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App für Blinde von Google: Lookout erkennt Sachen und Text

Eine Google-App namens Lookout soll Blinden verraten, was dem Handy vor die Linse kommt. Zudem erkennt sie Texte und liest diese vor. Lookout ist eine Verwandte der Google Lens.

Um dem Hals getragenes Handy

Blinde können ihr Handy so tragen, dass die Kamera einen guten Ausblick hat.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Die neue App Lookout soll für Blinde Ausguck gehen. Lookout nutzt Bild- und Texterkennung, um Objekte sowie Text in der unmittelbaren Umgebung zu erkennen und dem User in Echtzeit anzusagen. Auch die Richtung wird angegeben, beispielsweise "Messer auf 3 Uhr". Das soll Blinde im selbstbestimmten Alltag unterstützen. Google hat die App am Eröffnungstag der Entwicklerkonferenz Google I/O vorgestellt.

Zwar kann die App für einzelne Erkennungen herangezogen werden, doch steht die Dauerbenutzung im Vordergrund des Konzepts: "Lookout bietet Sprachausgabe, und ist auf minimale Interaktion (mit dem User) ausgerichtet, damit sich die Leute auf ihre Aktivität konzentrieren können", sagte Patrick Clary, Produktmanager in Googles Barrierefreiheits-Team. Entsprechend planen die Entwickler, dass die Anwender ihr Handy in der Brusttasche oder in einem um den Hals gehängten Etui mit sich führen, Kamera voraus.

Testimonial für Lookout

"Unser Ziel ist, wichtige Gegenstände im Realraum hervorzuheben", erklärte Clary. Was "wichtig" ist, hängt aber davon ab, was der Nutzer gerade tun möchte. Daher hat Lookout vier Betriebsmodi: Arbeit und Spiel, Zuhause, Text und experimentell. Bei Text steht die Texterkennung im Vordergrund, bei Arbeit und Spiel konzentriert sich Lookout darauf, die dafür erforderlichen Gegenstände auszusprechen, und bei Zuhause liegt das Augenmerk auf Hausarbeit. Beispielsweise kann es einem Blinden helfen, beim Kochen verschiedene Ingredienzien anhand deren Verpackung erkennen zu lassen.

Im experimentellen Modus werden erkannte Formen ausgewählt, die in den anderen Modi weniger Beachtung finden würden. Google nannte das Foto einer Raubkatze in einem Bildband als Beispiel. Lookout ist allerdings nicht dazu gedacht, Blinden die Navigation im Straßenraum zu erleichtern. Es gibt keine Hinderniserkennung.

Bei der Bild- und Texterkennung kann Lookout auf Erfahrungen mit der Bilderkennungs-App Lens zurückgreifen. Zielgruppe und Funktionen sind jedoch betont anders. Lens ist dezidiert auf Bedürfnisse sehender Nutzer ausgerichtet, Lookout soll Blinde unterstützen, was andere Bedienung und anderen Fokus erfordert.

Durch simples Klopfen auf ihr Handy beginnen Nutzer die Erkennung, durch Abdecken der Kamera mit der Hand halten sie sie wieder an. Und mit den Fingerabdrucksensor wechseln sie die Betriebsmodi. Derzeit läuft ein nicht öffentlicher Betatest. Im Sommer möchte Google die App freigeben, zunächst nur für US-User mit Pixel-Handy.

Zwischen Lens und Lookout ist eine neue Vorlese-Funktion der Kamera-App in Android P angesiedelt. Dabei kann Text in einem Bild markiert werden, der dann vom Handy vorgelesen wird ("select to speak OCR"). Das geht bereits jetzt mit der Betaversion von Android P. (ds)

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