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Ariane-6-Raketenteile aus dem 3D-Drucker: Europas Antwort auf SpaceX

Es geht nicht nur ums Geld

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ArianeGroup-Chef Alain Charmeau hält das Raketen-Recycling aber nicht zwingend für den Weg der Zukunft. "Heute haben wir keine Gewissheit, dass die Wiederverwendung die beste Lösung ist, um im europäischen Kontext günstiger zu sein", sagt er der dpa. Denn das lohne sich nur bei ausreichend vielen Starts.

Zudem hätten die US-Raketen-Anbieter Zugriff auf US-amerikanische Staatsaufträge, die für ausländische Hersteller tabu sind und bei denen sie höhere Preise verlangen könnten. "Der Wettbewerb ist nicht offen", klagt er. "Dieses Gesetz existiert nicht in Europa." Das Unternehmen wirbt deshalb schon länger dafür, dass die Europäer ihrem Anbieter jährlich fünf Missionen für öffentliche Auftraggeber garantieren – die Diskussionen ziehen sich aber.

Charmeau betont, dass es für Europa nicht in erster Linie um ein Wettrennen mit den Amerikanern gehe, sondern um strategische und wirtschaftliche Ziele: Ein eigenes Trägerraketensystem und die Entwicklung der Raumfahrtindustrie.

Ariane 6 (6 Bilder)

Die Ariane 6 soll in zwei Konfiguartionen starten, einmal mit zwei Boostern (A62) und einmal mit vier (A64).
(Bild: ESA–D. Ducros, 2014)

ESA-Chef Jan Wörner schrieb kürzlich in einem Blog-Beitrag: "In vielen Diskussionen auf politischer Ebene hat das strategische Ziel, den autonomen europäischen Zugang zum All zu sichern, sich nicht verändert". Es gebe aber eine wachsende Wahrnehmung, dass man sich mit dem Druck des globalen Wettbewerbs befassen müsse. Weder er noch das Institut Montaigne stellten Ariane 6 infrage: Dies sei die richtige Entscheidung, versicherte der ESA-Chef. Aber es sei notwendig, über langfristige Perspektiven zu diskutieren.

Wo der Weg hinführen könnte, lässt sich in Vernon sehen. In dem Ort zwischen Paris und der Normandie-Küste baut die ArianeGroup Triebwerke. Eine Halle auf dem weitläufigen Gelände erinnert mit ihren offenen Arbeitsplätzen an ein Start-up-Zentrum: Dort feilen Ingenieure an einem neuen völlig neuen Triebwerk namens Prometheus – gemeinsam mit Kollegen in Ottobrunn bei München, die per Videolink zugeschaltet werden. "Hier legen wir von vorneherein den Fokus auf die Baubarkeit", sagt Gerald Hagemann, Leiter der Entwicklung von Flüssigtriebwerken. Bei einem Teil der Turbopumpe aus nickelbasiertem Stahl etwa wurde die Größe so beschränkt, dass eine Herstellung im 3D-Druck möglich ist.

Prometheus soll aber nicht nur noch mal deutlich günstiger werden, sondern auch mehrfach verwendbar – falls Europa sich künftig doch für diesen Weg entscheidet, könnte ein wiederverwendbares Trägersystem dann bis 2030 stehen, heißt es. Denn der Raumfahrtsektor ist im Umbruch, neue Technologien und gesunkene Kosten machen völlig neue Anwendungen möglich, Experten erwarten ein starkes Wachstum. Derzeit warteten viele Satellitenanbieter noch ab, sagt Charmeau. Aber: "Der Markt ist heute sehr optimistisch für die Zeit um 2030 herum."

(olb)

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