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Apple kauft Next - Steve Jobs kehrt zurück

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Die Spekulationen um das nächste Macintosh-Betriebssystem sind beendet. Apple kauft Next Software, die Firma des charismatischen und eigensinnigen Apple-Mitbegründers Steve Jobs, zu einem Preis von 400 Millionen US-Dollar. Das fortschrittliche NextStep soll mit Apples Software zu einem neuen Betriebssystem kombiniert werden.

Steve Jobs kehrt zurück zu der Firma, die er zusammen mit Steve Wozniak vor fast genau 20 Jahren in der Garage seines Elternhauses in Cupertino gründete und neun Jahre später nach einer verlorenen Machtprobe mit John Sculley im Zorn verließ. Er übernimmt eine Position als Berater von Apple-Chef Gil Amelio.

Amelio begrüßte Jobs auf einer Freitagabend in Cupertino überraschend einberufenen Pressekonferenz als "Apples talentiertesten Visionär" und jemanden, der eine neue Generation von Kunden und Softwareentwicklern inspirieren könne. Jobs sagte: "Einer großer Teil der PC-Industrie lebt seit über zehn Jahren vom Macintosh und kopiert langsam seine revolutionäre Bedienoberfläche. Jetzt ist es Zeit für neue Innovationen, und wo anders als bei Apple sollten sie entspringen?"

Apple gewinnt durch die Übernahme neben der Leitfigur Steve Jobs und der ausgezeichneten Entwicklermannschaft von Next zwei fehlende Software-Bausteine: Moderne Betriebssystemtechnologie und Komponenten für den unternehmensweiten Einsatz im Intra- und Internet. Nextstep ist ein objektorientiertes Betriebssystem, basierend auf Unix und aufgebaut auf dem ursprünglich an der Carnegie-Mellon-Universität entwickelten Mach-Kernel. Die aktuelle Version 4.1 läuft auf Intel-Prozessoren, Motorolas 68xxx-Familie und Sun SPARC. Das Betriebssystem hatte zunächst auf Next-Hardware ("Cube") debütiert, deren Markterfolg jedoch ausblieb. Next wandelte sich zum Softwarehersteller und firmiert seit Anfang 96 offiziell als Next Software. Das auf den Mach-Ports basierende Objekt-Modell mit brillianten Werkzeugen für die plattformübergreifende Software-Entwicklung ist mit OpenStep und Web-Objects geradezu prädestiniert für verteilte Anwendungen in Intra- und Internet.

NextStep besitzt Schlüsseleigenschaften, die Entwickler und zunehmend auch Apple-Kunden von einem künftigen Macintosh-Betriebssystem forderten: Es bietet präemptives Multitasking, Multithreading, Speicherschutz für Applikationen und eine moderne objektorientierte Architektur. Eine PowerPC-Version existierte bisher aber noch nicht. Auch wird eine weitere wichtige Anforderung, die Unterstützung von Multiprozessorbetrieb, von der derzeitigen NextStep-Version nicht erfüllt. Allerdings soll Next bereits vor drei Jahren intensiv an einer Multiprozessorversion für PowerPC gearbeitet haben. Zu den Besonderheiten zählt die Nutzung von Display-PostScript für die Bildschirmausgabe. Als Entwicklungssprache wird vornehmlich Objective C benutzt. NextStep ist außerdem relativ gut portierbar. Wird die von Next Software gepflegte Cross-Plattform-Strategie beibehalten, dann könnte sich Apple damit auch vom Schicksal der PowerPC-Hardware unabhängig machen.

In den vergangenen Wochen war viel über das künftige MacOS spekuliert worden. Nachdem die Apple-Spitze die bisherige Betriebssystemstrategie ("Copland") verworfen und die Übernahme externer Technologie nicht mehr ausgeschlossen hatte, galt das BeOS des früheren Apple-Chefentwicklers Jean-Louis Gassée als Favorit unter den potentiellen MacOS-Nachfolgern. Andere Quellen nannten auch Suns Solaris und Windows NT als mögliche Basis für ein neues Apple-Betriebssystem.

Die Verhandlungen mit Be scheiterten nach Berichten aus US-Quellen an der Forderung von 300 Millionen Dollar, die Gassée zuletzt gestellt haben soll. Demgegenüber sollen in die Firma Be bisher nur rund 20 Millionen Dollar investiert worden sein. Amelio versicherte jetzt aber, BeOS sei ohnehin nicht Apples erste Wahl gewesen. "Wir haben Plan A anstelle von Plan Be gewählt," sagte er. Die Technologie von Next sei allen anderen, die man in Betracht gezogen habe, überlegen.

Amelio kündigte Produkte auf Basis des neuen Betriebssystems "im 1997er-Zeitplan" an. Eine erste Version für Entwickler soll binnen sechs Monaten herauskommen. Metrowerks, der Hersteller der populärsten Macintosh-Entwicklungsumgebung, versprach für die Apple-Entwicklerkonferenz im Mai einen Objective-C-Compiler. Außerdem werde man die vorhandenen Compiler an den Interface Builder anpassen, das vielgerühmte Entwicklungswerkzeug von Next.

In einer mehrjährige Phase des Übergangs soll die Kompatibilität mit vorhandene Macintosh-Applikationen gewährleistet werden. Es wird erwartet, daß Amelio am 7. Januar auf der Mac World weitere Details und einen genaueren Zeitplan nennt. (cp)

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