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Assange: Kryptografie ist die ultimative Form des gewaltlosen Widerstandes

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Mit einer Keynote von Julian Assange wurde das Convention Camp 2012 in Hannover eröffnet. Der Wikileaks-Gründer las das Vorwort seines neuen Buches Cypherpunks – Freedom and the Future of the Internet vor. Anschließend kündigte er an, dass Wikileaks in Kürze wieder in die Offensive gehen werde.

Assange vor der Fototapete eines Kolonialwarenladens.

(Bild: Detlef Borchers / heise online)

Assange war per Skype aus seinem Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London zugeschaltet. Er las die Passagen aus seinem Buch vor, in denen er das Internet als Gefahr für die Zivilisation darstellt. Dank der Überwachungsindustrie werde das Netz in wenigen Jahren eine "postmoderne Überwachungsdystopie" sein, aus der es – mit Ausnahme der begabtesten Hacker – kein Entrinnen geben mehr werde. Die Überwachungstechnik sei so billig geworden, dass es für den Staat einfacher sei, alles ständig aufzuzeichnen und sich "in die Venen und Arterien unserer neuen Gesellschaften" einzunisten.

Die einzige Hoffnung gegen die totale Dominanz des Überwachungsstaates sei die Kryptografie. Sie ist für Assange die ultimative Form des gewaltlosen Widerstandes. Nur sie erlaube es, dass Inseln im Internet entstehen, die frei vom Zugriff der Staatsapparate seien. "Starke Kryptografie kann jeder noch so großen Gewalt widerstehen. Keine Ballung von Zwang und Macht kann jemals das mathematische Problem lösen."

Mit der ständigen Benutzung von Kryptografie und einem Leben nach den Idealen der Cypherpunks sei Widerstand möglich. Assange bezeichnete sich als Nachtwächter, der seine Warnungen ausruft und endete seine Keynote mit dem Schlusssatz: "Unser aller Aufgabe ist es, uns abzusichern, wo immer wir können, die kommende Dystopie zu stoppen, wo wir es können und, wenn all dies nichts nutzt, die Selbstzerstörung der digitalen Gesellschaft zu beschleunigen."

Gutjahr während des Gesprächs mit Assange.

(Bild: Detlef Borchers / heise online)

Im anschließenden Gespräch mit dem Fernsehmoderator Richard Gutjahr erklärte Assange unter Verweis auf die Berechnungen, die Andy Müller-Maguhn auf dem 28C3 vorgestellt hatte, dass es für Staaten billiger sei, die gesamte Kommunikation zu überwachen, als einzelne Überwachungsmaßnahmen einzuleiten. Auf den Einwand, dass seine Vision recht düster ausfalle, verwies Assange auf den Skandal um den US-amerikanischen Geheimdienstchef Petraeus als positiven Ausgleich: "Der Überwachungsstaat frisst sich selbst."

Als zweite Tendenz erwähnte Assange Island, dessen Bürger zu 88 Prozent auf Facebook präsent seien und damit zu 88 Prozent Informanten des Staates sein. Auch dies sei bedenklich, weil immer mehr Menschen sich bei Facebook aus Angst anmeldeten, keinen Sexpartner zu bekommen.

Die deutschen Zuhörer wies Assange darauf hin, dass Wikileaks unter den unfairen steuerlichen Weisungen des deutschen Staates leide. Assange spielte damit auf den Verlust der Gemeinnützigkeit an, der die Arbeit der Wau Holland-Stiftung bedroht. Die Stiftung stelle eine der wenigen Möglichkeiten dar, an Wikileaks zu spenden. Die über die Stiftung geflossenen Millionen-Einnahmen von Wikileaks im Superjahr 2010 werden von deutschen Finanzämtern als eine vereinszweckfremde Tätigkeit eingestuft. (anw)