43,9 %
Oppo 29,2 Mio. 7,8 % 27,3 Mio. 6,9 % +6,8 %
Xiaomi 28,6 Mio. 7,6 % 28,2 Mio. 7,1 % +1,4 %
Andere 118,4 Mio. 31,5 % 145,3 Mio. 36,8 % -18,5 %
Gesamt 375,5 Mio. 394,7 Mio. -4,9 %
(IDC Worldwide Quartely Mobile Phone Tracker, Januar 2018)

IDC sieht verschiedene Ursachen für die Marktentwicklung. Dazu gehören längere Lebensdauer der Geräte beim Verbraucher, zunehmende Sättigung der großen Märkte und politische wie wirtschaftliche Unsicherheiten. Aber auch der Preis spielt eine Rolle: Verbraucher seien "zunehmend frustriert wegen der kontinuierlich steigenden Preise", erklärt Reith.

Ein wichtiger Markt bleibt China. Hier werden rund 30 Prozent aller Smartphones verkauft. Doch der Abwärtstrend auf dem chinesischen Markt hat sich 2018 noch einmal beschleunigt: Um 10 Prozent ist der Absatz im Vergleich zu 2017 zurückgegangen. Hier konnten die großen Hersteller Huawei, Oppo, Vivo und Xiaomi ihre Marktanteile auf zusammen fast 80 Prozent ausbauen.

Smartphone-Verkäufe nach Hersteller, 2018 (IDC)
Hersteller Geräte Marktanteil Geräte Marktanteil Geräte +/-
2018 2017
Samsung 292,3 Mio. 20,8 % 317,7 Mio. 21,7 % -8,0 %
Apple 208,8 Mio. 14,9 % 215,8 Mio. 14,7 % -3,2 %
Huawei 206,0 Mio. 14,7 % 154,2 Mio. 10,5 % +33,6 %
Xiaomi 122,6 Mio. 8,7 % 92,7 Mio. 6,3 % +32,3 %
Oppo 113,1 Mio. 8,1 % 111,7 Mio. 7,6 % +1,3 %
Andere 462,0 Mio. 32,9 % 573,4 Mio. 39,1 % -19,4 %
Gesamt 1404,8 Mio. 1465,5 Mio. -4,1 %
(IDC Worldwide Quartely Mobile Phone Tracker, Januar 2018)

Auch weltweit bauen die Spitzenhersteller ihre Positionen aus. Apple ist nach dem Weihnachtsquartal mit drei neuen iPhone-Modellen wieder an Huawei vorbeigezogen und belegt hinter Marktführer Samsung den zweiten Platz. Hinter dem Spitzentrio folgen Xiaomi und Oppo sowie Vivo auf dem sechsten Platz. Diese sechs Hersteller stehen für drei Viertel des Weltmarkts.

Bei Samsung bleibt abzuwarten, ob die Koreaner 2019 ihre unter Druck geratene Marktführerschaft halten können. Die Einführung von 5G dürfte den Koreanern in die Hände spielen: Von Apple erwarten die IDC-Analysten in diesem Jahr noch kein 5G-taugliches iPhone – und auch ohne 5G schrumpfte Apples Absatz zuletzt stärker als der Marktdurchschnitt. Herausforderer Huawei hingegen wächst weiter zweistellig und profitiert von Tochtermarke Honor, die inzwischen für die Hälfte des Konzernabsatzes steht.

Immer mehr Nutzer warten länger, bis sie ihr altes Smartphone ersetzen. Die Hersteller müssten eine neue Balance von Innovation, Design und Preis finden, meint IDC-Analyst Anthony Scarsella: "Die Einführung von 5G und faltbaren Geräten später im Jahr könnte der Branche neues Leben einhauchen." Allerdings rechnet IDC damit, dass die Einführung neuer Techniken auch die Herstellungskosten und Endpreise nach oben treiben. "Um hier entgegenzuwirken, müssen Netzbetreiber und Händler verstärkt auf Angebote für den Ankauf alter Geräte setzen."

Update: Falsche Daten für die Marktanteile des Gesamtjahrs 2017 in der zweiten Tabelle korrigiert. (vbr)