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Apple schickt Anwälte gegen Blogger los

Mit schlechten Nachrichten im Internet gehen betroffene Unternehmen gerne so um: Wenn du an den Urheber nicht rankommst oder den Grund nicht ändern kannst, halte dich an den Überbringer. Mit ein bisschen Glück ist das ein Blogger, der trotz einiger Popularität keine eigene Rechtsabteilung hat und sich von einem geschliffenen Schreiben teurer Anwälte noch beeindrucken lässt. Nun ist es mal wieder die Anwaltstruppe von Apple, die es mit der Rede- und Pressefreiheit offenbar nicht so hat. Und das trotz einschlägiger Erfahrung vor Gericht.

Denn wenn es um den Schutz der eigenen Produkte geht, versteht Apple keinen Spaß. Das mussten nun die Betreiber einiger Websites erfahren, die über neue Softwaremodifikationen berichtet hatten, mit denen sich auf Geräten mit Windows Mobile oder PalmOS ein dem iPhone nachempfundenes Benutzer-Interface installieren lässt. Während Apple mit Recht darauf verweist, dass die dafür benutzten Designs urheberrechtlich geschützt sind und die Verbreitung der "Skins" unterbinden lässt, finden betroffene Blogger das gleichzeitige Vorgehen gegen die Berichterstattung etwas überspannt.

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Dem Betreiber einer Mobilfunk-Website stellten die Apple-Anwälte eine Unterlassungsforderung zu. Nicht nur soll er den Link zu den inzwischen verschwundenen Skins löschen, sondern auch den illustrierenden Screenshot. "Wir sind darauf aufmerksam geworden, dass Sie einen Screenshot von Apples neuem iPhone veröffentlicht haben sowie einen Link, über den sich der Screenshot auf ein PocketPC-Gerät installieren lässt" (anders als der Text vermuten lassen könnte, ging es den hochbezahlten Juristen offenbar aber nicht um ein simples Wallpaper). Beides, Screenshot und Link, seien zu löschen, weil das Urheberrecht die unautorisierte Verbreitung geschützten Materials explizit verbiete. Trotzdem freue sich Apple über das Interesse am iPhone.

Das bekannte und einflussreiche Blog TechCrunch hat die Geschichte aufgenommen und das von Apple kritisierte Bildmaterial veröffentlicht. "Das ist kompletter Blödsinn", meint der Betreiber, Michael Arrington, und meint damit das Vorgehen des Ex-Computerkonzerns. "Wenn Apple gegen den Typen vorgeht, der die Windows Mobile Skins gemacht hat, bitte schön. Aber Blogger einzuschüchtern, die darüber nur berichtet haben, ist ein ganz anderer Fall". Die Blogosphäre wartet nun gespannt, ob auch Arrington Post von Apples Kanzlei erhält.

Apples Anwälte verteidigen die Schutzrechte ihres Klienten "bis zum Tod", wie es der bloggende Technikexperte der britischen Tageszeitung The Guardian formuliert. Zuletzt musste das eine Auswahl der zahlreichen Nachrichtenseiten im Netz erfahren, die sich gerne mit wilden Spekulationen über neue Produkte beschäftigen. Sie wurden von Apple unter Druck gesetzt und sollten ihre Quellen preisgeben, nachdem diese Firmengeheimnisse an die Blogger gegeben hatten. Die Blogger beriefen sich auf den Journalisten zugesicherten Quellenschutz, Apple argumentierte dagegen, Blogger seien keine Journalisten.

In dem weltweit beachteten Verfahren gewann der Computerriese in der ersten Instanz, das Urteil wurde dann von der Berufungsinstanz des US-Bezirksgericht in San Jose kassiert. Im Rahmen der Anhörung hatte Richter Franklin Elia keine Missverständnisse darüber aufkommen lassen, worum es Apple seiner Ansicht nach ging: "Alles, was Sie wollen, ist der Name eines Informanten. Sie glauben, das gibt Ihnen das Recht, in die geschützte Privatsphäre des E-Mail-Systems einzudringen und den ersten Verfassungszusatz zu übertrumpfen." Apple entschied sich schließlich dagegen, den Fall weiter gerichtlich zu verfolgen. (vbr)

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