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Apotheken-Pilotprojekt: Erste digitale Rezeptsammelstellen am Start

Rezeptsammelstellen in Briefkastenform gibt es längst. Doch das zeitaufwendige Leeren verzögert die Bearbeitung und schnelle Lieferung benötigter Medikamente. Digitale Rezeptsammelstellen sollen den Vorgang nun beschleunigen.

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Apotheken-Pilotprojekt: Erste digitale Rezeptsammelstellen gestartet

(Bild: Pixabay / CC0)

Im Saarland und in Baden Würtemberg sind am heutigen Donnerstag zwei digitale Rezeptsammelstellen an den Start gegangen. An den Automaten können Kunden ihre Rezepte für Medikamente einscannen und an die Betreiber-Apotheken der digitalen Rezeptsammelstelle senden. Die Apotheke bearbeitet die Bestellung und liefert sie per Kurierdienst aus. Eines der beiden Terminals ermöglicht außerdem die Kontaktaufnahme zur Apotheke per Telefon oder Textnachricht, falls eine Beratung erwünscht ist. Verantwortlich für das Pilotprojekt zeichnen sich der Landesapothekerverband Baden-Württemberg und die Apothekerkammer des Saarlandes.

In ländlichen Gegenden sind Apotheken häufig Mangelware. Ältere, weniger mobile Einwohner haben deshalb Probleme, unkompliziert an ihre verschreibungspflichtigen Medikamente zu gelangen. Deshalb sind vielerorts Rezeptsammelstellen in Briefkastenform eingerichtet, um eine Grundversorgung sicherzustellen. Die Sammelstellen werden von den Betreiber-Apotheken abends angefahren und geleert. Die Bearbeitung des Rezepts und die Auslieferung des Medikaments erfolgt dann erst am nächsten Tag und damit sehr spät.

Die digitale Rezeptsammelstelle beschleunigt den Vorgang. Es genügt, das Rezept in den Automaten zu stecken. Dort werde es gescannt und danach eine digitale Version über eine verschlüsselte Verbindung an ein zertifiziertes Rechenzentrum des Terminal-Hersteller zu übertragen. Der Kunde erhält eine Quittung mit Vorbestellnummer und Informationen zur Apotheke. Die Apotheken können dann über eine verschlüsselte Verbindung am PC auf die Bestellungen zugreifen. „Dadurch wird viel Zeit gewonnen“, sagt der Geschäftsführer der Apothekerkammer des Saarlandes, Carsten Wohlfeil. Denn Bestellungen können so noch am selben Tag ausgeliefert werden.

Ziele der Pilotprojekte seien es, Erfahrungen mit der Technik zu sammeln und später analoge Rezeptsammelstellen zu ersetzen. Dazu wird nicht unbedingt ein geschlossener Raum benötigt. Der saarländische Automat ist wetterfest und ähnelt einem Parkscheinautomat. Die Rezeptsammelstellen müssen vom Landesapotherkerverband genehmigt werden, um die Ausbreitung zu kontrollieren.

Das Vorantreiben der digitalisierten Rezepteinlösung durch die Apothekenkammern kommt nicht von ungefähr: In Baden-Würtemberg hatte die niederländische Versandapotheke DocMorris nach dem Schließen einer Apotheke in Hüffenhardt im Frühjahr 2017 einen Medikamentenautomaten aufgestellt, der nach zwei Tagen geschlossen wurde, danach wiedereröffnet wurde und erneut schließen musste. Nach Klage des Landesapothekerverbandes und mehrerer Apotheker erfolgte im Dezember 2017 nach einem Gerichtsbeschluss des Landgerichts Moosbach die endgültige Schließung der Ausgabestelle, da die Abgabe gegen das Arzneimittelgesetz verstoße und wettbewerbswidrig sei. Landesapothekenkammern und Apotheken stellen solchen Ausgabeautomaten nun die digitalen Rezeptsammelstellen gegenüber, um die Grundversorgung mit Medikamenten zu garantieren. (olb)

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