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Apple vs. FBI: Tim Cook will mit Obama über iPhone-Streit sprechen

In der Kraftprobe mit US-Behörden geht Apple-Chef Tim Cook ins Fernsehen, um seine Position zu verdeutlichen. Er warnt, Software zum Entsperren von iPhones könne zum "Trampeln auf Bürgerrechten" führen. Sie sei zudem ein "Software-Äquivalent zu Krebs".

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(Bild: dpa, Daniel Bockwoldt)

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Apple-Chef Tim Cook will im Streit mit der US-Regierung um das Entsperren von iPhones mit Präsident Barack Obama sprechen. Er wolle ihm die Argumente von Apple nahebringen, sagte Cook in einem halbstündigen Interview mit dem TV-Sender ABC.

Apple vs. FBI: Streit über iPhone-Entsperrung

Apple soll dem FBI helfen, das iPhone eines Terroristen zu entsperren – weigert sich aber, da damit die Sicherheit aller User in Frage gestellt würde. Der Streit mit den US-Behörden schlägt hohe Wellen.

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Cook bekräftigte, dass Apple grundsätzlich keine Software zum Aushebeln der iPhone-Sperre schreiben wolle. Er erklärte mehrmals, dass es in dem beschrieben Fall nicht nur "um dieses Telefon" gehe. Es ginge in der Diskussion "um die Zukunft". Zudem verglich er die vom FBI eingeforderte Software-Lösung als ein "Software-Äquivalent zu Krebs". Der Konzern arbeitet laut Medienberichten unterdessen daran, das Aufknacken seiner Geräte und Systeme noch weiter zu erschweren.

Apple wurde per Gerichtsbeschluss angewiesen, dem FBI beim Entsperren eines iPhones zu helfen, das von einem toten Attentäter genutzt worden war. Der Anhänger der Terrororganisation Islamischer Statt (IS) und seine Frau hatten 14 Menschen im kalifornischen San Bernardino getötet. Apple weigert sich mit der Begründung, dafür müsse erstmals eine Software geschrieben werden, mit der man die Zugangssperre aushebeln könne – und die Folgen dieses Schritts seien zu gefährlich.

"Wenn ein Gericht von uns verlangen kann, eine solche Software zu schreiben, bedenken Sie, was sie noch von uns fordern könnten – vielleicht ein Betriebssystem für Überwachung oder die Möglichkeit, die Kamera einzuschalten", sagte Cook. Nach Apple könnten auch andere Anbieter genauso betroffen sein: "Wir wissen nicht, wo das endet." Apple stört sich unter anderem daran, dass die rechtliche Grundlage für die Anweisung ein Gesetz aus dem 18. Jahrhundert ist, das Richtern die Befugnis gibt, alle nötigen Maßnahmen anzuordnen.

Wenn es erst einmal einen solchen Präzedenzfall gebe, könnten andere Gerichte ihn vielleicht auch auf Scheidungs- oder Steuerfälle anwenden, sagte Cook und warnte vor einem "Trampeln auf Bürgerrechten". Apple sei bereit, den Fall bis hin zum Obersten Gericht der USA durchzufechten, denn "das ist nicht das, was in Amerika passieren sollte." Die USA seien ein Land der Freiheit.

Die Frage müsse im üblichen öffentlichen Verfahren mit einem neuen Gesetz geregelt werden, forderte er. Apple mache sich zudem Sorgen, dass sobald es die vom FBI erwünschte Software gäbe, auch Online-Kriminelle alles daran setzen würden, sie in die Finger zu bekommen. Außerdem müsse den Menschen bewusst sein, dass man viele Dinge technisch ermöglichen könne, aber nicht alle gut seien. Um diese nicht "zu erlauben", dürfe man sie erst gar nicht "kreieren".

Für Apple kann der Fall politisch heikel werden, Politiker warfen dem Konzern bereits vor, die Privatsphäre eines toten Terroristen über die nationale Sicherheit zu stellen. In einer Umfrage meinte gut jeder Zweite, Apple müsse nachgeben. Die US-Behörden hatten erklärt, Apple könne das Programm auch vernichten, sobald das Telefon des Attentäters entsperrt sei. Zugleich geht aus Gerichtsunterlagen hervor, dass seit Herbst in mehreren Kriminalfällen bereits Anträge auf Hilfe beim Entsperren von einem Dutzend Apple-Handys gestellt wurden.

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Cook unterstrich erneut, dass Apple dem FBI bereits alle Daten zu dem Smartphone ausgehändigt hat, die es erlangen konnte, ohne andere Nutzer zu gefährden. Würde Apple eine Software schreiben, um an weitere Daten auf dem iPhone zu kommen, würden auch viele Millionen anderer iPhone-Nutzer darunter leiden müssen. Dass in den ersten Tagen der Ermittlungsarbeit die Synchronisation mit der Apple Cloud durch FBI-Mitarbeiter gestoppt wurde, bezeichnete Cook als einen "entscheidenden Fehler."

In dem Interview wurde Cook wiederholt mit dem Argument konfrontiert, dass Apple durch ein Einlenken womöglich Terror-Angriffe verhindern könnte. Auch wurde Cook vorgeworfen, dass – würde es sich bei den Betroffenen von San Bernardino um Angehörige von Apple-Mitarbeitern handeln – die Apple-Ingenieure das entsprechende iPhone sicherlich sofort geknackt hätten. Cook blieb bei diesen Argumentationen strikt und machte deutlich: Manche Entscheidungen seien hart, manche richtig – und es gäbe Entscheidungen, die beides sind – eine solche läge hier vor.

Die New York Times und die Financial Times berichteten nun in der Nacht zum Donnerstag, dass Apple seine Geräte noch stärker sichern wolle. Unter anderem gehe es darum, auch die Daten im Speicherdienst iCloud so zu verschlüsseln, dass sie nicht mehr für das Unternehmen und die Behörden zugänglich wären, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

Das Interview hat eine neue Runde im Kampf um die Verschlüsselung in den USA eingeläutet: Es dräuen die Crypto Wars 3.0. (mit Material der dpa) / (kbe)