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Apple leidet zum Jahresende erstmals unter der Krise

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Während die PC-Verkaufszahlen im US-Einzelhandel im November branchenweit um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zulegten, musste Apple laut Einschätzung der Analysten der NPD Group erstmals in diesem Jahr einen Rückgang hinnehmen. Im Vergleich zum November 2007 wurden demnach ein Prozent weniger Mac-Rechner verkauft, nachdem Apple in den zurückliegenden Monaten mit die höchsten Wachstumszahlen in Nordamerika verbuchen konnte. Allein im Oktober habe der Hersteller den Absatz um 28 Prozent steigern können – rund viermal so stark wie der Branchendurchschnitt.

Beim Verkauf mobiler Computer – den MacBooks – behält Apple nach Aussage von NPD-Analyst Steve Baker unverändert die Nase vor den Konkurrenten. Aber das Geschäft mit den Desktop-PCs sei um gut 35 Prozent eingebrochen. Brancheninsider sehen darin erste Anzeichen, dass die von Apple bisher so erfolgreich praktizierte Premium-Preis-Strategie künftig scheitern könnte. Zumal im Zuge der anhaltenden Finanzkrise der Konsum nach Weihnachten und mindestens bis in das erste Halbjahr 2009 hinein deutlich zurückgehen dürfte, wie das Wall Street Journal unter Berufung auf Finanzmarktanalysten berichtet.

Der Trend hin zu günstigeren Rechnern – wie etwa den durchschnittlich 300 US-Dollar teuren Netbooks – setze sich kontinuierlich fort, betonte beispielsweise Gene Munster vom Analystenhaus Piper Jaffray. Dennoch geht Munster davon aus, dass Apple auch im kommenden Jahr noch stärker werde wachsen können als die Wettbewerber. Während die Branche 2009 insgesamt einen Rückgang um etwa 5 Prozent hinnehmen müsse, werde Apple die Verkaufszahlen um 10 Prozent steigern können. Auch das laufende Schlussquartal des Jahres könne der Mac-Hersteller noch mit einem Plus von 17 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode abschließen und rund 2,7 Millionen Systeme absetzen.

Mit maßgeblichen Preissenkungen bei Apple ist allerdings nicht zu rechnen. Während etwa Dell und Hewlett-Packard zuletzt mit Nachlässen bis zu 50 Prozent den Absatz ihrer Rechner angekurbelt haben, hat Apple 2008 Preissenkungen von maximal fünf bis zehn Prozent gewährt. Der Hersteller profitiere zudem von überdurchschnittlichen Margen: Bei Notebooks könne die Branche derzeit mit einem Profit von maximal sechs Prozent kalkulieren, erklärte Toni Sacconaghi, Analyst von Sanford Bernstein & Co. Apple verdiene an den MacBooks hingegen annähernd 20 Prozent. Firmenchef Steve Jobs sieht außerdem keinen Spielraum für günstigere Modelle: "Wir wissen gar nicht, wie man einen 500-Dollar-Computer herstellt, der nicht nur ein Stück Schrott ist", konstatierte er im Oktober anlässlich der Bekanntgabe der Rekord-Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2008. (map)