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Angebliche EU-Plattform täuscht mit Russia-Today-Nachrichten

Statt Artikeln von EU-Abgeordneten soll die Plattform EP Today Nachrichten des russischen Staatssender Russia Today verbreitet haben, zeigt eine Untersuchung.

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(Bild: EP Today (Screenshot))

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Im Namen des Europaparlaments verbreitete das Portal EP Today nach Ansicht von EU-Experten seit Jahren Nachrichten eines russischen Staatssenders. Das Online-Magazin, das sich selbst als "Monthly News Magazine for European Parliamant" bezeichnet, gaukle Lesern vor, Artikel von EU-Abgeordneten zu veröffentlichen.

Tatsächlich stamme jedoch fast jeder zweite Artikel von der kremlnahen Nachrichtenseite Russia Today, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse der East StratCom Task Force gegen russische Einflussnahme in Europa hervorgeht.

Von rund 17.700 analysierten Artikeln, die zwischen April 2017 und August 2019 veröffentlich wurden, seien nur 25 Texte tatsächlich von Parlamentariern oder anderen Entscheidungsträgern gewesen. Der Rest sei von anderen Webseiten kopiert worden. "Das Ergebnis und manchmal auch Ziel ist immer, die Leser zu täuschen", heißt es in der Analyse der Task Force. Dafür spreche auch das Logo der Seite: Es ähnelt der dunkelblauen Europaflagge mit gelben Sternen.

Auf Facebook hat EP Today fast 145.000 Abonnenten, bei Twitter sind es knapp 6000 Follower. Das Europaparlament forderte die Seitenbetreiber im September auf, die unerlaubte Nutzung seines Namens zu unterlassen, wie eine Sprecherin des Europaparlamentes bestätigte. Es habe sich allerdings trotz positiver Rückmeldung von EP Today bis heute nichts auf der Seite geändert.

Die Task Force aus Mitgliedern verschiedenen EU-Institutionen wurde 2015 beim Auswärtigen Dienst der EU gegründet, um russischen Desinformationskampagnen entgegenzuwirken. (olb)