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Apple-Aktie steigt nach Treueschwur

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Der US-Computerkonzern Apple geht weiter davon aus, seinen charismatischen Firmenchef Steve Jobs halten zu können, obwohl er in Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Aktienoptionen verwickelt war. Dem am Freitag von Apple vorgelegten unabhängigen Untersuchungsbericht zufolge hat Jobs zwar von der Rückdatierung der Optionen auf günstigere Zeitpunkte gewusst und sogar einige Termine selbst empfohlen. Zugleich wurde Jobs aber "das volle Vertrauen" ausgesprochen. Er habe nicht von den Unregelmäßigkeiten profitiert, es sei kein Fehlverhalten seitens des derzeitigen Managements festgestellt worden. Die Apple-Bilanzen würden durch die Probleme mit 84 Millionen US-Dollar belastet. Co-Firmengründer Jobs gilt als treibende Kraft hinter den jüngsten Erfolgen von Apple.

Entsprechend stieg die Aktie des iPod- und Mac-Herstellers in der ersten Handelsstunde in New York um mehr als fünf Prozent auf gut 85 US-Dollar. Es war befürchtet worden, dass Jobs wegen der Aktienoptions-Probleme gezwungen sein könnte, seinen Hut zu nehmen. Die Praxis zur Rückdatierung der Aktienoptionen erschüttert derzeit die US-Wirtschaft. Bei mehr als 100 Unternehmen laufen Untersuchungen, 17 Firmenchefs mussten bisher gehen.

Bei der Rückdatierung von Aktienoptionen wird nachträglich ein Termin ausgesucht, an dem der Kurs besonders niedrig war. Dadurch kann man bei der Einlösung der Optionen einen höheren Gewinn erzielen.

Das von Apple eingeschaltete unabhängige Untersuchungsteam unter Führung des amerikanischen Ex-Vizepräsidenten und Apple-Aufsichtsratsmitglieds Al Gore habe die Gewährung von Aktienoptionen zu 259 Terminen zwischen Oktober 1996 und Januar 2003 geprüft. Dabei seien 42 Termine mit 6428 Optionen als inkorrekt ausgemacht worden. Bei späteren und früheren Zeitpunkten sei kein Berichtigungsbedarf entdeckt worden. 2002 habe Apple seine Optionspolitik geändert.

"Obwohl bei der Untersuchung festgestellt wurde, dass CEO Steve Jobs über einige der günstigen Gewährungstermine unterrichtet war oder sie empfiehl, erhielt er keine finanziellen Vorteile durch die Optionen oder schätzte die bilanziellen Auswirkungen ein", hieß es.

Im Mittelpunkt von Medienberichten der vergangenen Tage standen auch vor allem Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Aktienoptionen an Jobs selbst im Jahr 2001. Dazu hieß es in dem Bericht, die Option auf 7,5 Millionen Aktien für Jobs sei anfänglich Ende August vom Verwaltungsrat gebillig worden, zu einem Preis von 17,83 US-Dollar. Die endgültigen Konditionen seien jedoch erst am 18. Dezember beschlossen worden. Obwohl die Aktie zu diesem Zeitpunkt bereits bei 21,01 US-Dollar stand, wurde als Preis der Kurs von 18,30 US-Dollar am 19. Oktober festgesetzt. "Die Zustimmung für die Gewährung der Optionen wurde inkorrekt einem Sondertreffen des Verwaltungsrats am 19. Oktober zugeschrieben. Ein solches Sondertreffen hat es nicht gegeben", hieß es lakonisch. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Mitglieder des derzeitigen Managements von dieser Unregelmäßigkeit gewusst hätten. Apple hatte bereits mitgeteilt, dass zwei ausgeschiedene ranghohe Mitarbeiter verwickelt sein könnten.

Jobs hatte die problematischen Aktienoptionen nicht ausgeübt. Sein Festgehalt liegt seit Jahren bei nur einem Dollar. Zugleich legte Apple mit Verspätung den Bericht (PDF-Datei) für das Ende September abgeschlossene Geschäftsjahr 2005/06 vor. (dpa) (it)