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Apple löscht New York Times-Apps in China

Die New York Times kämpft seit Jahren dafür, dass ihre Berichterstattung auch in China für Interessierte zugänglich ist. Nun hat Apple die Apps der Times aus dem chinesischen App-Store gelöscht. Die Times wünscht sich mehr Unterstützung.

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(Bild: dpa, Adrian Bradshaw)

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Apple hat in China die Nachrichten-Apps der New York Times aus seinem Angebot entfernt. Die US-Zeitung berichtet, ihre Apps für die englisch- und die chinesisch-sprachige Ausgabe der Times seien seit dem 23. Dezember nicht mehr im chinesischen App-Store zu finden. Gegenüber der Zeitung erklärte ein Apple-Sprecher, die Apps seien nach Intervention der chinesischen Behörden entfernt worden, weil sie gegen "lokale Regularien" verstoßen. Die Zeitung vermutet, dass im Sommer 2016 beschlossene Richtlinien zu kritischen Inhalten und Funktionen von Apps für die Umsetzung herangezogen wurden.

Apple beantwortete gegenüber der Zeitung weder Fragen darüber, von wem genau die Intervention kam, noch, ob Apple etwa einen Gerichtsbeschluss erhielt. Dadurch, dass Apple keine Angaben zu dem konkreten Grund der Löschung und dem Vorgehen der chinesischen Behörden mache, könnten sich Medienhäuser kaum mit juristischen Maßnahmen wehren, kritisiert die an der Universität Hongkong beschäftige Jura-Professorin Farzana Aslam. Das Büro der Zeitung in Peking sei in dieser Sache nicht von den chinesischen Behörden kontaktiert worden.

Die Zeitung erklärte, dass auch andere, weniger prominente, Medien-Apps in den letzten Monaten aus dem chinesischen App-Store gelöscht wurden. Die Apps der Financial Times and des Wall Street Journals waren allerdings auch noch am 23. Dezember im App-Store. Ob Apple jemals eine Lösch-Anfrage ablehnend beschieden hat, sei nicht bekannt. Dass sich Apple unter anderem gegen das Entsperren eines iPhones in den USA und dort gegen das juristische Vorgehen wehrte, aber vermutlich in China sonst propagierte Firmenwerte nicht verteidige, sei bedenklich, sticheln die Times und Farzana Aslam weiter.

Die New York Times erklärte, dass die Löschung der Apps nicht die Leser betreffe, die die Apps bereits heruntergeladen und installiert haben. Sie treffe aber diejenigen, die jetzt ein Interesse an dem Angebot der Zeitung hätten. Die Times habe nach eigenen Angaben zuletzt erneut kritische Berichte zur Regierung und Vergünstigungen für die in China ansässige größte iPhone-Fabrik veröffentlicht.

Ihre Webseite wird in China bereits seit vier Jahren geblockt. Damals hatte die Zeitung in einer Serie von Artikeln kritisch über das große Familienvermögen von Chinas Ex-Premierminister Wen Jiabao berichtet. Auch das Herunterladen von Artikeln für die App wurde nach 2012 von der Regierung blockiert, bis die Times ein anderes Verfahren in den Apps einsetzte.

In China werden von den Zensoren zahlreiche ausländische Medien gesperrt, darunter die Webseiten der Nachrichtenagentur Reuters, der Deutschen Welle und des Wall Street Journals. China blockiert auch soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter sowie Google-Dienste oder Webseiten, die die Regierungspolitik kritisieren oder Menschenrechtsthemen ansprechen. (kbe)