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Antrag auf Gläubigerschutz von NUON-Entwickler erwartet

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VMLabs, Entwickler des DVD-Multimediasystems NUON, beabsichtigt nach US-Presseberichten, Schutz vor seinen Gläubigern nach Chapter 11 des US-Konkursrechts zu beantragen. Dieser Antrag käme nicht wirklich überraschend, zumal Anfang vergangener Woche der frühere Executive Vice President Nick Lefevre in Anbetracht stetig schwindender Geldmittel eine Petition startete, die die Kreditgeber davon abhalten sollte, das Unternehmen schließen zu lassen. Lefevre investierte nach eigenen Angaben selbst eine Million US-Dollar in das Unternehmen.

Bei NUON handelt es sich um einen speziellen All-In-One-Multimedia-Chip, mit dem sich DVD-Player herstellen lassen, die mehr bieten als reine DVD-Wiedergabe: Neben zusätzlichen Funktionen bei der gewöhnlichen DVD-Wiedergabe und visuellen Effekten beim Abspielen von Audio-CDs kann man auf einem derartigem System unter anderem -– exklusiv für das System programmierte -– Spiele nutzen. In der Ausgabe 3/2001 hatte c't einen entsprechend ausgestatteten US-Player von Samsung unter die Lupe genommen; neben Toshiba kündigte das Unternehmen damals auch NUON-Player für den europäischen Markt an.

Das System konnte sich jedoch bis heute -- fast zwei Jahre nach seiner Einführung -- nicht recht durchsetzen. Der Grund hierfür dürfte vor allem in der nur zögerlichen Unterstützung seitens der Software-Anbieter liegen. So erschienen bislang erst drei mit einem speziellen NUON-Teil ausgestattete US-Video-DVDs, nämlich "Bedazzled" ("Teuflisch"), "Dr. Dolittle 2" und Tim Burtons "Planet Of The Apes" ("Planet der Affen"), alle von 20th Century Fox. VMLabs hatte mit "Planet Of The Apes" sogar noch Pech: Ein Fehler bei der DVD-Produktion sorgt dafür, dass der Link zu den NUON-Features nicht korrekt funktioniert.

Angekündigt ist noch die "NUON Enhanced"-DVD "The Adventures of Buckaroo Banzai" von MGM. Hoffnungen, dass die DVDs auch in Deutschland mit NUON-Part erscheinen, erfüllten sich bislang jedoch nicht.

Nachdem es VMLabs auf der vergangenen Consumer Electronic Show (CES) im Januar gelang, weitere Firmen ins NUON-Boot zu holen, keimte in den NUON-Fans letztmalig Hoffnung auf. Ende Februar folgte aber bereits der Dämpfer für europäische Anhänger: Toshiba sagte seinen NUON-DVD-Player für Europa ab. Samsung brachte schließlich mit dem Modell DVD-N504 in der Schweiz tatsächlich den ersten europäischen NUON-DVD-Player heraus.

Mittlerweile kündigte VMLabs fast der Hälfte seiner Belegschaft. Zu den Personen, die das Unternehmen verließen, gehört auch Jeff Minter, Programmierer der in NUON-Playern integrierten "Virtual Light Machine" und des NUON-Spiels "Tempest 3000". In einem Statement erklärte er, dass eine "Llamasoft Virtual Machine", die ihm erlaube, Updates von Llamasoft-Games für PC und PocketPC zu erstellen, fast fertig sei. VMLabs hofft nun angeblich auf einen Käufer der NUON-Technologie. (nij)