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Arabische Blogger in Haft: Die Grenzen der Freiheit sind unsichtbar

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Die Grenzen der Meinungsfreiheit in den arabischen Staaten sind vielen jungen Oppositionellen, kaltgestellten Journalisten und Menschenrechtsaktivisten zu eng. Sie verbreiten ihre Botschaften deshalb lieber als Blogger im Internet. Doch auch in der arabischen Online-Welt gibt es Grenzen, unsichtbare Grenzen, deren Überschreitung oft direkt ins Gefängnis führt.

Fuad al-Farhan (32) aus Saudi-Arabien sitzt seit dem 10. Dezember 2007 ohne Anklage hinter Gittern. Der Besitzer einer kleinen IT-Firma in der Hafenstadt Dschidda vermutet, dass er wegen seiner Kommentare über politische Gefangene in Saudi-Arabien inhaftiert wurde. Doch auch eine von Al-Farhan kurz vor seiner der Verhaftung veröffentlichte Liste "Die zehn prominentesten saudischen Persönlichkeiten, die ich nicht mag und nicht treffen will", auf der unter anderem der Milliardär Prinz Walid bin Talal und einflussreiche Islam-Gelehrte vertreten sind, war für saudische Verhältnisse schon recht gewagt.

"Er scheint in guter Verfassung zu sein, sowohl geistig als auch gesundheitlich", erklärt seine Ehefrau, die in der vergangenen Woche zum ersten Mal seit seiner Verhaftung einen Anruf ihres Mannes erhielt. "Ich hoffe, dass ich ihn bald im Gefängnis besuchen kann", fügt sie mit fester Stimme hinzu. Ihren Namen oder ihr Foto möchte sie, obwohl sie sich aktiv für die Freilassung ihres Ehemannes einsetzt, nicht veröffentlicht sehen. Anfragen von Journalisten und Menschenrechtlern beantwortet sie lieber nicht persönlich, sondern am Telefon. Im konservativen Saudi-Arabien, wo die Mehrheit der Frauen auf der Straße nicht nur Körper und Haar, sondern auch das Gesicht verhüllt, ist dies allerdings nichts Ungewöhnliches. Die Familie Al- Farhans lässt in der Öffentlichkeit lieber seine beiden Kinder sprechen. "Papa, komm nach Hause, wir vermissen Dich", sagt seine 10 Jahre alte Tochter Raghd in einer Videoaufnahme, die diese Woche bei Youtube veröffentlicht wurde.

Unterstützung erhalten inhaftierte arabische Blogger aber nicht nur von ihren Verwandten, Freunden und von internationalen Organisationen wie Reporter ohne Grenzen und Human Rights Watch, sondern auch von anderen Bloggern zwischen Rabat und Damaskus. So finden sich auf vielen arabischen Websites von Internet-Autoren neben Aufrufen zur Freilassung von Fuad al-Farhan auch ähnliche Aufrufe für einen inhaftierten Syrer und für den 23 Jahre alten Ägypter Kareem Amer. Der Student aus Alexandria war im Februar 2007 zu vier Jahren Haft verurteilt worden, weil er in seinem Blog nach Auffassung des Richters sowohl Präsident Husni Mubarak als auch die islamische Al- Azhar-Universität beleidigt hatte.

Die Kampagne "Free Tariq" für die Freilassung des im Juli 2007 festgenommenen Syrers Tarik Biasi (22) wurde allerdings inzwischen auf Wunsch seiner Familie und seiner Anwälte gestoppt. Denn vor einigen Tagen hat der Prozess gegen Biasi begonnen, der im Internet einen kritischen Kommentar über die syrischen Sicherheitsdienste veröffentlicht haben soll. Seine Unterstützer wollen nicht riskieren, dass das Urteil gegen den jungen Mann, der wegen "Beschädigung des Nationalgefühls" und "Verbreitung falscher Informationen" angeklagt ist, wegen ihrer Kampagne härter ausfällt. Die Höchststrafe für beide Vergehen sind fünf Jahre Haft. Der Prozess soll am kommenden Montag fortgesetzt werden. (Anne-Beatrice Clasmann, dpa) / (jk)