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Android 4.0: Neues Design, neue Features

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Neues Oberflächendesign: Android 4.0 Ice Cream Sandwich

(Bild: Google)

Ein bisschen Design wie Windows Phone, ein bisschen Gesten wie WebOS und ein bisschen Bedienung wie iOS: In der neuen Android-Version hat Google sich an den Stärken der Konkurrenz orientiert und einige neue Ideen eingebaut. Android "Ice Cream Sandwich", das sowohl für Tablets als auch Smartphones optimiert ist, soll mit dem neuen Design ansprechender und emotionaler wirken. Man habe sich unter anderem am Stil von gedruckten Magazinen orientiert, erklärte Matias Duarte von Googles Android-Team auf einer Präsentation in Hongkong, auf der das Internetunternehmen gemeinsam mit Samsung auch das neue Google-Handy Galaxy Nexus präsentierte. Dazu tragen unter anderem der elegante Android-Font namens Roboto, die insgesamt weniger überfrachtete Android-Oberfläche und die stärker an Fotos und großer Schrift orientierten Standard-Apps bei.

Offensichtlich hat man sich dazu auch das Metro-Design von Windows Phone 7 und Windows 8 näher angeschaut. So zeigt das Adressbuch (People) nun große Bilder der Kontakte und listet darunter in einem schlichten Textdesign aus Quellen wie Google, Facebook und Twitter aggregierte Adressen, Telefonnummern und weitere Informationen auf. Am rechten Rand ist wie bei Windows Phone 7 eine zweite Ansicht angedeutet: Wischt man von rechts nach links, verschiebt sich die Anzeige zu einer Übersicht von Status-Updates und Fotos dieser Person aus sozialen Netzwerken. Ähnlich funktioniert die Bedienung im aufgehübschten Kalender oder im GMail-Client. Wichtige Optionen wie "Weiterleiten", "Archivieren" oder "Löschen" werden je nach Kontext in einer zweiten Leiste, Action Bar genannt, am unteren Bildschirmrand über der Menüleiste angezeigt.

Android 4.0 versucht die Infos von Kontakten außerdem besser in den unterschiedlichen Apps zu integrieren: Personen werden fast überall mit Foto dargestellt; ein Tipp auf den Namen führt zu weitergehenden Informationen. In Google Mail öffnet sich dann beispielsweise eine Visitenkarte mit Links zu den verschiedenen sozialen Netzwerken, auf denen man miteinander verbunden ist. Über Schnittstellen können sich App-Entwickler dort einklinken, um Daten auszulesen oder einzupflegen.

Android 4.0 – Ice Cream Sandwich (10 Bilder)

In Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich steckt eine Fülle von Detailverbesserungen: Der Sperrbildschirm zeigt Neuigkeiten und bringt den Nutzer ohne Umwege zur Kamera-App. (Bild: Google)

Viele Neuerungen des Startbildschirms kennt man bereits vom nur für Tablets verfügbaren Android 3.0 "Honeycomb": So ersetzt eine virtuelle Menüleiste unter anderem für Home, Zurück und Einstellungen die bei Smartphones üblichen mechanischen oder Sensortasten. Widgets gibt es auch als Cards-Modus, in dem man durch die als Kartenstapel animierte Inhalte durchflipt. Ordner auf dem Startbildschirm erstellt man wie bei iOS, indem man ein Icon auf ein anderes zieht. In die Schnellstartleiste am unteren Rand kann man nun Apps, Links und Ordner ziehen.

Die Spracherkennung wandelt das Gesprochene in Echtzeit in Text um.

(Bild: Google)

Zuvor geöffnete Apps listet der Task-Manager per Fingertipp mit kleinen Vorschaubildern auf. Wischt man horizontal über die App-Vorschau, verschwindet sie aus der Liste – das erinnert an das Fenster-Management von WebOS. Das Wegwischen von geöffneten Inhalten zieht sich durch alle Standard-Apps von Android: Es löscht beispielsweise einzelne Meldungen in der Notifications Bar oder schließt Browser-Tabs. Auch sonst setzt die Bedienung verstärkt auf Gesten und soll insgesamt mehr Konsistenz zwischen den verschiedenen Apps bringen – Mangel an Konsistenz ist ein häufiger Kritikpunkt bei den bisherigen Android-Versionen.

