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Angriffe auf Diplomaten in Kuba: Geräusche stammen wohl von Grillen

Nach mysteriösen Erkrankungen unter westlichen Diplomaten in Kuba war viel über Angriffe spekuliert worden. Der aufgenommene Lärm stammt aber wohl von Grillen.

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Angriffe auf Diplomaten in Kuba: Geräusche stammen wohl von Grillen

(Bild: oohhsnapp)

Der mysteriöse Lärm der zu Verletzungen von nordamerikanischen Diplomaten in Kuba geführt haben soll, wurde wohl von einer lokalen Grillenart ausgelöst. Zu diesem Schluss kommen jedenfalls zwei Forscher, die die einzigen öffentlichen Audioaufnahmen der fraglichen Geräusche untersucht und ihre Ergebnisse nun online gestellt haben. Die Ursachen für die gesundheitlichen Konsequenzen hätten sie nicht herausfinden können, ergänzen sie und weisen darauf hin, dass sie nur diese Aufnahmen analysieren konnten. Ein darüber hinaus gehender Angriff wird dadurch also nicht ausgeschlossen.

US-amerikanische und kanadische Mitarbeiter diplomatischer Vertretungen in Kuba hatten 2016 und 2017 über Lärm aus unbekannter Quelle geklagt, der so ohrenbetäubend gewesen sei, dass sie nicht mehr arbeiten konnten. Dazu seien langfristige Folgen wie Übelkeit, enorme Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schlafschwierigkeiten und Gehörverlust gekommen. Die Symptome glichen denen einer Gehirnerschütterung, ohne dass die Betroffenen eine Erschütterung erlitten hatten. Behörden waren von Angriffen mit akustischen Waffen ausgegangen, später gab es Spekulationen über gepulste Hochfrequenzstrahlung als Ursache.

Die Nachrichtenagentur AP hatte Ende 2017 die einzigen bekannten Audioaufnahmen der Geräusche veröffentlicht – und sie schon damals mit Grillen verglichen. Diese haben sich Alexander Stubbs von der University of California Berkeley und Fernando Montealgre von der University of Lincoln vorgenommen und große Parallelen zu Aufnahmen einer bestimmten Grillenart (Anurogryllus celerinictus) gefunden. Lediglich in einem Aspekt habe es entscheidende Unterschiede gegeben. Deswegen ergab sich erst wenn die Grillen-Geräusche in einem Zimmer von den Wänden reflektiert wurden, eine Geräuschkulisse, die von der Aufnahme "praktisch nicht zu unterscheiden" sei, schreiben sie in ihrer Untersuchung.

Die Analyse bezieht sich lediglich auf die Audioaufnahme, die Forscher können also nicht ausschließen, dass neben dem offenbar von Grillen stammenden Lärm tatsächlich ein Angriff auf die Diplomaten stattgefunden hat. Die New York Times zitiert einen Arzt, der die Betroffenen untersucht hat und versichert, sie hätten "viel durchgemacht". Die Ursache dafür sei noch zu finden. Außerdem hatten später auch in China arbeitende US-Diplomaten über ähnliche Symptome geklagt, mehr als weitab vom Lebensraum der nun genannten Grillenart. (mho)