Anteil der Freizeit-Kernel-Hacker sinkt

Über 75 Prozent der Änderungen am Linux-Kernel stammen von Entwicklern, die für ihre Arbeit an Linux bezahlt werden. Microsoft hat die Top-20-Liste der Beiträge zum Kernel nur knapp verpasst.

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  • Thorsten Leemhuis

Rund 7800 verschiedene Entwickler von ungefähr 800 Firmen haben seit der im März 2005 veröffentlichten Kernel-Version 2.6.11 Änderungen zum Linux-Kernel beigesteuert. Knapp 18 Prozent der Modifikationen stammen von Programmierern, die bekanntermaßen in ihrer Freizeit zu Linux beitragen; mindestens 75 Prozent hingegen von Entwicklern, die mit ihren Arbeit an Linux ihre Brötchen verdienen. Grundlage für diese Prozentwerte ist nicht der Umfang der Modifikationen, sondern nur deren Zahl – eine einzeilige Änderung wiegt daher genau so viel wie ein großer Patch.

Mitarbeiter von Red Hat trugen 11,9 Prozent der Änderungen bei; es folgen Beiträge von Programmierern, die bei Novell (6,8 %), Intel (6,2 %) und IBM (6,1 %) arbeiten. Bei zirka 5 Prozent der Änderungen ist unklar, ob die Entwickler in ihrer Freizeit an Linux mitarbeiten oder dafür bezahlt werden. Die Werte verschieben sich etwas, wenn man lediglich die Änderungen seit der Version 2.6.36 betrachtet, die im Oktober 2010 erschienen ist: Hobby-Entwickler stellen nur mehr 16 Prozent der Änderungen und Mitarbeiter von Red Hat nur noch 10,7 Prozent. Es folgen Intel (7,2 %) und Novell (4,3 Prozent) vor der Gruppe der Unbekannten (4,3 %) und IBM (3,7 %); mit einem Prozent der Änderungen hat es Microsoft in dieser Aufstellung auf Platz 21 geschafft.

Das ist eine von mehreren Analysen, die sich in dem von der Linux Foundation veröffentlichten Dokument "Linux Kernel Development: How Fast it is Going, Who is Doing It, What They are Doing, and Who is Sponsoring It" finden. Es ist das vierte Dokument dieser Art; wie die früheren Analysen (1, 2, 3) wurde auch diese von Jonathan Corbet (LWN.net) sowie Greg Kroah-Hartman und Amanda McPherson von der Linux Foundation verfasst.

Die Studie betrachtet nicht nur der Quelle der Änderungen und die Arbeitgeber der Entwickler, sondern auch einer Reihe weiterer Aspekte. So werden einige der wichtigsten Geschehnisse erwähnt, die es im letzten Jahr beim Linux-Kernel und dessen Umfeld gab; darunter der Umstieg auf die Versionsnummer 3.0, der Beginn größerer Auf- und Umräumarbeiten im ARM-Code oder der Einbruch bei Kernel.org. Ferner haben die Autoren auch den Umfang und die Entwicklungszeit der in den letzten Jahren veröffentlichten Kernel-Versionen betrachtet – sie erwähnen etwa, dass viele der jüngst veröffentlichten Linux-Kernel in weniger als 70 Tagen entwickelt wurden. Analysiert wird auch, welche Entwickler und Firmen die Änderungen auf dem Weg zu Torvalds begutachten.

Die Linux Foundation hat die aktualisierte Studie im Rahmen des derzeit stattfindenden Collaboration Summit veröffentlicht. Parallel hat die Interessen-Vereinigung auch ein Video online gestellt, das Leuten, die mit der Linux-Entwicklung nicht vertraut sind, auf grobe, aber verständliche Weise zu erklären versucht, wie der Linux-Kernel entwickelt wird:

How Linux is Built

Siehe dazu auch:

(thl)