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Arbeitsplatzverluste: Besser ein Roboter als ein Mensch

Technik wie KI wird den Arbeitsmarkt umwälzen. Am eigenen Arbeitsplatz würden viele lieber von einem Roboter ersetzt werden als von einem Menschen.

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(Bild: Shutterstock)

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Automatisierung und Digitalisierung werden den Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren wesentlich verändern. Viele Arbeitnehmer befürchten, dass ihr Job künftig von Robotern oder Software übernommen werden kann. Laut einer Studie von Wirtschaftswissenschaftlern ist es für den einzelnen Arbeitnehmer aber einfacher, einen Jobverlust zu akzeptieren, wenn danach kein anderer Mensch die Aufgabe übernimmt.

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Dies ist das Ergebnis einer nun in der Fachzeitschrift Nature Human Behaviour erschienenen Studie. Ausgangspunkt der Untersuchung war eine Umfrage der Europäischen Kommission, bei der 26.750 Bürger befragt wurden, ob sie die Automatisierung allgemein als Bedrohung für Arbeitsplätze sehen. Die nahezu einhellige Meinung unter verschiedenen Bevölkerungsgruppen: Roboter "stehlen" die Jobs von Menschen. Des Weiteren bevorzugen es die Befragten, wenn Arbeitsplätze im Allgemeinen auch künftig von menschlichen Arbeitnehmern ausgefüllt werden.

Obwohl bis heute in der Fachwelt gestritten wird, ob die kommende Automatisierungswelle wirklich zu dauerhaften und breiten Arbeitsplatzverlusten führt, ist jedoch klar, dass es beträchtliche Umschichtungen geben wird. "Der Unterschied zu vergangenen Automatisierungswellen ist: Maschinen werden zunehmend intelligent", erklärt Professor Christoph Fuchs von der Technischen Universität München, der die Studie mitverfasst hat. "Immer besser ausgebildete Arbeitskräfte sind nun auch von der Automatisierung betroffen", erklärt der Wirtschaftswissenschaftler im Gespräch mit heise online.

In einer Reihe von Umfragen und versuchten die Autoren der Studie der Haltung näher auf den Grund zu gehen. Dabei stellten sie zum Beispiel Studenten oder Teilnehmer einer Mikro-Arbeits-Plattform vor die Auswahl: Wenn es um den Arbeitsplatz ginge: Bevorzugen sie es durch Technik oder durch einen anderen Arbeitnehmer ersetzt zu werden? Mit der Änderung der Perspektive ändert sich auch die Haltung der Befragten.





Wenn es um Arbeitsplätze allgemein geht, bevorzugen 60 Prozent und mehr, dass Menschen statt Roboter die Arbeiten erledigen. Fragt man sie jedoch nach dem eigenen Arbeitsplatz, bevorzugt eine ebenso starke Mehrheit, dass sie im Zuge der Automatisierung ersetzt werden statt durch einen anderen menschlichen Arbeitnehmer.

Der scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn man die verschiedenen psychologischen Vorgänge betrachtet, die mit Arbeitsplatzverlusten zusammenhängen. Auf der einen Seite ist die Automatisierung ein gesellschaftlicher Trend mit negativen Auswirkungen. Wenn Maschinen die Arbeit von Menschen übernehmen, steht der Erwerb des Lebensunterhalts und der Lebensstandard jedes Arbeitnehmers in Frage. Eine zunehmende Automatisierung ist also eine soziale Bedrohung.

Gleichzeitig tendieren aber Menschen dazu, ihren eigenen Status mit dem der Menschen in der Umgebung zu vergleichen. Wer durch eine zunehmende Technisierung ersetzt wird, nimmt dies weniger als persönliche Zurücksetzung wahr, als wenn nach einer Entlassung die gleiche Arbeit an jemand anders weitergegeben wird. Auch bei Mischformen -- wenn etwa Techniken die Effizienz einer Tätigkeit so weit steigern, dass weniger Arbeitskräfte die gleichen Aufgaben übernehmen können, ist die empfundene Zurücksetzung geringer.

Gerade Techniken wie Künstliche Intelligenz können in das Selbstverständnis eines Menschen eingreifen. So können Tätigkeiten, die bisher eher gut bezahlten Spezialisten in der Banken- oder Juristen-Branche vorbehalten waren, zunehmend von Algorithmen übernommen werden. "Angestellte müssen sich immer wieder die Frage stellen, ob ihre Arbeit durch neue Technologien ersetzt werden könnte und ob ihre Fähigkeiten in Zukunft noch zählen", erläutert Fuchs im Gespräch mit heise online.

Dass man ein komplettes Berufsleben mit der gleichen Tätigkeit in einer ähnlichen Umgebung verbringen könne, werde immer ungewöhnlicher. Um die notwendigen Anpassungen zu meistern, müssten sich die Menschen darauf konzentrieren, ihre Fähigkeiten zu stärken, bei denen Maschinen auf absehbare Zeit keinen Ersatz bieten könnten, wie etwa kreative Leistungen und soziale Fähigkeiten. (mho)