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Arbeitsmarkt: Die Überstunden häufen sich

Überstunden an beiden Enden der Gehaltsskala

Inhaltsverzeichnis

Je nach Datenlage und Umfrage kommt man jedoch auf weit höhere Werte. Der Bericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigt ein detaillierteres Bild. So leisten Männer im Schnitt deutlich mehr Überstunden als Frauen, 10 beziehungsweise 6 Prozent davon gaben 2017 an, pro Woche mehr als zehn Überstunden anzuhäufen. 47 Prozent der Männer und 59 Prozent der Frauen gaben an, dass sie weniger als zwei Stunden pro Woche mehr arbeiten als im Vertrag vorgesehen.

Die Zahl der Überstunden hängt auch stark von der Beschäftigung ab. Insbesondere LKW- und Lieferfahrer müssen mir Mehrarbeit rechnen – im Schnitt 7,2 Überstunden pro Woche. Auch Chefs bleiben häufig länger im Büro: Angestellte mit Vorgesetztenfunktion kommen demnach auf 4,9 Überstunden pro Woche – je größer die Verantwortung ist, desto mehr Überstunden häufen sich an. Arbeitnehmer, die wegen Beschäftigungsmangel öfters früher nach Hause gehen können, sind hingegen eine Seltenheit.

Wer eine neue Arbeitsstelle antritt, ist gut beraten, den Punkt Überstunden vorher abzuklären. Zwar sind Klauseln wonach Überstunden grundsätzlich kostenlos zu leisten sind, seit einigen Jahren unwirksam – eine beschränkte Menge an unbezahlten Überstunden ist aber weiterhin möglich. In besonderen Notfällen kann sich der Arbeitnehmer auch nicht pauschal weigern, im Betrieb über die vereinbarte Zeit zu arbeiten.

Aber auch Arbeitgeber sollten bei der Mehrarbeit Voraussicht zeigen. Eine andere Studie der IAB ergab, dass die Jobzufriedenheit mit der Anzahl der Überstunden abnimmt und sich viele Arbeitnehmer dann einen neuen Arbeitgeber suchen könnten.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin wies bereits 2016 daraufhin, dass bereits eine regelmäßige Mehrarbeit von zwei Stunden pro Woche zu deutlich höheren Beschwerden über Gesundheitsproblemen und Erschöpfung führen. Insbesondere wenn die genauen Arbeitszeiten nicht frühzeitig vorhersehbar sind und Arbeitnehmer auf Abruf bereitstehen sollen, führt dies zu hoher Stressbelastung. (mho)