Apple: Misslungene iPod-Werbung

Mit seiner neuen iPod-Werbekampagne dürfte sich Apple kaum Freunde bei der Musikindustrie machen.

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Von
  • Volker Zota

Was tut ein aufstrebender deutscher Autor, sagen wir einmal Benjamin von Stuckrad-Barre, wenn er zuhause eine 3000 Tonträger umfassende CD-Sammlung sein Eigen nennt, aber aufgrund ständigen Termindrucks nie dazu kommt, die Scheiben in Ruhe anzuhören? Geht es nach Apple, ist die Frage schnell beantwortet: Er kauft sich natürlich einen iPod. Dessen größte Variante speichert immerhin 7500 Songs (bei 30-GByte-Festplatte und circa 4 MByte pro Song im MP3- oder AAC-Format) sodass Stuckrad-Barre wenigstens ein Viertel seiner CDs auf den handlichen Player bekommt -- sieht man einmal von doppelten CDs oder Songs ab.

So weit, so gut. Doch was Stuckrad-Barre auf der Apple-Website berichtete (Apple hat den Bericht am Montag, den 8. September, vermutlich als Reaktion auf unsere Meldung vom Netz genommen, der Link führt daher nur noch auf die Apple-Hauptseite), dürfte den bis dahin bestimmt höchst erfreuten Plattenbossen, immerhin hat der "Noch-Twen" in seinem Leben immerhin schon 3000 Tonträger aller Art gekauft, die Tränen in die Augen treiben: "Ich bekam den Tipp, alle CDs auf den Apple iPod zu übertragen und die CDs dann zu versteigern", so Stuckrad-Barre. Zu verdanken hat die Musikbranche diesen niederträchtigen Vorschlag Christian Kracht, seines Zeichens ebenfalls Buchautor.

Da der "iPod eine so handliche und praktische Alternative zu Tausenden von CDs ist, fiel Benjamin von Stuckrad-Barre das Abschiednehmen von den vielen heiß geliebten CDs nicht mehr allzu schwer", heißt es auf der Homepage. Zum Glück trennte er sich augenscheinlich für rein ideelle Werte von den CDs, beispielsweise Postkarten, Fotos oder Lob -- angeblich sind noch einige CDs zu haben, also frisch ans Komplimente schmieden.

Dennoch könnte Apples Botschaft in der als Erfahrungsbericht getarnten iPod-Werbung bei manchem Nutzer eine Idee aufkeimen lassen: Spinnt man die Idee nämlich weiter, landet man schnell bei einer Offline-Musiktauschbörse. Üblicherweise würde zwar nicht die CD selbst, sondern nur die Datei weitergegeben, der Effekt ist aber schlussendlich der gleiche.

Übrigens: Nach Auslegung des Urheberrechts seitens der Musikindustrie verliert Stuckrad-Barre, weil er die Original-CD weitergegeben hat, das Nutzungsrecht an der Musik. Will heißen, er müsste sämtliche "Sicherungskopien" löschen -- nur gut, dass lediglich ein Viertel der Musik auf den iPod passte... (vza)