Menü

Angela Merkel nutzt Google Hangout für digitales Kamingespräch

vorlesen Drucken Kommentare lesen 38 Beiträge

Angela Merkel hat sich in die illustre Schar an prominenten Persönlichkeiten eingereiht, die zu einem Videochat in Googles sozialem Netz eingeladen hatten. So stellte sich die Kanzlerin gestern sechs ausgewählten Bürger zum Thema Integration. Vor ihr hatten schon US-Präsident Barack Obama, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und der Dalai Lama Google Hangout genutzt.

Für die Kanzlerin sind Medienexperimente wie Hangout keine Premiere. 2006 startete sie einen wöchentlichen Video-Podcast, in dem sie in der Regel solo auftritt. Ihr Regierungssprecher Steffen Seibert twittert regelmäßig und hat fast 100.000 Follower. Und im vergangenen Jahr war Premiere einer live im Internet zu verfolgenden Telefon-Fragestunde mit mehreren tausend Mitgliedern, für die Diskussionsforen aus dem US-Präsidentschaftswahlkampf als Vorbild gedient hatten.

Die Videochat-Konferenz in Google+ ließ sich am Freitag über die Funktion "Hangout On Air" von einem Massenpublikum auf dem sozialen Netz, YouTube und der Website der Regierung verfolgen. Das persönlich gehaltene Gespräch in Anlehnung an Franklin D. Roosevelts Kamingespräche im Radio von 1933 bis 1944 diente auch der Vorbereitung auf den nächsten Integrationsgipfel, zu dem die Kanzlerin für den 28. Mai eingeladen hat.

Die Sozialpädagogin Janine Molitor-Kasonde wies auf Alltagsschwierigkeiten der Migranten hin, etwa bei Behördengängen. Merkel betonte, wie wichtig gute deutsche Sprachkenntnisse für eine gelungene Integration seien. Diese Bemerkung blieb nicht ohne Widerspruch: Ein Teilnehmer des Diskussion wies die Kanzlerin per E-Mail darauf hin, dass die Bewilligung von Deutsch-Kursen oft drei Monate und länger dauere. "Drei Monate sind zu lang", räumte Merkel ein und gab sich pragmatisch: Sie wolle doch "nochmal mit der Bundesagentur für Arbeit und der Arbeitsministerin (Ursula von der Leyen) sprechen, ob wir daran was ändern können".

Dass die Internetseiten bundesregierung.de und bundeskanzlerin.de während des Hangouts zeitweise nicht zu erreichen waren – das Bundespresseamt verzeichnete einen ungewöhnlich starken User-Ansturm –, dürfte der Veranstaltung letztlich kaum geschadet haben. Auch bei Obamas "Fireside Hangout" hatten die die Chats erst nach der Live-Übertragung Zugriffe in Millionenhöhe. (Mit Material von Christoph Dernbach und Jörg Blank, dpa) / (ane)