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Anonymous bricht mit Assange

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Die Hacker-Gruppe "Anonymous" hat sich von Julian Assange und seiner Enthüllungsplattform WikiLeaks losgesagt. In einem auf Pastebin veröffentlichten offenen Brief warfen die einstigen WikiLeaks-Unterstützer Assange vor, nicht mehr die ursprüngliche Idee zu verfolgen, nämlich geheime Regierungs- und Unternehmensinformationen zu veröffentlichen. Alles drehe sich nur noch um seine Person.

Auf dem Anonymous-Account bei Twitter heißt es: "The end of an era. We unfollowed @Wikileaks and withdraw our support. It was an awesome idea, ruined by Egos. Good Bye." WikiLeaks und Assange reagierten bislang nicht öffentlich auf die Vorwürfe.

Aktueller Anlass für den Bruch zwischen Anonymous und WikiLeaks war eine auch bei anderen Assange-Unterstützern umstrittene Spendenaktion auf der Website der Enthüllungsplattform. Dort waren veröffentlichte Dokumente, mit einem Spendenbanner überdeckt, das nicht ohne weiteres ausgeblendet werden konnte. Kritisiert wurden auch die Treffen von Assange mit Prominenten wie Lady Gaga. Der Pop-Star hatte den 41 Jahre alten Australier am vergangenen Montag zu einem Abendessen in der ecuadorianischen Botschaft getroffen.

Die Aktivisten von Anonymous waren in den vergangenen Monaten immer wieder als Unterstützer von WikiLeaks aufgetreten. So griffen Hacker aus der locker organisierten Gruppe im Dezember 2010 im Rahmen der Operation Payback die Websites von Mastercard, Visa und Paypal an, nachdem die Zahlungsdienstleister Spendenzahlungen für WikiLeaks nicht mehr weiterleiteten.

Assange wird in Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen gesucht, eine Anklage gegen ihn wurde jedoch bislang nicht erhoben. Er soll im Sommer 2010 mit zwei Schwedinnen ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt haben. Assange wehrte sich unter Ausschöpfung des vollen juristischen Instanzenweges erfolglos gegen ein Auslieferungsbegehren aus Schweden und flüchtete sich schließlich Mitte Juni in die Botschaft des südamerikanischen Landes, wo er seitdem ausharrt. Diese Flucht kommt nun neun Personen teuer zu stehen, die für Assange gebürgt hatten: Anfang der Woche entschied ein britisches Gericht, dass die von ihnen geleisteten Bürgschaften verfallen sind – insgesamt können die Unterstützer rund 116.000 Euro in den Kamin schreiben. (ssu)