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Anforderung an Vista-Capable-Logo auf Intels Drängen reduziert

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In der Sammelklage gegen Microsoft wegen angeblicher falscher Versprechungen, die vornehmlich der 2006 genutzte PC-Sticker "Windows Vista Capable" angedeutet habe, erhärtet sich der bereits zuvor bekannt gewordene Verdacht, Microsoft habe möglicherweise mit reduzierten Logo-Anforderungen Intel helfen wollen. Wie nun bekannt wurde, hat Intel-Chef (CEO) Paul Otellini mit einigen für das Vista-Logo-Programm zuständigen Microsoft-Mitarbeitern per Mail diskutiert und später seine Bedenken bezüglich des Logos sogar an Microsoft-CEO Steve Ballmer herangetragen. Wohl nur wenig später haben Microsoft-Manager durchgesetzt, dass die Richtlinien zur Nutzung des Logos heruntergeschraubt werden. Das habe auch bei einigen Microsoft-Mitarbeitern für Spott gesorgt; einige von ihnen hatten damals schon erkannt, dass die Kunden durch ein abgespecktes Logo verwirrt werden könnten – wie es die Kläger in der Sammelklage mittlerweile vorbringen.

Diese Informationen gehen aus Berichten der Seattle Times und des Seattle Tech Report (1, 2) hervor. Beide stützen sich auf ursprünglich firmenintene oder zwischen Intel und Microsoft erfolgte Mailwechsel, die kürzlich im Rahmen der Sammelklage publik wurden. Intel war demnach aber nicht das einzige Unternehmen, das zwischen Mitte 2005 und Anfang 2006 bei Microsoft darum gebeten hat, die Logo-Richtlinien zu reduzieren; auch Dell, Fujitsu und Sony hätten beim Betriebssystemhersteller vorgesprochen.

Intel hätte es aber wohl besonders hart getroffen: Umsatzeinbußen in Höhe von 600 Millionen US-Dollar hätte der CPU- und Chipsatzhersteller laut einer in den Mails gefundenen Schätzung eines Microsoft-Mitarbeiters etwa hinnehmen müssen, wenn Microsoft das Logo-Programm in der damals geplanten Form bereits im April statt wie ursprünglich geplant erst im Juni eingeführt hätte. Laut Microsoft Marketing Direktor Rajesh Srinivasan hätten Intels Einbußen sogar jenseits der Milliardengrenze liegen können, wenn das Logo wie damals geplant WDDM-Treiber für die Grafikhardware vorausgesetzt hätte.

Letzteres strich Microsoft dann nach Eingreifen von Otellini aus den Richtlinien zur Nutzung des "Windows Vista Capable"-Logos, sodass auch Systeme mit dem damals verbreiteten 915-Chipsätzen mit integriertem Grafikkern den Sticker tragen durften. Die charakteristische und von vielen Anwendern mit Vista eng verbundene Aero-Glass-Oberfläche erfordert allerdings WDDM-Treiber, sodass diese auf PCs mit 915-Grafik bis heute nicht funktioniert. Vista Home Basic bietet die Aero-Glass-Oberfläche allerdings erst gar nicht – daraus entstand im Rahmen der Klage die bereits diskutierte Frage, ob denn Vista Home Basic überhaupt eine echte Vista-Version darstelle, ob die Variante kurz als "Vista" bezeichnet werden durfte und ob auf diese Weise nicht einfach nur die Nachfrage künstlich gesteigert werden sollte.

Aus dem Chaos gelernt hat Microsoft indes bereits: Statt vier Sticker-Logos, die die Kompatibilität von Hard- und Software mit Windows Vista anzeigten, will das Unternehmen bei Windows 7 nur mehr eines nutzen. (thl)