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Android-Alternative: Bei Cyanogen ist was im Busch

Abschied vom Betriebssystem, stattdessen Apps: Diese Schlagzeilen haben für Aufruhr in der Cyanogen-Community gesorgt. Die Chefs von Cyanogen Inc versuchen zu beruhigen. Doch es sieht nach Veränderungen aus.

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Cyanogen

Das Führungsduo von Cyanogen Inc hat Gerüchte zurückgewiesen, das Unternehmen stehe vor einem Strategiewechsel. Zuvor hatten US-Medien unter Berufung auf Insider berichtet, das Startup habe rund ein Fünftel der Belegschaft entlassen und werde sich von der Entwicklung des Smartphonebetriebssystems Cyanogen OS abwenden und künftig auf Apps konzentrieren. CEO Kirt McMaster hat zumindest den letzten Teil als "falsch" bezeichnet: "Wir stehen zu unserer Mission, ein offenes Android zu schaffen."

Die Cyanogen Inc entwickelt das kommerzielle Betriebssystem Cyanogen OS, das auf den offenen Quellen von Android basiert. Das kommerzielle OS wird parallel zu den CyanogenMod genannten Custom-ROMs entwickelt, einer Kombination aus Firmware und Betriebssystem, die von einer weltweiten Entwickler-Community für verschiedene Android-Smartphones bereitgehalten werden.

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Steve Kondik ist Cyanogen. So nennt sich der Entwickler im Xda-Developers-Forum, wo er 2009 seine Version einer offenen Firmware für das HTC Dream (T-Mobile G1) veröffentlicht: das erste CyanogenMod. Es ist besser als die Original-Firmware von HTC. Inzwischen gibt es solche Mods für zahlreiche Geräte von derzeit 30 verschiedenen Herstellern. CyanogenMod hat Millionen Nutzer weltweit. Die aktuelle Version CM 13 basiert auf Android 6 (Marshmallow).

2013 wurde Cyanogen Inc gegründet. Das Startup will eine kommerzielle Version des Mods an Gerätehersteller vermarkten, die es es Cyanogen OS nennt. Dass Kondik als CTO bis heute an Bord ist, konnte den Aufruhr in der Community nicht verhindern. Die Befürchtungen über einen möglichen Ausverkauf flammen zwei Jahre später wieder auf, als das Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit Microsoft eingeht. Cyanogen OS gibt es nun mit Bing, Skype und anderen Diensten von Microsoft.

Nun also wieder Aufregung. Wenn sich Cyanogen Inc von der Entwicklung des Betriebssystems verabschiedet, sind auch die CyanogenMods betroffen. Denn das Startup trägt wesentlich zur Entwicklung des Systemkerns bei, der auch in jedem Mod steckt. Dem Projekt würde einige Entwicklungsleistung fehlen. Kondik versucht zu beruhigen: "Weder wird sich bei CyanogenMod was ändern noch stellt Cyanogen Inc seine Bemühungen ein, es einem größeren Publikum zuzuführen."

"Es gibt keinen Pivot zu Apps", twittert McMasters. "Pivot" ist Valley-Sprech für "unsere Idee war Mist und wir machen jetzt was anderes". Manchmal ist die Idee der Gründer zwar ganz hübsch, aber es gibt weder Bedarf noch Zielgruppe. Oder das Produkt ist zu kompliziert. Dann hilft vielleicht eine harte Kurskorrektur. Das Team bleibt, nur das Produkt ist jetzt ein anderes. Ein prominentes Beispiel ist Android: Vor dem Pivot wollten Andy Rubin und seine Mitstreiter ein Betriebssystem für Digitalkameras machen. Nach dem Strategiewechsel kamen Google und seine Dollars. Der Rest ist Geschichte.

Steht Cyanogen vor so einem Pivot? Nein, sagen die Chefs. In der Startup-Welt ist die Haltbarkeit solcher Bekenntnisse allerdings nicht besonders ausgeprägt. Dazu kommt, dass weder McMasters noch Kondik die gemeldeten Entlassungen dementieren. Der CTO räumt ein, dass nicht alles funktioniert hat wie geplant, will aber an seinen Zielen festhalten. Mehr Informationen soll es in Kürze geben, verspricht Kondik. Auf mehrfache Nachfragen reagiert das Unternehmen nicht. Es ist was im Busch.

Auf dem Papier hat Cyanogen alles, was Smartphone-Hersteller wollen: Android ohne Google. Das Startup hat über 100 Millionen US-Dollar von namhaften Investoren eingesammelt, darunter Qualcomm, Foxconn und Telefónica. In dem chinesischen Newcomer OnePlus hatte Cyanogen einen vielversprechenden Partner: Mit dem OnePlus One, von den Chinesen selbstbewusst als "Flagship-Killer" annonciert, war Cyanogen OS in der Oberliga angekommen. Die Ehe hat nicht lange gehalten.

Smartphones mit Cyanogen OS (7 Bilder)

Das Obi Worldphone MV1 war auch in Europa erhältlich.
(Bild: heise online)

Die Chinesen waren sauer, dass sich Cyanogen in Indien exklusiv mit dem Hersteller Micromax eingelassen hatte – für einen Markt, auf dem OnePlus gerade seinen Flagship-Killer herausbringen wollte. Das hatte eine gerichtliche Auseinandersetzung und die Trennung zur Folge. OnePlus stattet seine Smartphones inzwischen mit einem eigenen Android-ROM namens OxygenOS aus – und ist damit heute ziemlich erfolgreich. Von Cyanogen Inc kann man das nicht unbedingt behaupten.

Es gibt ein paar Smartphones mit Cyanogen OS. Von Lenovo ist eins dabei, das spanische Aquaris X5, einige Yu-Smartphones von Micromax. Zuletzt war der englische Newcomer Wileyfox mit einem Line-Up von Einsteiger- und Mittelklasse-Smartphones zur Cyanogen-Familie gestoßen. Der große Durchbruch ist bisher nicht gelungen. Dabei hatte der CEO – typisch Silicon Valley – früher eine ganz schön große Klappe. "Wir werden Google die Kontrolle über Android entreißen", hat McMaster gesagt. Und: "Wir jagen Google eine Kugel in den Kopf."

Heute klingt das ein bisschen anders. Google ist nicht der Feind, sagt der Cyanogen-CEO dem Business Insider. Mit der Zeit werde man sich hoffentlich wieder "annähern". Das klingt ein bisschen nach einem CEO, der einen möglichen Exit auslotet. Google wollte Cyanogen schon einmal übernehmen. Andererseits spricht McMaster in letzter Zeit gerne über künstliche Intelligenz. Es gibt also Raum für Spekulationen. McMaster, der selbst ein iPhone benutzt, will weitermachen. "Unterm Strich steht, dass wir Entlassungen hatten", sagt er. "Das ist bedauerlich, aber es bedeutet nicht, dass wir versagen. Wir fokussieren." (vbr)

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