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Android M: App-Berechtigungen überarbeitet, neue Stromspar-Features

Die neue Android-Version mit dem Code-Namen M kommt im zweiten Halbjahr 2015: Nutzer können Schnüffel-Apps nun besser einschränken, Google hat außerdem Bezahlsystem und Stromspar-Features überarbeitet.

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Android M: App-Berechtigungen überarbeitet, neue Stromspar-Features

Google hat auf seiner Entwicklerkonferenz Google I/O einen Ausblick auf die nächste Android-Version gegeben. Einen offiziellen Namen gibt es noch nicht, die heute zum Download bereitgestellte Entwicklerversion heißt erst einmal "Android M developer preview". Google-Manager Dave Burke betonte, dass es bei der Entwicklung der neuen Version vor allem darum gegangen sei, Android zu "polieren" und die Qualität hoch zu halten. Google hatte aber nicht nur Feinschliff zu zeigen, sondern auch einige neue Features: Außer einem überarbeitetem Bezahldienst, Browser und Stromsparmodus stand vor allem das App-Berechtigungssystem im Rampenlicht.

Android M - Entwicklerversion im Überblick (13 Bilder)

Android M - Entwicklerversion im Überblick

Das nächste Android: Auf der Google I/O gab es einen ersten Ausblick auf Android "M" zu sehen.

Apps laufen unter Android in einer Sandbox und können auf Daten wie GPS-Position oder Fotos nur dann zugreifen, wenn man ihnen dafür eine Erlaubnis erteilt hat. Bisher musste man diese Erlaubnis aber bei Installation pauschal und für alle angeforderten Berechtigungen einräumen. Danach konnten Apps ohne Kontrolle jederzeit auf sensible Daten zugreifen. Über diese immer wieder kritisierte Rechtevergabe sammeln Apps beispielsweise Ortsdaten oder persönliche Informationen und geben sie an Werbepartner weiter, wie c't nachweisen konnte.

Google I/O 2015

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Unter Android M führt Google nun eine Möglichkeit ein, jeder App Berechtigungen einzeln zu erteilen und zu entziehen – ganz ähnlich wie es iOS für Kontakte und Ortsdaten schon länger macht. Bei Android soll das für insgesamt acht Berichtigungsarten möglich sein: den Zugriff auf den aktuellen Standort, die Kamera, das Mikrofon, die Kontakte, die Telefonie-Funktion, auf SMS, den Kalender und die Sensoren des Geräts. Nicht entziehen kann man demnach einer App den Zugriff aufs Internet. Der Zugriff auf Daten anderer Apps muss nicht extra gesperrt werden, denn das ist sowieso gar nicht vorgesehen.

[Update 29.05.2015 10:12]: Das neue Berechtigungssystem funktioniert – anders als in dieser Meldung ursprünglich angenommen – laut Google auch für älterne Apps, die nicht speziell für Android M optimiert wurden. Dies kann aber bei älteren Apps zu Fehlern führen, da Android vom User gesperrte Berechtigungen deaktiviert, ohne diese älteren Apps darüber infomieren zu können.[/Update]

Das neue System demonstrierte Google anhand von WhatsApp: Will man eine Sprachnachricht über WhatsApp versenden, erscheint bei erster Nutzung erst einmal ein Pop-up, dass den Nutzer um Zugriff auf das Mikrofon bittet. Später kann man diese Zugriffsberechtigung in den Einstellungen wieder entziehen. Eine ähnliche Funktion hatte Google bereits in Android 4.3 unter dem Namen "App Ops" als verstecktes Feature eingeführt, in späteren Versionen aber wieder entfernt.

Google werkelt weiter an einem eigenen Bezahlsystem. Google Pay soll sich ähnlich wie Apple Pay zu einer einfachen, mobilen Bezahlplattform mausern: Smartphones können über die Nahfunktechnik NFC zum Bezahlen benutzt werden, Partner sind unter anderem MasterCard, American Express, Discover und Visa. Die App ist auf den Smartphones vieler Mobilfunkprovider vorinstalliert, als Shop-Partner nannte Google unter anderem McDonald's, Subway und Walgreens. Wo der Dienst verfügbar sein wird, verriet Google noch nicht – die aktuelle Partner-Liste deutet aber darauf hin, dass man erst einmal nur in Nordamerika startet. Die Pay-App soll nicht nur mit Android M, sondern ab Android 4.4 verfügbar sein.

Es gibt schon einige Android-Smartphones mit Fingerabdruck-Sensor, hier kocht aber jeder Hersteller ein eigenes Süppchen. Mit "M" will Google eine standardisierte Schnittstelle dafür herausbringen, über die Entwickler das Verifizieren per Fingerabdruck in ihren Apps einbinden können.

Google gab einen kurzen Überblick über viele weitere Detail-Verbesserungen. Der neue Stromsparmodus heißt "Doze" und er erkennt über die Sensoren, ob ein Mobilgerät gerade in der Tasche steckt oder auf einem Tisch liegt: Dann kappt sie die Aktivitäten vieler Apps – nur noch wichtige Benachrichtigungen kommen durch. Darüber will Google in einem Test die Laufzeit eines Nexus-9-Tablets im Standby-Modus verdoppelt haben. Android "M" unterstützt darüber hinaus USB C.

Entwickler können eine individualisierte Version des Chrome-Browsers ("Chrome Custom Tabs") in ihren Apps einbinden, die einen eigenen Speicher für Log-ins, Passwörter und fürs Auto-Vervollständigen von Wörtern enthält.

Ebenfalls überarbeitet hat Google die Oberfläche: So ist unter anderem die Wortauswahl bei Cut-and-Paste vereinfacht und Lautstärkeregelung wurde optisch überarbeitet.

Veröffentlichen will Google die finale Version von Android M im dritten Quartal 2015. Jetzt schon können Entwickler die Vorabversion herunterladen für Nexus 5, 6 und 9. (acb)