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Apple bleibt auf der Überholspur

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Apple ist wieder ganz oben. Der kleine Computerbauer aus Cupertino, der auch schwere Zeiten hinter sich hat, ist zum Technologieführer und Darling der Analysten gereift. Apple steht nicht mehr als Herausforderer im Schatten von IT-Konzernen wie dem ewigen Konkurrenten Microsoft. Nach Börsenwert sind die beiden Giganten schon auf Augenhöhe, jetzt hatte Apple die Chance, auch beim Umsatz mit Microsoft gleichzuziehen – ob das klappt, weiß man am Donnerstag, wenn die Redmonder ihre Zahlen vorlegen. Für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres sollte nicht nur das iPhone für die gewohnt guten Zahlen sorgen, sondern erstmals auch das erfolgreich eingeführte iPad, das seit Anfang April erhältlich ist.

Die Erwartungen der Wall Street waren entsprechend hoch: Ein dickes Plus beim Umsatz, das Ergebnis um die Hälfte besser als im Vorjahresquartal. Sie wurden nicht enttäuscht, Apple beendete das dritte Quartal mit einem neuen Umsatzrekord. Das teilte das Unternehmen am Dienstagabend nach Handelsschluss der New Yorker Börse in Cupertino mit. Demnach stieg der Umsatz um 61 Prozent von 9,73 Milliarden US-Dollar auf nunmehr 15,7 Milliarden US-Dollar. Unterm Strich konnte der Konzern den Nettogewinn um 78 Prozent von 1,83 Milliarden US-Dollar auf 3,25 Milliarden US-Dollar (2,5 Milliarden Euro) steigern. Einziges Haar in der Suppe für die Analysten: Die Bruttogewinnspanne ging von 40,9 auf 39,1 Prozent zurück.

Das dürfte an der Markteinführung des iPad liegen. Von dem schmucken Tablet-Rechner wurden im Quartal 3,2 Millionen Stück verkauft. "Das iPad hat einen hervorragenden Start hingelegt", erklärte CEO Steve Jobs. Einige Analysten konnten sich bisher allerdings noch nicht richtig für die Apple-Flunder erwärmen. Sie blicken mit Sorge auf die Marge und fürchten, das iPad sei nicht so profitabel, wie sie das von Apple-Geräten gewohnt sind. Etwa dem iPhone, das mit 8,4 Millionen verkauften Geräten (Vorjahresquartal: 5,2 Millionen) seine Erfolgsstory weiter schreibt.

"Es war ein phänomenales Quartal, welches unsere Erwartungen rundum übertroffen hat, inklusive der erfolgreichsten Produkteinführung in der Firmengeschichte von Apple mit dem iPhone 4", sagte Jobs. Daran konnte auch die kritischen Berichte über Empfangsprobleme des neu gestalteten Smartphones nichts ändern – auch wenn Apple laut Wall Street Journal für die versprochenen Gratis-Schutzhüllen 175 Millionen US-Dollar zurückstellen will. Insgesamt hat Apple nach eigenen Angaben bisher 3 Millionen Stück des Ende Juni eingeführten Geräts verkauft. Davon schlägt sich allerdings nur ein Teil in der Bilanz des Ende Juni abgeschlossenen dritten Quartals nieder.

Die andere gute Nachricht ist, dass sich der Erfolg des iPad bisher nicht negativ auf das alte Kerngeschäft auswirkt. Der Computerhersteller verkaufte fast 3,5 Millionen Rechner im Quartal, ein gutes Drittel mehr als im Vorjahresabschnitt. Neben einer guten Million Desktoprechnern gingen 2,47 Millionen Laptops über die Ladentische. Im Vorjahresquartal hatte Apple 849.000 Desktops und 1,75 Millionen Laptops verkauft.

Die Nachfrage nach iPods lässt unterdessen weiter nach, doch hat Apple im dritten Quartal nach über 10 Millionen Stück im Vorjahresabschnitt aber immerhin noch 9,4 Millionen Player verkauft. Im Musikgeschäft konnte der Konzern seinen Umsatz im iTunes Store von 958 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal auf nunmehr 1,2 Milliarden US-Dollar steigern.

Die Aktie zog nachbörslich um 4 Prozent an – wohl auch, weil Jobs in gewohnt geheimnisvoller Art und Weise "fantastische neue Produkte" noch in diesem Jahr ankündigte. Spekuliert wird derzeit über einen Nachfolger für Apple TV. Finanzchef Peter Oppenheimer deutete bereits ein neues Rekordquartal an. Von Juli bis September soll der Umsatz auf rund 18 Milliarden Dollar steigen. Auch der Gewinn soll mit etwa 3,44 Dollar je Aktie wieder im Spitzenbereich herauskommen. Das von den Medien bereitwillig aufgenommene Empfangsproblem des iPhone 4 kann die Aussichten also nicht trüben.

Doch das schöne Gesamtbild bekommt erste Risse. Apples "Antennagate" hat, auch wenn der Konzern die Affäre beharrlich wegdiskutieren möchte, Spuren hinterlassen. Die ansonsten so gut geölte PR-Maschine des Unternehmens, die Apples Image bis ins Detail zu kontrollieren versucht, ist an ihre Grenzen gestoßen. Auch die außerordentliche – und für Apple außergewöhnliche – Pressekonferenz, auf der ein missmutiger Steve Jobs mit dem Finger auf die Konkurrenz und die Presse zeigte, um dann kostenlose Gummihüllen zu verteilen, wird das Problem kaum aus der Welt schaffen können.

Das bisher weitgehend makellose Image des Konzerns könnte dabei weniger durch das Empfangsproblem an sich Schaden nehmen, als vielmehr durch den Umgang damit. Apples Neigung zur Hybris, meint Analyst Toni Sacconaghi gegenüber der New York Times, nähre Befürchtungen an der Wall Street, mit der Zeit könne sich die Sicht der Verbraucher auf das Unternehmen ändern und den derzeitigen wirtschaftlichen Erfolg gefährden.

Konzernergebnis Apple Inc.
Quartal Umsatz (US-Dollar) Gewinn (US-Dollar)
1/09* 11.880 Mio. 2.255 Mio.
2/09* 9.084 Mio. 1.620 Mio.
3/09* 9.734 Mio. 1.828 Mio.
4/09* 12.207 Mio. 2.532 Mio.
1/10 15.683 Mio. 3.378 Mio.
2/10 13.499 Mio. 3.074 Mio.
3/10 15.700 Mio. 3.253 Mio.

Apple bilanziert seit dem ersten Quartal 2010 nach neuen Buchhaltungsstandards in den USA. Damit werden Einnahmen aus dem Verkauf von iPhone und Apple TV nunmehr vollständig für den Zeitpunkt des Verkaufs verbucht, während sie zuvor über die Lebenszeit der Geräte hinweg auf die Quartale verteilt wurden. Die Angaben zu den Ergebnissen der Vorquartale wurden nach der neuen Bilanzierungsmethode errechnet und weichen entsprechend von den ursprünglich veröffentlichten Zahlen ab. (vbr)