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Android verbietet Nutzern Kontrolle über App-Rechte

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Die seit drei Tagen ausgelieferte Android-Version 4.4.2 nimmt den Benutzern die Möglichkeit, installierten Apps Rechte zu entziehen. Dieses Feature hatte Google erst im Sommer mit Android 4.3 eingeführt. Der Großteil der Benutzer dürfte das Einstellungsmenü "App-Vorgänge" (englisch: "App ops") nie zu Gesicht bekommen haben, da es sich um eine versteckte Einstellungsoption gehandelt hat. Um sie zu aktivieren, waren Tricks wie die hier beschriebenen notwendig oder eine Anwendung wie der App Ops Starter oder App Ops 4.3 / 4.4 KitKat.

So sah das Menü in Android 4.3 aus.

Das App-Ops-Feature erlaubte nicht die Kontrolle aller Rechte; beispielsweise war es nicht möglich, Internet- oder Speicherkartenzugriffe zu untersagen. Da Apps in den seltensten Fällen vorsehen dürften, dass der Nutzer ihnen einzelne Rechte entzieht, geht er damit das Risiko ein, dass diese sich unvorhersehbar verhalten. Nicht immer hat ein Rechteentzug die gewünschten Konsequenzen – beispielsweise nützt es nichts, Google+ die Kameranutzung zu verbieten, weil es zum Fotografieren die Galerie-App aufruft.

Dieses Feature war offensichtlich nie für die Benutzung vorgesehen, sondern wendete sich an Entwickler. Google sieht also die Einstellung der App ops als Korrektur eines Fehlers, der sich in den Release von Android 4.3 eingeschlichen hat. Geplant war das bereits für die Ende November veröffentlichte Version 4.4.

Doch einige Nutzer sind verärgert, dass Google ihnen diese Kontrollmöglichkeit entzieht. Der Bedarf daran wird schon dadurch bewiesen, dass mehrere zehntausend Anwender die Apps installiert haben, die das versteckte Feature nutzbar machten. Immer wieder ist von Missbrauchsfällen durch datenhungrige Android-Anwendungen zu lesen. Erst vorige Woche war ein besonders massiver Fall von Spionage durch eine millionenfach installierte Taschenlampen-App bekannt geworden.

Branchenbeobachter spekulieren denn auch, dass Google von den App-Entwicklern Druck bekommen hat. Verglichen mit anderen Mobilbetriebssystemen erfreuen sich kostenlose, werbefinanzierte Anwendungen auf Android-Geräten besonders hoher Verbreitung. Eine verschärfte Rechteverwaltung könnte solchen Apps zum Beispiel die Chance verwehren, Banner aus dem Internet nachzuladen.

Die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) betrachtet diese Änderung als "alarmierende Nachricht" und verweist darauf, dass Erzkonkurrent Apple hier schon seit Jahren mit gutem Beispiel vorangeht. Da das Update auf Android 4.4.2 Sicherheits-Fixes enthält, ist ein Überspringen auch keine Lösung. Android-Nutzern bleibt nur die Option, kritische Anwendungen zu deinstallieren oder ihr Gerät zu rooten, um die Kontrolle über die App-Rechte zurückzuerhalten. (Herbert Braun) / (mho)

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