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Anonyme Facebook-Werbekampagne soll UK-Abgeordnete zu Brexit-Ablehnung nötigen

Eine Facebook-Kampagne soll mit massenhaften E-Mails Einfluss auf Parlamentsabgeordnete genommen haben, damit diese die Brexit-Verhandlungen torpedieren.

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Facebook

(Bild: dpa, Tobias Hase/Symbolbild)

In Großbritannien soll eine anonyme Werbekampagne auf Facebook Wähler dazu aufgefordert haben, dem für sie zuständigen Parlamentsabgeordneten eine vorformulierte E-Mail zu schicken, in der dieser dazu gedrängt wird, den von Premierministerin Theresa May ausgehandelten Brexit-Deal zu torpedieren. Die Online-Werbung sei auf die jeweiligen Wahlkreise zugeschnitten und habe nach Schätzungen womöglich bis zu 10 Millionen Menschen erreicht, berichtet der Guardian.

Diese auch als Micro-Targeting bekannte gezielte Werbung war von der Londoner Agentur 89up entdeckt worden. Der Link führe zu einer für den Wahlkreis des Besuchers individualisierten Webseite mit Namen und Bild des jeweiligen Abgeordneten. Ein weiterer Klick dort öffne das Mail-Programm mit einer vorformulierten E-Mail an den Politiker.

Die Organisation dahinter nennt sich Mainstream Network, aber viel mehr sei derzeit über sie nicht bekannt, schreibt der Guardian. Laut 89up sollen mehr als 250.000 Britische Pfund aus bislang unbekannter Quelle in die Facebook-Kampagne geflossen sein. Die Agentur hält es für wahrscheinlich, dass das Speichern von Nutzerdaten im Zuge der Werbekampagne eine Verletzung der DSGVO darstellt, weil zugleich auf der Website von Mainstream Network keinerlei Opt-in angeboten werde, über den Besucher in eine Verarbeitung ihrer Daten zustimmen könnten.

Die Agentur 89up habe ihre Untersuchungsergebnisse dem Department for Digital, Culture, Media and Sorts (DCMS) übermittelt. Der Labour-Abgeordnete Paul Farrelly (der sich im DCMS mit der Angelegenheit befasst) hat laut [i]Guardian in jüngster Zeit 50 solcher E-Mails erhalten, die ihn zur Unterstützung eines harten Brexit nötigen wollten. Das DCMS forderte vor Kurzem eine scharfe Kontrolle der Social-Media-Unternehmen.

Facebook plant, gegen gezielte anonyme Wahlwerbung – so genannte Dark Ads, die teils bewusst sachlich falsche Informationen enthalten – vorzugehen und so eine mögliche Beeinflussung von Wahlen zu unterbinden. Auch zur Bundestagswahl in Deutschland 2017 wurde eine derartige Einflussnahme befürchtet. Das Unternehmen untersuchte zudem eine mögliche russische Einwirkung auf die Brexit-Abstimmung. Im Rahmen des Datenskandals um Cambridge Analytica hatte kürzlich ein US-Medienwissenschaftler das Microtargeting als "massenhafte Menschrechtsverletzung" kritisiert.

Wie der Guardian weiter schreibt, sollen am 7. November in Großbritannien neue Facebook-Regeln in Kraft treten, die von den Anbietern von Wahlwerbung etwa einen Identitätsnachweis sowie eine Adresse in Großbritannien verlangen. Wer auf eine solche Facebook-Werbung klicke, könne den Urheber zweifelsfrei einsehen. Dies müsse allgemein für politische Werbekampagnen wie im vorliegenden Fall gelten, forderte ein Mitarbeiter des DCMS. (tiw)

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