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Angeblich neues HD-DVD-Format ist ein alter Hut

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Mit einer mehrschichtigen DVD will ein russisches Unternehmen namens D Data ein preiswertes Medium für hochauflösende Videos entwickelt haben. Die DMD (für "Digital Multi-Layer Disc") genannte Scheibe arbeite dabei pro Seite mit sechs Schichten. Bei beidseitiger Speicherung der Videodaten stünde damit eine Kapazität von 30 GByte zur Verfügung    und zwar ohne Einsatz der vergleichsweise teuren Blue-Laser-Technologie, sondern bei Verwendung eines gewöhnlichen roten Lasers. Damit nicht genug, könnten DMD-Player auf Grundlage heutiger DVD-Player gebaut werden, die aufgrund der geringen technischen Unterschiede gerade einmal um die 300 US-Dollar kosteten. Die Discs dafür sollen nur eine Winzigkeit mehr kosten als gewöhnliche DVDs.

Was nach einer tollen Lösung klingt, ist aber tatsächlich -- jedenfalls als Meldung -- ein alter Hut: Bereits seit Jahren kündigen Unternehmen immer wieder CD- und DVD-Nachfolger an, die mehr als die zwei Schichten pro Seite nutzen, die beim DVD-Standard das Maximum darstellen. So präsentierte bereits 1999 das Unternehmen Constellation 3D (C-3D) nach US-Presseberichten angeblich den Prototypen einer CD mit 100 Schichten. Ein Jahr später kündigte C-3D auf der Comdex dann mit der Fluorescent Multilayer Disk die zehnlagige DVD an. Einen funktionierenden FMD-Player bekam jedoch nie jemand zu Gesicht und heute existiert nicht einmal mehr die Website des Unternehmens. Allerdings tauchte die Multi-Layer-Disc in den kommenden Jahren immer wieder auf, lediglich die Zahl der verwendeten Schichten schwankte. Allen diesen Meldungen war gemein, dass Anfragen der c't-Redaktion nach einer Vorführung der sagenhaften Technik stets abgelehnt wurden.

Allerdings wäre eine Muli-Layer-Disc auch gar keine so einfache und praktische Lösung, wie es scheint: So würde die Fertigung dieser Discs nicht nur eine höhere Präzision verlangen, auch die exakte Fokusierung des Lasers auf die einzelnen Schichten bei der Wiedergabe in Consumer-Playern dürfte eine nicht zu unterschätzende Herausforderung darstellen. Zudem hätte die von Video Business Online beschriebene HD-Scheibe gleich zwei Nachteile gegenüber gewöhnlichen Video-DVDs: Statt eines Layer-Wechsels stünden hier pro Seite derer gleich fünf an, was ohne ordentliche Cache-Technik zu entsprechend vielen kurzen Unterbrechungen bei der Filmwiedergabe führen würde. Schließlich sind beidseitig bespielte Video-Discs (Flipper) so unbeliebt, dass Studios DVDs, die man während des Films umdrehen muss, bei Spielfilmen gewöhnlicher Länge schon lange nicht mehr eingesetzt werden. (nij)