Menü

Apple macht Musik

von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 755 Beiträge

Die Spatzen pfiffen es ja schon länger von den Dächern und in den letzten Tagen bildete sich langsam auch eine halbwegs harmonische Melodie heraus: Apple startet einen eigenen Online-Musikdienst. Und neue portable Musik-Player der iPod-Serie gibts gleich dazu. "Heute werden wir die Innovationen noch ein bisschen weiter treiben -- dieses Mal bei der Musik", meinte Apple-Chef Steve Jobs bei der Ankündigungsveranstaltung in San Francisco unter Anspielung auf die jüngst vorgestellten neuen Rechner und beispielsweise den Apple-eigenen Webbrowser Safari: "Rock and Roll will never die. It is, however, being reborn", so die auftrumpfende Parole auf der neuen Musik-Seite von Apple.

Die neuen iPods (verfügbar mit 10, 15 und 30 GByte Festplattenkapazität) sollen nicht dicker sein als zwei übereinander gelegte CD-Hüllen und kommen mit einer Docking-Station (beim 10-GByte-Modell optional). Sie dient nicht nur als Verbindung zum Rechner (egal, ob unter Mac OS oder Windows), sondern auch über ein Line-Out als Übergang zur Stereoanlage. Zusätzlich zum Anschluss per FireWire beherrscht die Docking-Station nunmehr auch die Kommunikation per USB 2.0 mit einem Windows-PC. Neben dem MP3-Format unterstützen die neuen iPods auch MPEG 4 AAC (Advanced Audio Coding). Bei dem neuen Scrollrad zur Bedienung der iPods sollen keine beweglichen Teile mehr zum Einsatz kommen, dafür spendierte Apple Funktionstasten oberhalb des Scrollrads. In Deutschland sollen die neuen iPods Mitte Mai auf den Markt kommen und 399, 499 respektive 599 Euro kosten. Bestellt werden können sie ab sofort im deutschen Apple-Store.

Die eigentliche Neuerung bei Apple sind aber wohl nicht die iPods, sondern der Einstieg ins Musikgeschäft. Nein, nicht die Übernahme von Universal Music, über die immer noch heftig spekuliert werden darf: Mit dem iTunes Music Store startet Apple einen eigenen Online-Musikvertrieb -- ganz selbstbewusst unter dem Motto "Downloads done right". Allerdings wird es diesen Online-Musikdienst vorerst nur in den USA geben; wann der Service auch international angeboten werden soll, darüber ließ sich Apple bislang nicht aus.

Jobs rückte bei der Ankündigung des Music Store die Vorstellungen auch gleich etwas zurecht: Der Slogan der Werbe-Kampagne "Rip, Mix, Burn" habe nie auf ein "Rip-off" angespielt, also auf ein "Abzocken", sondern auf das Übertragen der Songs einer CD auf das Medium, das man persönlich einsetzen wolle. Nun könne man auch von "Kaufen, Verwalten, Hören" sprechen. Die Tauschbörse Napster habe gezeigt, dass das Internet für die digitale Auslieferung von Musik wie geschaffen sei. Aber die Downloads seien unzuverlässig gewesen und die Qualität sehr schwankend -- und es sei Diebstahl gewesen. Auf der andere Seite verlangten die kommerziellen Download-Dienste der Musikindustrie ein Abonnement und sie "behandeln Dich wie einen Kriminellen". Das soll nun alles anders werden, geht es nach dem Apple-Chef und seinen Leuten.

Für den iTunes Music Store hat Apple alle fünf Majors (Sony Music, Universal Music, BMG, EMI, Warner Music) ins Boot geholt; der Dienst startet mit über 200.000 verfügbaren Songs, die mit der Zeit weiteren Zuwachs erhalten sollen. Die Songs im AAC-Format (128 kBit/s), das bereits mit Digital Rights Management ausgestattet ist, verkauft Apple für 99 US-Cent pro Stück; sie können für den persönlichen Gebrauch auf eine unbegrenzte Zahl von CDs gebrannt und auf beliebig vielen iPods sowie bis zu drei Macintosh-Rechnern abgespielt werden -- die Songs lassen sich also nicht einfach, etwa über E-Mail oder eine Tauschbörse, auf einen anderen Rechner übertragen, dafür sorgt das in AAC eingebaute DRM. Die Authorisierung kann aber etwa von einem alten Rechner auf eine neue Maschine übertragen werden, sodass die gekauften Songs bei einem Systemwechsel nicht verfallen. Von jedem Song gibt es online zum Anhören vor dem Kauf einem 30-Sekunden-Ausschnitt. Musiktitel von mehr als 20 Künstlern, darunter Bob Dylan, U2, Eminem, Sheryl Crow und Sting, sollen laut Apple exklusiv angeboten werden, spezielle Musikvideos von einigen dieser Musiker gebe es zudem kostenfrei zu sehen.

Notwendig, um auf den iTunes Music Store zugreifen zu können, ist die Version 4 der Mac-Musiksoftware iTunes, die nunmehr natürlich auch AAC-Encoding beherrscht. Außerdem kann iTunes 4 über Rendezvous Playlists auf anderen Macs ansprechen und die Stücke abspielen -- allerdings sind die Songs nur über Streaming zugänglich, nicht zum Kopieren. iTunes 4 gibt es ab sofort zum Download; das iPod Software 1.3 Update bringt ältere iPods auf den Stand von iTunes 4 einschließlich AAC-Unterstützung. Für den Zugriff auf den Music Store mit iTunes 4 ist aber auf jeden Fall eine Rechnungsadresse in den USA erforderlich. Ein Zugang zu dem Online-Musikdienst per Windows-Rechner soll spätestens zum Ende des Jahres möglich sein. (jk)

Anzeige
Zur Startseite
Anzeige