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App-Werbung: Betrug mit verdeckten Videos

Ein US-Magazin hat einen neuartigen Werbebetrug aufgedeckt, der einen Millionenschaden verursacht hat – mit Nebenwirkungen für Nutzer.

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Smarter - App

(Bild: dpa, Frank Rumpenhorst)

Mit versteckter Videowerbung haben Unbekannte einen vermutlich mehrstelligen Millionenbetrag veruntreut. Die Werbebetrüger spezialisierten sich dabei auf Werbung, die in Apps ausgespielt wird, berichtet das US-Magazin Buzzfeed. Opfer dabei: Werbekunden, App-Entwickler und die Nutzer.

Die Masche war bereits im Oktober 2018 dem Werbedienstleister DoubleVerify aufgefallen: Simple Banner, die in werbefinanzierten Apps angezeigt werden, entfalteten eine erstaunliche Aktivität. Als sich die Spezialisten den Datenverkehr genauer ansahen, erlebten sie eine Überraschung. Hinter den harmlos erscheinenden Werbungen versteckten sich bis zu acht Videoplayer.

Die App-Entwickler selbst waren dabei der Recherche von Buzzfeed zufolge ahnungslos: Sie verkauften Werbeplätze auf einem etablierten Werbemarktplatz und bekamen lediglich das Geld bezahlt, das für einen statischen Banner üblich ist. Doch statt nur ein Banner auszuliefern, stopften die Werbebetrüger so viele Videos in den Werbe-Slot wie nur möglich war.

Unter einem kleinen Banner laufen unsichtbar mehrere Videos.

Eigentlich sollen solche Betrugsmanöver durch etablierte Branchenstandards ausgeschlossen werden. Die Betrüger konnte diese aber aushebeln: So wurde den zahlenden Werbekunden vorgegaukelt, dass auf dem Gerät der Nutzer Videos mit Ton in großer Auflösung abgespielt wurden – eine besonders lukrative Werbeform.

Doch in Wahrheit bekamen Nutzer davon nichts zu sehen oder zu hören. Erst eine genaue Analyse des Datenverkehrs offenbart die Trickserei im Hintergrund. Nebenwirkungen: Durch die permanent abgespielten Videos wurden die betroffenen Apps zum Akkufresser und das Datenvolumen belastet. Laut DoubleVerify kamen so bis zu 60 Millionen Werbeabrufe pro Monat zustande. Wie lange die Masche funktioniert hat, ist unbekannt.

Wie üblich verliert sich die Suche nach den Verantwortlichen im Ungewissen. So bedienten sich die Betrüger der Dienste der Twitter-Tochter MoPub, die aber wohl keine Kenntnis von dem Betrug hatten. Als Buzzfeed die Spur bis zu einer israelischen Firma zurückverfolgte, dementierten die Verantwortlichen jede Beteiligung: Auch sie seien von Unbekannten hereingelegt, ihre Technik missbraucht worden. (vbr)