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Angefasst: Samsungs neue Windows-8-Hardware

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Ativ Q: Im Notebook-Modus hat man Trackpoint und Maustasten -- und den Touchscreen

Im Anschluss an Samsungs Presseveranstaltung in London konnten wir die angekündigten Windows-8-Geräte ausprobieren. Vor allem das Ativ Q hatte es uns angetan: Die Prototypen waren ordentlich verarbeitet, sahen schick aus und fühlten sich hochwertig an. Die Doppelscharniermechanik ist ausgereift: Selbst einhändig bekommt man das Ativ Q vom Tablet- in den Notebook-Modus verwandelt. Dennoch sind die Scharniere fest genug, um das Display auf Wunsch parallel zur Tastaturebene zu halten – Samsung nennt das Floating-Modus.

Je nach Einsatzzweck findet man die passende Eingabemöglichkeit: Beim Arbeiten genügen Tastatur und Trackpoint, im Tablet-Modus gibt es Touch – und zum Zeichen oder zur Handschrifteingabe einen Stift, der zum Transport im Gehäuse verschwindet.

Samsung Ativ Q & Co. (11 Bilder)

Ativ Q im Tablet-Modus: Ein echter Ersatz für 10-Zoll-Tablets ist es nicht, weil es viel dicker und rund doppelt so schwer ist. Aber dank Stifteingabe und größerer Fläche erlaubt es auch andere Nutzungsmöglichkeiten.

Der Großteil der Elektronik, also Hauptplatine samt Prozessor, Arbeitsspeicher und SSD, befinden sich in dem Mittelstück, welches das Touchdisplay und den Rumpf, bestehend aus Tastatur und Akku, verbindet. Diese mittige Anordnung führt zu Kuriositäten: Der Kartenleser und manch andere Schnittstelle wie ein USB-Port wurden ebenfalls dort platziert und sind deshalb im Tablet-Modus nicht zu erreichen.

Je nach Klappzustand ändert sich der Luftstrom und damit die Kühlung des Prozessors: Im Notebookmodus liegen die Lüftungsschlitze am Mittelstück offen, im Tabletmodus sind sie verdeckt. Grundsätzlich lassen sich aktuelle Mobilprozessoren dynamisch an solche Kühlungsunterschiede anpassen (Stichwort Configurable TDP), sodass etwa im Tabletmodus nicht die volle Geschwindigkeit erreicht wird. Ob Samsung dies tatsächlich implementiert hat, war vor Ort nicht in Erfahrung zu bringen.

Die Elektronik sitzt in einem Scharnier-Segment, sodass Lüfter und einige Schnittstellen nur bei hochgeklapptem Display offen stehen.

Das Touchdisplay gehört nicht nur wegen der extrem hohen Auflösung zu den Besten, die es derzeit für Notebooks gibt: Die Farben sind kräftig, Blickwinkelabhängigkeiten nicht der Rede wert – und die maximale Helligkeit soll bei Seriengeräten satte 600 cd/m2 betragen. Weil so viel Licht schon regelrecht blendet, bekommt man die Maximalhelligkeit nur zu Gesicht, wenn man einen Outdoor-Modus aktiviert. Der dunklere Normalbetrieb reicht für helle Innenräume aber immer noch aus und frisst natürlich weniger Strom, was der Laufzeit zu Gute kommt.

Das "Zweitbetriebssystem" Android läuft in einer virtuellen Maschine, die unter Windows 8 als App realisiert ist und laut Samsung auch im Fenster ausgeführt werden kann – live gesehen haben wir das aber nicht. Google gewährt dem Ativ Q laut Samsung gerne Zugriff auf Play Store & Co. – eher sei Microsoft der bremsende Faktor gewesen, der Konkurrenz zum Windows-Marketplace fürchtet. Android-Anwendungen haben nicht nur Zugriff auf alle Sensoren wie etwa das Gyroskop, sondern auch auf die eigenen Dateien: Unter Windows erstellte Bilder lassen sich also auch per Android-App verschicken. Oder man tippt Kurznachrichten mit der Notebook-Tastatur in den Android-Messenger.

Der Wechsel zwischen Windows und Android geschieht sehr flüssig; das auf den Prototypen gezeigte Android war aber noch sehr pixelig-hochskaliert, also nicht an das qHD+-Display angepasst. Windows lief übrigens mit einem Skalierungsfaktor von 200 Prozent. Alles darunter kann man mit guten Augen und Konzentration zwar erkennen, ist im Alltag aber unbenutzbar winzig. 200 Prozent passt deshalb gut, weil Bildelement hier dann so groß wie normalerweise bei 1600 × 900 Bildpunkten angezeigt werden – nur halt viel schärfer.

Der Ultrabook-Bruder Ativ Book 9 Plus bekommt dasselbe qHD+-Touchdisplay samt heller Outdoor-Beleuchtung, doch ist keine Eingabe per S-Pen-Stift vorgesehen. Auch fehlt ein Sensor zum automatischen Drehen des Bildschirminhalts. Immerhin kann man den Deckel vollständig nach hinter klappen und das Display somit als digitales Spielbrett in der Tischmitte benutzen. Preise für die beiden 3200er-Geräte stehen derzeit noch nicht fest; sie sollen aber im dritten Quartal in den Läden stehen – was vorsichtig geschätzt nicht vor August bedeutet.

Tab 3: Ein leichtes Windows-8-Tablet mit Stift

Das günstigere Notebook Ativ Book 9 Lite – es soll definitiv unter 1000 Euro kosten – bekommt laut Samsung einen besonderen Prozessor: Der Quad-Core basiere zwar auf Kabini beziehungsweise Temash, sei jedoch eine Spezialversion mit höheren Taktraten, die AMD exklusiv für Samsung fertigen würde. Im All-in-One-PC Ativ One 5 Style arbeitet dagegen eine Kabini-CPU von der Stange: In den Ausstellungsstücken steckte der A6-5200 (2 GHz, Quadcore, HD8400). Der Kompakt-PC mit Full-HD-Touchscreen sieht nicht nach All-in-One-PC aus: Mit dem flachen Gehäuse könnte er auch einfach nur ein weißer Monitor sein.

Das lüfterlose Windows-Tablet Ativ Tab 3 ist angenehm leicht, nur im direkten Vergleich zu den Edel-Geräten fällt die gröbere Bildschirmauflöung störend auf. Es soll Versionen mit und ohne LTE-Mobilfunk geben. Ob es auch Ausstattungsvarianten geben wird, denen eine in London gezeigte Hülle samt Bluetooth-Tastatur beiliegt, steht noch nicht fest; als optionales Zubehör soll es die Tastatur aber geben. Softwaremäßig sagt Samsung mit dem Atom-betriebenen Tab 3 der Windows-RT-Konkurrenz den Kampf an: Außer Windows 8 gehört wie zur Computex angekündigt eine Lizenz von Office 2013 zum Lieferumfang – also genau die Software, mit der Microsoft Käufer eigentlich zu ARM-Geräten mit Windows RT locken möchte. (mue)