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Anonyphone stellt Vertrieb gebrauchter, unregistrierter Handy-Karten ein

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Nachdem der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) den Verkauf nicht-registrierter Prepaid-Karten für Mobiltelefone am Wochenende als "unmoralisch" kritisierte, hat der Anbieter Anonyphone seinen Dienst kurzerhand "vorübergehend" eingestellt. "In den letzten Stunden begann eine kontroverse Diskussion" über den Vertrieb gebrauchter SIM-Karten für Handys zum Wiederaufladen, heißt es zur Begründung auf der Website des Dienstleisters. Die Idee sei zwar auf breiten Zuspruch gestoßen, es seien von der Kripo aber eben auch Bedenken geäußert worden. "Diese nehmen wir sehr ernst", beteuert der Anbieter. "Wir haben in bestem Treu und Glauben gehandelt und setzen nun den Geschäftsbetrieb bis zu einer zweifelsfreien Klärung der Rechtslage aus."

Den Handel mit gebrauchten Prepaid-Karten, die noch im Netz angemeldet, aber auf keine Person mehr zugelassen sind, betrachtet die hinter Anonyphone stehende deutsche Niederlassung der Baytrade Limited prinzipiell nach wie vor als legal. Das Angebot richte sich an "alle Bürger, die mit einer wahllosen Speicherung ihrer elektronischen Kommunikation nicht einverstanden sind". Die mit der verdachtsunabhängigen Vorratsspeicherung von Telefon- und Internetdaten einhergehende "unselektive Überwachung der gesamten elektronischen Kommunikation erscheint uns ineffektiv und nicht zielführend". Anonyphone unterstütze die gezielte Verfolgung von Straftätern. Bei bestehendem Anfangsverdacht sollten den Strafverfolgungsbehörden alle Mittel für eine effektive Ermittlung zur Verfügung stehen. Man befürworte zugleich aber auch "die unbehelligte Kommunikation unbescholtener Bürger". Alle bereits eingegangenen Bestellungen würden "selbstverständlich ausgeliefert".

Mit dem vorläufigen Aus für Anonyphone kommt bereits der zweite Versuch zum Umgehen der Registrierungspflicht von Handys sowie der Vorratsdatenspeicherung im Mobilfunk erst einmal in Trudeln. Anfang des Jahres hatte sich der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung bereits eine Handykarten-Tauschbörse ins Leben gerufen. Die Aktion wird mittlerweile aber nicht mehr von dem Zusammenschluss von Bürgerrechtlern, Datenschützern und Internetnutzern unterstützt, da es Zweifel an dem Vorhaben wegen Missbrauchsmöglichkeiten und des Vorspiegelns einer effektiv nicht bestehenden Anonymität gab. Verbrechern steht nach Ansicht des Aktionskreises aber ein ganzes "Arsenal" weiterer Möglichkeiten zur Verfügung, um die sechsmonatige Erfassung der Verbindungs- und Standortdaten auszuhebeln. Die Vorratsdatenspeicherung treffe in erster Linie den unschuldigen Bürger. (Stefan Krempl) / (jk)