Überarbeitet hat Google die Eingabefunktionen: Die automatische Korrektur soll besser funktionieren, unbekannte Schreibweisen werden beim Tippen rot unterstrichen, ein Tipp darauf blendet Korrekturvorschläge ein. Die Eingabe per Speech-To-Text zeigt das Gesprochene ohne Verzögerung schon beim Sprechen an, was darauf schließen lässt, dass sie nicht mehr wie bisher über einem Google-Server läuft. Android unterstützt nun außerdem spezielle Funktionen von Eingabestiften wie Druckempfindlichkeit oder Neigung.

Im Sperrbildschirm kann man ohne zu entsperren die Foto-Anwendung starten und die Leiste mit Systemmeldungen öffnen. Letzteres könnte allerdings im Fall eines Handyverlusts sensible Informationen für Dritte sichtbar machen – ob es die Möglichkeit gibt, diese Funktion zu deaktivieren, wurde auf der Präsentation nicht bekannt. Alternativ zu PIN- und Mustereingabe kann man sein Smartphone auch per Gesichtserkennung entsperren. Ob dieses Gimmick allerdings zuverlässig zwischen davorgehaltenen Fotos oder Videos und einem tatsächlichen Gesicht unterscheiden kann, ist fraglich.

Viele der Standard-Apps sind von Google erweitert worden. Google Mail bietet nun eine Offline-Suche, die standardmäßig die E-Mails der vergangenen 30 Tage indexiert und auf einen beliebigen Zeitraum eingestellt werden kann. Der Chrome-Browser soll ein ganzes Stück schneller geworden sein, hat maximal 16 Tabs gleichzeitig geöffnet und synchronisiert Lesezeichen mit dem Desktop-Chrome. Webseiten können für den Offline-Gebrauch gespeichert werden. Die Foto-App hat standardmäßig einen Digitalzoom, eine Panoramafunktion und einen Editor mit Zuschneiden, Drehen und Effekten. Die Fotogalerie ist schicker und zeigt Fotoalben als große Kacheln an.

Über NFC können Android-4.0-Handys Daten wie Kartenausschnitte oder Links tauschen, wenn man sie zusammenhält.

(Bild: Google)

Auch die Telefoniefunktion hat dazugelernt: Android unterstützt nun Visual Voicemail; beim Ablehnen eines Anrufs kann man eine vorher definierte Abwesenheits-SMS schicken. Unter Einstellungen findet sich der Unterpunkt "Data Usage", der detailliert auflistet, in welchem Zeitraum welche Anwendung wieviel Traffic verursacht hat und davor warnt, wenn man eine selbst definierte Grenze erreicht. Praktisch: Man kann dort einzelnen Apps verbieten, im Hintergrund Daten zu laden oder zu versenden. Ein neues Feature dürfte vor allem Handy- und App-Tester freuen : Drückt man den Ein-/Ausschalter und die Leiser-Taste gleichzeitig, macht Android einen Screenshot.

Android Beam erlaubt es, per NFC mit anderen Ice-Cream-Sandwich-Geräten Informationen auszutauschen: Hält man beide Geräte zueinander, können sie beispielsweise einen Kartenausschnitt auf Google Maps, Kontaktdaten oder den Android-Market-Link zur geöffneten App weitergeben. Eine Direktverbindung ist in Ice Cream Sandwich auch per WLAN (Wi-Fi Direct) möglich.

Android 4.0 debütiert auf dem neuen Google-Handy Galaxy Nexus, das im November auf den Markt kommt. Kein Wort verlor Google über die Unterstützung älterer Geräte: Vor allem der Wechsel zur tastenlosen Bedienung könnte die Umsetzung des neuen Android-Layouts auf früheren Modellen erschweren. Auch noch nichts zu sehen gab von Ice Cream Sandwich auf größeren Formfaktoren wie Tablets. [Update] Gegenüber der Webseite Engadget hat das Unternehmen bestätigt, dass das Nexus S ein Update auf Android 4.0 bekommen wird, zum Nexus One gibt es noch keine konkrete Zusicherung. Theoretisch soll Ice Cream Sandwich aber auf allen Android-2.3-Geräten laufen können, hieß es. [/Update]

Seit heute verfügbar ist unter developer.android.com die Entwicklungsumgebung von Android Ice Cream Sandwich , mit der Anwendungs-Programmierer neue Funktionen in ihre Apps integrieren können.

Siehe dazu auch:

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