Menü

Android-Alternative am Ende: Cyanogen entlässt Betriebssystem-Entwickler

Der kommerzielle Ableger von CyanogenMod, Cyanogen Inc., entlässt Berichten zufolge einen Großteil seiner Belegschaft, darunter alle Entwickler der Betriebssystemsparte. Man wolle sich künftig auf Apps konzentrieren.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 225 Beiträge
Android

(Bild: dpa, Andrea Warnecke)

Das Unternehmen Cyanogen Inc. soll sich von der Entwicklung seines kommerziellen Android-Ablegers Cyanogen OS verabschiedet und alle Mitarbeiter der Betriebssystemsparte entlassen haben, berichtet die Website Android Police. Stattdessen wolle man sich aufs Entwickeln von Apps verlegen, so der Bericht. Die Entlassungen betreffen etwa 20 Prozent der Belegschaft, ungefähr 30 von 136 Personen an mehreren Standorten des Unternehmens weltweit. Kleine Büros in Portugal und Indien sollen demnach ganz geschlossen werden.

Cyanogen Inc. wurde 2013 als kommerzielle Auskopplung des Open-Source-Projekts CyanogenMod gegründet, das sich bei den freien Android-Quellen bedient. Es läuft auf zahlreichen Mobilgeräten und verzichtet auf herstellerspezifische Ergänzungen einschließlich der Google-Komponenten. Maßgeblich beteiligt an der Kommerzialisierung war Steve Kondik, CTO des Unternehmens und einer der Hauptentwickler von CyanogenMod.

Das Start-up-Unternehmen ergatterte in mehreren Finanzierungsrunden prominente Unterstützung. Die angestellten Programmierer widmeten sich CyanogenMod, aus dem das Unternehmen sein Betriebssystem Cyanogen OS baute und Herstellern von Mobilgeräten in Lizenz anbot, womit es sie auch von der Update-Pflege entbinden wollte. Unternehmen wie der spanische Hersteller BQ, Lenovo oder der britischen Neueinsteiger Wileyfox stellten entsprechende Smartphones vor. Anscheinend ist dieses Vertriebsmodell jedoch von den Verantwortlichen nun endgültig für nicht profitabel erachtet worden.

Zuletzt hatte Microsoft mit dem Unternehmen an einer "Mods" getauften modularen Erweiterung gearbeitet. Mods sollten Apps tiefer ins Betriebssystem integrieren, darunter Skype, Microsofts Sprachassistentin Cortana und die Notizsoftware OneNote. Offen ist, ob das Unternehmen nach der strategischen Neuausrichtung diese Technik weiterführen oder sich konventionellen Apps widmen wird.

Die Umwälzungen bei Cyanogen Inc. kommen überraschend und dürften dem Projekt CyanogenMod einen schweren Schlag versetzen: Grundsätzlich ist das von einer freien Community getragene OS unabhängig von dem Unternehmen, allerdings gehen mit der wegfallenden Existenzgrundlage der CyanogenMod-Programmierer dem Projekt erhebliche Ressourcen verloren. (tiw)