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Arbeitsbedingungen: Neue Vorwürfe gegen Samsung

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Die Vorwürfe gegen den südkoreanischen Konzern Samsung wegen gesundheitsgefährdender Arbeitsbedingungen reißen nicht ab. Nachdem Samsung im Januar 2012 eines der Unternehmen war, denen der Schmähpreis "Public Eye People's Award 2012" verliehen wurde, hat sich jetzt das ZDF-Magazin Frontal 21 der Geschichte angenommen. Das Magazin wiederholt in seiner aktuellen Ausgabe (Dienstag 14. August, 21:00 Uhr) die massiven Vorwürfe der südkoreanischen Organisation Supporters for the Health and Right of People in Semiconductor Industry (SHARPS).

Anzeige des Schmähpreises

(Bild: Public Eye Award)

SHARPS zufolge sind insgesamt rund 140 ehemalige Mitarbeiter von Samsung nach ihrer Tätigkeit schwer erkrankt, unter anderem an Krebs. Nach dem Tod der 31-jährigen Yoon, einer ehemaligen Arbeiterin in einer Fabrik für LC-Displays, zählt die südkoreanische Tageszeitung The Hankyoreh darüber hinaus inzwischen 56 Todesopfer. Wenige Monate zuvor war demnach die 35-jährige zweifache Mutter Kim Do-eun gestorben, die mit 19 Jahren angefangen hatte, für Samsung zu arbeiten.

Samsung hat einen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und den Arbeitsbedingungen immer bestritten. Auch gegenüber Frontal 21 blieb Kim Soo-Geun, der Leiter des Samsung Health Research Institute bei dieser Linie. Er versicherte demnach, dass man keine blutkrebserregenden Stoffe wie Benzol in der Produktion verwende. Dem widersprechen jedoch die Ergebnisse einer Untersuchung des staatlichen Occupational Safety and Health Research Institute, wie The Hankyoreh berichtete. Demnach habe das Institut in der Produktion von Samsung unter anderem auch krebserregendes Benzol gefunden, jedoch in einer geringeren Menge, als gesetzlich erlaubt.

Die Diskussion über die Krebserkrankungen ehemaliger Samsung-Mitarbeiter hatte bereits im Juni 2011 größere Aufmerksamkeit erlangt. Ein Gericht in der Hauptstadt Seoul hatte damals Verbindungen zwischen den Arbeitsbedingungen bei Samsung und der Leukämie-Erkrankung zweier Mitarbeiter bestätigt. Der Kontakt hätte zwar in erlaubtem Umfang stattgefunden, aber über einen so langen Zeitraum, dass es möglich sei, dass die Erkrankung dadurch verursacht wurde. In diesen Fällen musste deshalb Entschädigung gezahlt werden, in vier anderen dagegen wurde die Klage abgewiesen.

Eine von Samsung selbst finanzierte Studie war kurz danach zu dem Schluss gekommen, dass die Arbeitsbedingungen in den Fabriken "akzeptierten Standards" entsprächen. Einen Zusammenhang zwischen der Tätigkeit in den Fabriken und den Erkrankungen gebe es nicht. Trotzdem hatte sich Samsung kurze Zeit später bereit erklärt, die medizinische Behandlung von (Ex-)Mitarbeitern finanziell zu unterstützen.

Auch nach der Verleihung des Schmähpreises hatte der Fall weitere Aufmerksamkeit erzeugt. Für einen Artikel des International Journal of Occupational and Environmental Health (IJOEH) wurden Daten ausgewertet, die einen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und den Arbeitsbedingungen zumindest sehr stark nahelegten. Bewiesen werden konnte das aber nicht, weil Samsung die dafür nötigen Informationen nicht bereitgestellt habe.

Cover von Hankyoreh 21

(Bild: SHARPS)

Darüber hinaus beschäftigte sich im Juli ein Leitartikel der südkoreanischen Wochenzeitschrift Hankyoreh 21 mit dem Schicksal von vier Frauen. Laut der Übersetzung von SHARPS haben drei davon für Samsung gearbeitet, bevor sie erkrankten. Eine ist gestorben, eine leidet an den Nachwirkungen einer Operation und die dritte ist ans Krankenbett gefesselt. Der Ehemann der vierten ist einer Krankheit erlegen, die er sich bei der Arbeit für Samsung zugezogen hat. (mho)

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