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App gibt Jecken im Karnevalstrubel Orientierung

"Mein Karneval" vom Kölner Karnevalskomitee zeigt – passend zum diesjährigen Motto "Social Jeck" – auf dem Smartphone närrische Termine und Orte ebenso wie den Weg zur nächsten Haltestelle oder Toilette.

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App gibt Jecken im Karnevalstrubel Orientierung

Es ist Rosenmontag, von allen Seiten fliegen Kamelle, man schwitzt unter der Schminke – und muss dringend auf die Toilette. Aber wo? EineApp für iOS und Android des Kölner Karnevalskomitees soll nicht nur diese Frage beantworten, sondern zeigt auch die nächste Bahnhaltestelle. Und hilft schon vor dem morgigen Rosenmontag mit Kostümideen für Spätzünder, Terminen und Nachrichten für den modernen Jecken. Die sozialen Netzwerke stehen diesmal im Mittelpunkt des Kölner Rosenmontagszugs, das Motto 2015 lautet: "SocialJeck – kunterbunt vernetzt".

Dass Smartphones auch im Karnevalskostüm Platz finden, ist offensichtlich. Die Facebookseite des Kölner Karnevalskomitees hatte allein im Januar fast 700.000 Besucher. Fotos, Links und Tipps werden von den Nutzern gepostet. Und die App wurde bisher über 2000 Mal heruntergeladen.

Aber auch mit den Schattenseiten der Digitalisierung befassen sich die Karnevalsfans. Acht Wagen im Rosenmontagszug thematisieren das. Auf einem steht ein Lehrer vor der Tafel buchstäblich im "Shitstorm" – vor sich hämisch grinsende Schüler mit blanken Hintern, die die Szene mit ihren Smartphones fotografieren. Darunter ist zu lesen: "Scheißjob".

Die ganze Bandbreite dessen, was in sozialen Netzwerken steckt, hat das Festkomitee auch selbst erlebt. Nach dem Terroranschlag von Paris gab es die Idee, einen zusätzlichen Rosenmontagswagen zu bauen, der sich mit Meinungs- und Pressefreiheit befasst. 14 Motive standen zur Auswahl; das Komitee ließ die Community per Facebook abstimmen.

Ein großer Erfolg – zunächst. Fast 7000 Leute machten mit, sie hatten einen klaren Favoriten: Einen Jecken, der das Gewehr eines Attentäters mit einem Zeichenstift verstopft. Doch als es Berichte über angeblich verstärkte Sicherheitsmaßnahmen wegen des "Charlie-Hebdo"-Wagens gab und viele besorgte Jecken sich meldeten, kam der Rückzieher – wegen einer "Welle der Angst". Das Komitee erntete dafür online viel Kritik.

Ihr Motto vom "Social Jeck" meinen die Kölner doppeldeutig – man werbe auch dafür, dass "reale Kontakte wie im Karneval allemal besser sind, als alleine vor dem Computer oder Smartphone zu sitzen", sagt Festkomitee-Sprecherin Sigrid Krebs. Und auf der offiziellen Website heißt es: "Jeck sein in Köln heißt seit Jahrhunderten auch, anderen zu helfen und nicht nur an sich selbst zu denken." Neben der offiziellen App "Mein Karneval" gibt es auch "AppSolut jeck" und "Karneval in Köln" als ebenfalls kostenlose Alternativen. (mit Material von Helke Ellersiek, dpa) / (jes)