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Anga Com Mediengipfel: "Netflix ist ein Kartenhaus"

Der Video-Streaming-Markt wird durch neue Entwicklungen aufgemischt. Deutsche Sender wollen mit eigenen Konzepten gegenhalten.

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(Bild: dpa, Jens Kalaene)

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Mit Live-Übertragungen und lokalen Angeboten will die deutsche Medienbranche der Konkurrenz durch Streaming-Plattformen begegnen. Auf der Fachmesse Anga Com in Köln zeigten sich Vertreter verschiedener großer Medienhäuser optimistisch, dass sie ihre Stärke aus dem linearen Fernsehen auf neue Streaming-Angebote übertragen können.

Conrad Albert von ProSiebenSat.1 gab auf der Branchenmesse einen Einblick in die Fortschritte bei der zusammen mit Discovery entwickelten Medienplattform "Joyn", die noch im Juni starten soll. 50 Sender seien an der neuen Plattform beteiligt, darunter auch öffentlich-rechtliche. Mit der ARD sei man in "sehr, sehr fortgeschrittenen Gesprächen", versicherte Albert. Das ZDF hat bereits zugesagt. Das sei ein umfangreiches Angebot, das dem Zuschauer auch lokale Inhalte biete, was Plattformen wie Netflix oder Amazon Prime nicht könnten.

Mit Angeboten wie Joyn wollen sich die europäischen Anbieter gegen die Konkurrenz aus den USA behaupten. Denn hier werden die Karten kräftig neu gemischt: Apple startet im Herbst eine eigene Video-Plattform mit Eigenproduktionen; selbst Sender wie CBS versuchen ihr Glück mit eigenen Angeboten. Dass auch Disney eigene Wege geht, beunruhigt die Branche, da der Konzern auch dank der Zukäufe der vergangenen Jahre Rechte an vielen attraktiven Inhalten hat – von Star Wars über die Marvel-Filme bis zu The Big Bang Theory.

In Köln gaben sich deutsche Branchenvertreter optimistisch, dass ihnen die Disney-Inhalte nicht zu schnell entzogen werden. So sei der Medienkonzern nicht nur auf die Einnahmen auf das Lizenzgeschäft, sondern auch auf die Publizität der eigenen Inhalte angewiesen. Zudem seien die internationalen Verträge mit den Sendern sehr langfristig.

Auch wenn viele Medienplattformen auf Abogebühren setzen, erscheint den meisten Anbietern Werbung als unverzichtbaren Bestandteil der Finanzierung. So bietet RTL auf der eigenen Plattform lediglich ein werbereduziertes Angebot, bei dem auf Unterbrecherwerbung verzichtet wird. Grund dafür ist das gute Geschäft mit der Werbung. "Erstmals sagen mir Werbekunden: Wenn ich etwas in den Köpfen der Kunden bewegen will, brauch ich lineares Fernsehen", sagte Matthias Dang, Vermarktungschef bei der Mediengruppe RTL.