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Ashen angespielt: Dark Souls für Grünschnäbel

Das Action-RPG Ashen will das Dark-Souls-Spielsystem auch Einsteigern schmackhaft machen. Für Genre-Kenner kommt dabei nur ein Pausensnack heraus.

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Ashen angespielt: Dark Souls für Grünschnäbel

(Bild: A44)

Das Action-RPG Ashen ist nach Lords of The Fallen, Nioh oder Sinner der Vertreter einer immer länger werdenden Liste an Videospielen, die das erfolgreiche Dark-Souls-Konzept des Entwicklers From Software mehr oder minder erfolgreich kopieren. Während aber das japanische Original mit verzwicktem Leveldesign, fordernden Kämpfen und einem rätselhaften Szenario glänzt, dampft Ashen das Spielprinzip ordentlich ein. Das hat seine guten und seine schlechten Seiten.

Eingefleischte Dark-Souls-Fans sollten sich vom Comic-Look nicht täuschen lassen: Die Entwickler haben Spielprinzip und Steuerung vom Original nahezu identisch übernommen. Hier wie dort läuft der Held durch die Landschaft, kämpft in dunklen Katakomben gegen Monster und verliert sein ganzes Geld, wenn er das zeitliche segnet. Um seine hart erkämpfte Kohle wieder zu bekommen, muss er an den Tatort zurück. Schafft er es nicht, ist alles verloren.

Ashen angespielt (5 Bilder)

Jeder Gegner in Ashen ist mit etwas Übung zu besiegen.
(Bild: heise online)

Dazwischen reist er komfortabel per Schnellreise in seine Basis, die im Laufe des Spiels zu einer kleinen Stadt heranwächst. In ihr siedeln sich alle Personen an, die der Held im Spiel gerettet hat. Diese bieten in Shops und Crafting-Stationen Waffen, Tränke oder Talismane an, die dem Abenteurer einen kleinen Boost bescheren. Schnell entpuppt sich die Stadt als hübsches Anhängsel. Statt Basenmanagement dürfen die Spieler nur zugucken, wie die Stadt wächst. Schade, eine Prise Aufbaustrategie hätte das altbekannte Spielkonzept aufgewertet.

Der Schwierigkeitsgrad ist deutlich leichter als bei Dark Souls. Das liegt vor allem daran, dass man auf Wunsch mit einem Partner ins Gefecht ziehen kann. Echtes Souls-Feeling will da nicht aufkommen, auch weil die Welt im Vergleich zum Original kleiner und weniger geheimnisvoll ist. Zwar laden einigen Nebenaufgaben dazu ein, vom Story-Pfad abzuweichen, aber überraschende Entdeckungen kann der Spieler nicht machen. Auch dem Level-Design fehlt der Aha-Effekt. Wo Dark Souls mit cleveren Abkürzungen überraschte, gibt es hier meist nur einen direkten Weg durch die einzelnen Abschnitte.

Das Waffen- und Lootsystem in Ashen ist schnörkellos. Es gibt Ein- und Zweihandwaffen, Rüstungen und Schilder. Neben der unterschiedlichen Schadensstärke gibt es kaum Unterschiede bei den Waffen – alles steuert sich relativ gleich und lediglich die Zweihandwaffen erfordern durch ihre Langsamkeit etwas mehr Geschick. Die Spielfigur wird nicht mit Attributen verbessert, sondern gewinnt automatisch mehr Lebens- und Ausdauerpunkte.

Es sind aber genau diese Vereinfachungen, die das Spielprinzip für Einsteiger zugänglicher machen. Anfangs schlagen sich die Spieler mit einem Partner locker durch Gegner und besiegen einen Endboss vielleicht schon beim ersten Versuch. Immerhin haben sich die Entwickler eines der wichtigsten Erfolgsgeheimnisse ihres Vorbilds zu Herzen genommen: So etwas wie Glück gibt es nicht. Die Gegner tauchen nicht willkürlich auf, besitzen immer die gleichen Bewegungsmuster und lassen sich spätestens mit etwas Übung alle besiegen.

Ashen bietet einen zugänglichen und frustfreien Einstieg in die Welt der Soulslike-Spiele. Der Schwierigkeitsgrad ist deutlich niedriger und die Welt bunter und übersichtlicher als bei der bockschweren Vorlage. Das alles hat aber seinen Preis: Das Leveldesign ist sehr geradlinig, das Waffensystem einfallslos und das Rollenspiel-typische Aufleveln wurde komplett weggelassen. Interessante Ideen wie der Basenbau wurden nur ansatzweise umgesetzt – schade. Spieler, die sich bisher nicht an ein Soulslike herangetraut haben, könnten mit dieser Lite-Version ihre Ängste abbauen. Für hartgesottene Dark-Souls-Veteranen ist Ashen dagegen nicht mehr als ein Pausensnack.

Ashen ist am 07. Dezember als Download für Windows und Xbox One (im Game Pass enthalten) erschienen und kostet ca. 40 Euro. Für unser Angespielt haben wir ein paar Stunden die Xbox-Version gespielt. (dahe)

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