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Apple: Gewinn fällt, Börse atmet auf

Apples Quartalsgewinn ist um 27 Prozent eingebrochen, der Umsatz um 15 Prozent. Es war der zweite Umsatzrückgang in Folge, und der dritte kündigt sich bereits an. Die Aktie legte dennoch zu, weil die Anleger Schlimmeres befürchtet hatten.

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Nach über einem Jahrzehnt ununterbrochener Umsatzzuwächse muss Apple nun den zweiten Umsatzrückgang in Folge verbuchen.

(Bild: wafitz CC-BY-SA 3.0)

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Apple hat im 3. Quartal des Finanzjahres (bis 25. Juni) 42,4 Milliarden US-Dollar umgesetzt (38,1 Milliarden Euro) und davon 7,8 Milliarden Dollar (7 Milliarden Euro) als Reingewinn einbehalten. Das bedeutet einen Umsatzrückgang gegenüber dem 3. Quartal 2015 von 14,6 Prozent. Der Reingewinn ist gar um 27 Prozent eingebrochen. Nach Bekanntgabe der Quartalszahlen Dienstagabend legte der Aktienkurs im nachbörslichen Handel 6,6 Prozent zu.

Die Finanzanalysten hatten schlechtere Ergebnisse erwartet. "Wir freuen uns, Ergebnisse des dritten Quartals bekanntzugeben, die eine stärkere Nachfrage und Geschäftsentwicklung als zu Beginn des Quartals erwartet widerspiegeln", sagte Apple-CEO Tim Cook. Allerdings spiegelt sich die Nachfrage auf Kundenseite nicht in gleichem Ausmaß in Umsatz für Apple wider, denn die Vertriebspartner haben ihre iPhone-Lagerbestände reduziert.

In der Service-Sparte konnte Apple den Umsatz im Jahresabstand um 19 Prozent auf 6 Milliarden US-Dollar steigern. Der Rekord des zweiten Quartals wurde fast eingestellt. Zu dieser Sparte gehören unter anderem die Einnahmen aus iTunes, Apple Music, dem App Store, Apple Pay, der iCloud, dem Lizenzgeschäft und Ersatzteilen. Bei den iPads ist der Absatz erneut zurückgegangen (-9 Prozent Stück). Das iPad Pro 9.7 hat aber den Durchschnittspreis so stark steigen lassen, dass der Umsatz mit iPads in Summe um 7 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar zugenommen hat.

iPhones lieferte Apple mit 40,4 Millionen Geräten 15 Prozent weniger aus. Darunter waren viele günstigere "SE"-Modelle, so dass der Spartenumsatz um 23 Prozent auf 24 Milliarden Dollar gefallen ist. Der durchschnittliche Verkaufspreis eines iPhone fiel um mehr als 60 Dollar auf 595 Dollar.

Finanzchef Luca Maestri erklärte das vor allem mit Einmaleffekten, rund ein Drittel des Rückgangs gehe auf ungünstige Wechselkurse zurück. Im laufenden Quartal werde der Durchschnittspreis wieder hochgehen. Traditionell wird im September bereits einige Tage oder Wochen das nächste iPhone-Modell verkauft.

Die Hoffnung auf eine Trendwende bei den iMacs hat sich nicht erfüllt: -11 Prozent nach Stückzahlen und -13 Prozent nach Umsatz bedeuten 5,2 Milliarden Dollar Quartalsumsatz. Die Sparte "Sonstiges", zu der unter anderem die Apple Watch, Apple TV und diverses Zubehör zählen, musste einen Umsatzrückgang von 16 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar hinnehmen.

Apple hatte sich in den vergangenen Jahren besser als der gesamte PC-Markt geschlagen, jetzt schrumpfte der Mac-Absatz stärker als die branchenweiten Verkäufe. Zugleich hat der Konzern einen großen Teil der Computer-Modellpalette schon länger nicht aufgefrischt.

Luca Maestri ist bei Apple für die Finanzen zuständig.

(Bild: Apple )

Mit Ausnahme Japans waren auch alle Regionen, auf die Apple sein Geschäft aufteilt, rückläufig (Amerikas, Europa, Greater China, Rest). Innerhalb dieser Regionen gab es aber Länder, in denen Apple zulegen konnte. Apples Finanzchef Luca Maestri nannte in der Telefonkonferenz mit Finanzanalysten Dienstagabend "Russland, Brasilien, die Türkei, Indien und Kanada", ohne Zahlen zu nennen.

Cook betonte die hohe Zahl von iPhone-Neukunden. Noch nie seien so viele Kunden von anderen Smartphones auf iPhones umgestiegen. Dazu kämen mehrere Millionen Smartphone-Neulinge. Er gibt sich weiterhin betont optimistisch und erwartet vor allem in China einen starken Beitrag zum Gedeihen seines Konzerns. Für das laufende Quartal erwartet Apple einen Konzernumsatz von 45,5 Milliarden bis 47,5 Milliarden Dollar und eine Steuerquote von 25,5 Prozent. Es wäre der dritte Umsatzrückgang in einem Quartal in Folge.

Apple sitzt nun auf einem Geldberg von 231,5 Milliarden Dollar. Die Reserven sanken binnen drei Monaten um 1,4 Milliarden Dollar – der erste Rückgang seit Jahren. Über 90 Prozent des Betrags liegen außerhalb der USA. Apple will die Milliarden-Reserven nicht ins Heimatland bringen, weil dann Steuern von rund 35 Prozent fällig würden. (ds)