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Anklage im Fall FTPWelt erhoben

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Im Zusammenhang mit der illegalen kommerziellen Download-Plattform FTPWelt.com hat die Staatsanwaltschaft Mühlhausen Anklage gegen vier Personen erhoben. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich um das bisher umfangreichste Verfahren wegen des Vertriebs von Raubkopien im Internet. Nach Abzug aller Unkosten sollen die mutmaßlichen Täter von Juni 2003 bis zu ihrer Festnahme im September 2004 etwa 700.000 Euro Reingewinn mit dem Betrieb von FTPWelt erzielt haben.

Die Betreiber der Plattform waren der Anklageschrift zufolge die Brüder Daniel und Thomas R. aus Thüringen. Ihnen zur Seite habe der mitangeklagte Münchner Rechtsanwalt Bernhard S. gestanden. Er soll laut Staatsanwaltschaft im Wesentlichen für die organisatorischen Aktivitäten zuständig gewesen sein. Unter anderem soll er Server angemietet und die Rechnungslegung überwacht und kontrolliert haben. Außerdem soll er beratend tätig gewesen sein.

Die Staatsanwaltschaft bezichtigt die drei Angeklagten konkret der gemeinschaftlichen unerlaubten Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke und der gemeinschaftlichen Verbreitung pornografischer Schriften. Daniel R. wird zudem Anstiftung zur Ausspähung von Daten, Computersabotage und Kennzeichenverletzung zur Last gelegt. Eine vierte Person wird zudem mitangeklagt, da sie Beihilfe geleistet haben soll.

Wie Dirk Germerodt, Sprecher der Staatsanwaltschaft Mühlhausen heute mitteilte, haben sich alle Angeklagten zu den Vorwürfen geäußert, sie aber nur teilweise eingeräumt. "Insbesondere der Mitangeklagte Bernhard S. bestreitet Kenntnis von den illegalen Geschäften gehabt zu haben." Über die Zulassung der 117 Seiten starken Anklageschrift habe das Landgericht Mühlhausen noch nicht entschieden.

Derweil ermitteln verschiedene Staatsanwaltschaften bundesweit gegen Nutzer der illegalen Download-Plattform. Das Thüringer Landeskriminalamt habe im Auftrag der Staatsanwaltschaft rund 14.500 Kunden ermittelt. Etwa 7700 Ermittlungsvorgänge seien bisher an die für den Wohnsitz des jeweiligen Kunden zuständigen Landeskriminalämter weitergeleitet worden. (hob)