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Android: Kritik an Googles geplanter Auktion für Suchmaschinen wächst

Suchmaschinen, die Google bei der Android-Einrichtung empfiehlt, sollen zahlen. Die geplante Auktion sei aber wettbewerbswidrig, kritisieren Dienste wie Ecosia.

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Von Anfang 2020 an sollen Nutzer in Europa bei der Einrichtung eines Android-Geräts neben Google auch drei weitere Suchmaschinen zur Auswahl angeboten bekommen.

(Bild: dpa, Sebastian Gollnow)

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Bei der Ersteinrichtung von Android-Geräten empfiehlt Google den Nutzern bald alternative Suchmaschinen. Damit reagiert das Unternehmen auf die Forderungen der EU. Doch die gebotene Auswahl soll nicht zufällig bestimmt werden, sondern durch ein Auktionsverfahren. Dagegen regt sich bei den Wettbewerbern nun Widerstand: Die Öko-Suchmaschine Ecosia etwa will sich an der geplanten Auktion nicht beteiligen, weil das Verfahren "wettbewerbswidrig" sei.

Google dominiert den Markt mit Android. Daher sei es eine "Beleidigung für die Bemühungen der Europäischen Kommission und für die Prinzipien von Gleichheit vor dem Gesetz", wenn Google den Zugang für Suchmaschinen-Anbieter zu Android-Nutzern versteigert. Google würde seine monopolistische Stellung damit ausnutzen, kritisiert Ecosia. Dessen Gründer Christian Kroll ruft andere Suchmaschinen dazu auf, "auf den Einstieg in die Auktion zu verzichten und sich für einen fairen Markt einzusetzen".

Auch Cliqz sieht die Google-Auktion kritisch: "Die Dreistigkeit, mit der Google den klaren politischen Willen der EU missachtet, verblüfft mich immer wieder", meint Dr. Marc Al-Hames, Geschäftsführer der Cliqz GmbH. Google tanze den politischen Entscheidungsträgern auf der Nase herum. Fair sei das Auktionsverfahren nicht, der Höchstbietende sei schließlich nicht automatisch der Beste. Die Nutzer sollten mehr Entscheidungsmöglichkeiten bekommen, fordert Cliqz. Google könne außerdem den Preis in die Höhe treiben. Die französische Suchmaschine Qwant sieht in Googles Vorgehen einen "totalen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung".

Google hatte seinen umstrittenen Plan Anfang August bekannt gegeben. Anbieter, die unter den künftigen Vorschlägen zu finden sein wollen, müssen Google einen Preis nennen, den sie zu zahlen bereit sind. Insgesamt vier Suchmaschinen will Google bei der Einrichtung eines Android-Geräts empfehlen. Ecosia kritisiert, dass Google einen künstlichen Mangel an Möglichkeiten schaffen würde, "wo eigentlich keiner ist". Neueinsteiger im Suchmaschinen-Markt hätten es damit schwer, Anteile zu gewinnen, zudem befürchtet Ecosia höhere operative Kosten.

Kleine Spezial-Suchmaschinen wie Ecosia haben es wahrlich nicht leicht, schließlich hat Google einen weltweiten Marktanteil von derzeit 88 Prozent. Und auch den Mobil-Bereich dominiert Google: Android liegt bei einem Anteil von knapp 80 Prozent (den Rest nimmt iOS ein). Die EU entschied, dass Google seine Marktmacht missbraucht und Android als Druckmittel eingesetzt habe – und verdonnerte das Unternehmen zu einer Rekordstrafe in Höhe von 4,3 Milliarden US-Dollar. Google soll künftig nicht mehr Chrome und die eigene Suche mit Android so eng verzahnen, wie es heute der Fall ist, forderte die EU. (dbe)