Apples "Panther" auf dem Sprung

Es heißt oft, Apple habe keine Kunden, sondern Fans -- und die freuen sich auf die Freigabe von Apples neuer Systemversion Mac OS X 10.3 am Freitagabend.

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Von
  • Jürgen Kuri

Es heißt oft, Apple habe keine Kunden, sondern Fans. Frenetisch werden schon kleine Verbesserungen bejubelt. Und wenn am heutigen Freitagabend, 24. Oktober, um 22.30 Uhr das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino das Okay für den Verkauf seines neuen Betriebssystems Mac OS X 10.3 gibt, ist das für manchen Apple-Anhänger wie Ostern und Weihnachten an einem Tag. Einige Apple-Händler in Deutschland öffnen sogar Freitagabend für die Eifrigen, die nicht bis Samstagvormittag warten wollen, um das gute Stück dann für 149 Euro zu kaufen. In Apples Online-Store allerdings konnte man das neue System bereits seit einiger Zeit bestellen.

"Panther", so der Name der Software, ist die mittlerweile vierte Ausgabe von Mac OS X -- nach "Cheetah", "Puma" und "Jaguar". Die Raubkatze läuft dank der überwundenen Kinderkrankheiten auf sicheren Pfoten und setzt mit vielen neuen Funktionen zu weiteren Sprüngen als seine Vorgänger an. Obwohl Apple als erster Hersteller in diesem Jahr bereits einen Desktop-Computer mit einem 64-Bit-Prozessor auf den Markt gebracht hat, ist Panther auf 32-Bit-Software ausgerichtet. Bei Apple wird das mit Kundenfreundlichkeit begründet: Der Power Mac G5 sei von Grund auf für 32- und 64-Bit ausgelegt, so Georg Albrecht, Pressesprecher bei Apple Deutschland. Somit könnten mit dem Rechner alle bereits vorhandenen Programme ausgeführt werden. Der Übergang zu einem reinen 64-Bit-System würde dagegen hohe Kosten für die Anschaffung neuer Software nach sich ziehen. Oder der Anwender müsse die 32-Bit-Programme im langsamen Emulationsmodus laufen lassen.

Über diese Argumentation lässt sich streiten; sicher ist dagegen, dass der Panther dem Mac Beine macht: " 'Panther' läuft spürbar schneller als 'Jaguar' ", erbrachten beispielsweise die Tests der c't-Redaktion (siehe dazu Ausgabe 22/2003 der c't, S. 180: Zugkräftig -- Ein Blick auf Mac OS X 10.3 alias Panther). Die Zeitgewinne sind zwar nicht berauschend, aber bemerkenswert -- zumal es nicht üblich ist, dass eine neue Betriebssystemversion schneller arbeitet als ihre Vorgänger. Deshalb können auch Anwender mit älteren Apple-Rechnern das neue System nutzen, ohne Einbußen beim Tempo befürchten zu müssen.

Panther enthält nach Angaben des Herstellers mehr als 150 neue Features. Einige davon präsentierte Firmenchef Steve Jobs bereits auf der Apple Expo in Paris. Eindrucksvoll wurde zum Beispiel der neue Finder demonstriert. Staunen erregte Exposé in Paris -- diese Funktion ist so einfach wie überzeugend: Mit einem Mausklick lassen sich alle geöffneten Fenster verkleinern, aber übersichtlich nebeneinander anordnen. Ebenfalls neu ist Fast User Switching: Bei laufenden Programmen kann ein anderer Anwender sich am Rechner anmelden und die Arbeit mit seinen persönlichen Einstellungen fortsetzen. Ein weiterer Mausklick und der Bildschirm zeigt wieder die Einstellungen des vorherigen Nutzers.

"Viele der Neuerungen von Mac OS X 10.3 alias Panther sind -- für sich genommen -- nichts Besonderes. Es ist die Fülle und die Liebe zum Detail, welche diese Systemversion von der alten abhebt", zieht die c't ein erstes Fazit. Der Umstieg sollte für Anwender der vorherigen Mac-OS-X-Version, die bereits auf das System abgestimmte Software nutzen, kein Probleme darstellen. Mac-Fans, die es mit dem neuen System nicht so eilig haben, sind aber möglicherweise gut beraten, auf das erste Update zu warten: Erfahrungsgemäß hat Apples Software wie die anderer Hersteller auch in der ersten Ausgabe noch -- dann mit einer baldigen Aktualisierung bereinigte -- Anfangsfehler. (Sven Appel, dpa) / (jk/c't) / (adb)