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Apple unterwandert den Windows-Schreibtisch

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Microsoft gegen Apple, Windows gegen Macintosh, kaum ein Wettstreit in der Computergeschichte wurde so emotional ausgetragen wie der Konkurrenzkampf zwischen den Firmengründern Bill Gates und Steve Jobs. Dabei ist Microsoft seit den achtziger Jahren ein wichtiger Software-Lieferant für die Apple-Plattform – und Apple gehört mit seiner Musiksoftware iTunes zu den größten Software-Herstellern für Windows-PCs. Nach dem Erfolg von iTunes in der PC-Gemeinde will Apple nun erneut den Windows-Desktop unterwandern: Der Browser Safari soll wie iTunes die PC-Anhänger davon überzeugen, wie elegant und leistungsfähig Programme von Apple sind – und ihnen langfristig einen kompletten Wechsel zu den Computern von Apple nahe legen.

Die Startposition von Apple für einen neuen "Browserkrieg" sieht nicht ideal aus. Die Mac-Variante des Safari liegt je nach den Ergebnissen der unterschiedlichen Marktforscher bei bis zu fünf Prozent und in der Zugriffsstatistik für heise.de im Mai bei 3 Prozent (bei 5,4 Prozent Anteil für Mac OS unter den Betriebssystemen), während Microsofts Internet Explorer weiterhin dominiert, auch wenn ihm die Open-Source-Alternative Firefox Marktanteile abgräbt. Die Web-Entwickler richten sich zumeist nach der Software, die den Markt dominiert. Jobs hofft nun, dass mit der Popularität von iTunes auch dem Windows-Safari auf die Beine geholfen werden kann. "Wir zählen jeden Tag eine Million Downloads von iTunes, das ist das Doppelte der Downloadzahlen beim Firefox", sagte Jobs auf der Entwicklerkonferenz WWDC gestern in San Francisco.

Eine Vorab-Version des neuen Apple-Browsers ist von sofort an verfügbar und kann kostenlos heruntergeladen werden. Allerdings scheint es, als habe es das Management mit der Veröffentlichung sehr eilig gehabt: So werden auf der Startseite von heise.de, aber auch auf anderen Web-Angeboten beispielsweise die Überschriften der Meldungen nicht angezeigt. Auch einige  Sicherheitslücken in Apples Browser unter Windows wurden bereits entdeckt. Für eine "Public Beta", unter der Apple den Safari 3 für Windows offeriert, erscheint die Software doch reichlich unausgereift.

Der Safari für Windows zeigt bei heise.de momentan noch keine Überschriften an.

Google-Chef Eric Schmidt allerdings, der bei Apple im Aufsichtsrat (Board) sitzt, nahm unter den rund 5000 Zuhörern im Moscone-Center die Ankündigung von Jobs mit einem breiten Grinsen auf. Der Browser-Vorstoß von Apple passt gut zur Strategie des Suchmaschinengiganten, Online-Programme wie Google Docs als Alternative zu den Produkten von Microsoft zu positionieren.

Zuvor waren Apple und Google schon bei der Entwicklung des neuen Apple-Handys iPhone zusammengerückt. Für das Smartphone, das in den USA am 29. Juni auf den Markt kommt, hat der Suchmaschinenanbieter seine Kartenanwendung Google Maps modifiziert. Die Mehrzahl der Software-Entwickler im Apple-Umfeld wird dieses Privileg nicht in Anspruch nehmen können. Apple forderte die Programmierer auf, Anwendungen für Safari zu schreiben, die damit auch auf dem iPhone laufen würden. Die meisten Entwickler in San Francisco hatten sich im Vorfeld allerdings mehr versprochen und auf einen direkten Zugriff auf das Betriebssystem des iPhones gehofft.

Enttäuscht wurden auch die WWDC-Besucher, die auf weitere Produktankündigungen von Apple spekuliert hatten. Doch der Zauberer Steve Jobs hatte weder ein neues Ultraleicht-Notebook noch einen neuen iMac im Zylinder. Die Börse in New York reagierte prompt darauf und schickte den Kurs der Apple-Aktie um 4,30 Dollar auf 120,19 Dollar nach unten. Die Gerüchte vor der Entwicklerkonferenz hatten die Woche zuvor das Papier auf ein neues Allzeithoch von 127,61 Dollar getrieben.

Zu Apples World Wide Developers Conference 2007 siehe auch:

(Christoph Dernbach / Andreas Wilkens) / (anw)

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