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Apple verkauft iPhones und so viele Macs wie noch nie

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Der US-Computerkonzern Apple hat für das dritte Quartal seines Geschäftsjahres erneut gute Zahlen vorgelegt. Doch einer ganz eigenen Logik der Aktienmärkte folgend, fokussiert sich der Blick der Finanzwelt auf die letzen 30 Stunden des die Monate April bis Juni umspannenden Berichtszeitraums: Wie viele iPhones hat der Hersteller seit dem 29. Juni um 18 Uhr, als der Verkauf bei Apple und dem exklusiven US-Netzpartner AT&T nach einem unvergleichlichen Marketing-Hype endlich losging, tatsächlich absetzen können? Das und die Details des Abkommens mit AT&T waren die Fragen, die Analysten und Apple-Fans gleichermaßen elektrisierte. Umsatz und Gewinn, obwohl wieder deutlich über den Vorjahreswerten, verkamen dabei fast zur Nebensache.

Nachdem sich die Analysten nach dem ersten Verkaufswochenende mit geschätzten Verkaufsrekorden gegenseitig überboten hatten (von Stückzahlen im Bereich 500.000 oder gar 700.000 hatten die Experten am Montag nach Verkaufsstart orakelt), zeigten sich die Investoren angesichts der ersten harten Zahlen bitter enttäuscht. Die kamen am Dienstag vom Mobilfunker AT&T, der in seinem Finanzbericht "nur" 146.000 iPhone-Kunden für die letzten beiden Tage des Quartals ausweist. Den fälligen Kurssturz bei AT&T- und Apple-Aktien verhinderten auch die berechtigten Hinweise der Analysten nicht, dass die Aktivierungsprozedur bei AT&T dem initialen Ansturm nicht ganz gewachsen war und so nicht jeder iPhone-Käufer in der AT&T-Bilanz schon als registrierter Kunde auftaucht.

Die schlimmsten Befürchtungen haben sich dann nicht bestätigt. Gegenüber Analysten bezifferte Finanzchef Peter Oppenheimer die Zahl der in den ersten anderthalb Tagen verkauften iPhones auf 270.000 Stück. Das lukrative Hype-Handy hat noch wenig zum Gesamtumsatz von 5,41 Milliarden US-Dollar (3,92 Milliarden Euro) beigetragen, der im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 24 Prozent von 4,37 Milliarden US-Dollar (3,26 Milliarden Euro) zugelegt hat. Der Nettogewinn legte von 472 Millionen US-Dollar (342 Millionen Euro) oder 0,54 US-Dollar pro Aktie im vergangenen Jahr um 73 Prozent auf 818 Millionen US-Dollar (592 Millionen Euro) oder 0,92 US-Dollar pro Aktie zu. Damit lag das Unternehmen zur Überraschung der Analysten deutlich über der eigenen Prognose von 0,66 US-Dollar. Auch die Bruttohandelsspanne lag mit 36,9 Prozent über Apples eigenen Erwartungen von 32 Prozent. Die Aktie machte im nachbörslichen Handel einen Sprung und gewann nahezu 10 Prozent.

Umsatztreiber waren neben der anhaltenden Nachfrage nach dem iPod einmal mehr der erstarkende Absatz von Mac-Computern. Insgesamt setzte Apple im abgelaufenen Quartal 1,764 Millionen Macs ab und übertraf damit sowohl die Werte der Vergleichsperiode 2006 (plus 33 Prozent) als auch jedes anderen vorangegangen Quartals. Während der Absatz von Desktoprechnern um 20 Prozent zulegte, verkaufte Apple 1,13 Millionen Notebooks und damit 42 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Insgesamt setzte Apple mit dem Mac 2,53 Milliarden US-Dollar um.

Der iPod verkauft sich weiter gut, im abgelaufenen Quartal gingen 9,815 Millionen Stück über die Ladentheke, 21 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Sparte "Other Music Related Products and Services", in der sich der iTunes-Musicstore versteckt, legte beim Umsatz im Jahresvergleich zwar um 33 Prozent von 457 Millionen US-Dollar auf 608 Millionen US-Dollar zu, gab im direkten Vergleich mit dem zweiten Quartal 2007 aber um 7 Prozent nach. Der iPod sorgte zusammen mit dem Musikgeschäft für 40 Prozent des Gesamtumsatzes. Kürzlich hatte Apple den Online-Retailer Amazon als drittgrößter Musikanbieter der USA abgelöst. Über die Verkaufszahlen von Apple TV schweigt sich der Hersteller weiterhin ebenso aus wie über die genauen Konditionen des AT&T-Deals.

"Wir sind begeistert, das beste Juni-Quartal bei Absatz und Umsatz in der Firmengeschichte bekannt geben zu können, einhergehend mit dem höchsten jemals erzielten Absatz von Macs in einem Quartal", sagte CEO Steve Jobs. "Das iPhone hat einen sehr guten Start hingelegt". Das neue Apple-Handy habe in ersten Umfragen für eine hohe Kundenzufriedenheit gesorgt, ergänzte Finanzchef Oppenheimer und entschuldigte sich gleichzeitig für die Schwierigkeiten bei der Aktivierung, das Hauptproblem habe AT&T inzwischen behoben. Oppenheimer rechnet für das laufende Quartal mit 5,7 Milliarden US-Dollar Umsatz und einem Gewinn pro Aktie von rund 0,65 US-Dollar.

Bis Ende September rechnet Jobs mit 1 Million verkauften iPhones, Ende 2008 sollen es schon 10 Millionen sein. Das Apple-Management bekräftigte die Pläne, das iPhone bis zum Jahresende in ausgewählten europäischen Ländern in den Verkauf zu bringen. Im jetzt laufenden Quartal soll dazu Genaueres bekannt gegeben werden, bis dahin müssen sich die Europäer noch mit Spekulationen über mögliche Netzpartner und etwaige Verkaufsstellen begnügen.

Umsatz- und Gewinnentwicklung bei Apple in US-Dollar
(Das Geschäftsjahr beginnt jeweils zum Oktober.)

Quartal Umsatz Nettogewinn/
-verlust
1/00 2.340 Mio. 183 Mio.
2/00 1.940 Mio. 233 Mio.
3/00 1.820 Mio. 203 Mio.
4/00 1.870 Mio. 170 Mio.
1/01 1.000 Mio. -195 Mio.
2/01 1.430 Mio. 40 Mio.
3/01 1.480 Mio. 61 Mio.
4/01 1.450 Mio. 66 Mio.
1/02 1.380 Mio. 38 Mio.
2/02 1.500 Mio. 40 Mio.
3/02 1.430 Mio. 32 Mio.
4/02 1.440 Mio. -45 Mio.
1/03 1.470 Mio. -8 Mio.
2/03 1.475 Mio. 14 Mio.
3/03 1.545 Mio. 19 Mio.
4/03 1.715 Mio. 44 Mio.
1/04 2.006 Mio. 63 Mio.
2/04 1.909 Mio. 46 Mio.
3/04 2.014 Mio. 61 Mio.
4/04 2.350 Mio. 106 Mio.
1/05 3.490 Mio. 295 Mio.
2/05 3.240 Mio. 290 Mio.
3/05 3.520 Mio. 320 Mio.
4/05 3.680 Mio. 430 Mio.
1/06 5.749 Mio. 565 Mio.
2/06 4.360 Mio. 410 Mio.
3/06 4.370 Mio. 472 Mio.
4/06 4.837 Mio. 546 Mio.
1/07 7.115 Mio. 1.004 Mio.
2/07 5.264 Mio. 770 Mio.
3/07 5.410 Mio. 818 Mio.