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Assassin’s Creed Odyssey angespielt: Ein Meuchelmörder auf Abwegen

In Assassin’s Creed Odyssey mixt Ubisoft alte Tugenden mit frischen Ideen zu einem abwechslungsreichen Abenteuertrip ins antike Griechenland.

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Assassin’s Creed Odyssey angespielt: Ein Muchelmörder auf Abwegen

(Bild: Ubisoft)

Mit Assassin’s Creed Odyssey verwandelt sich das ehemalige Action-Adventure in ein echtes Action-RPG. Quests mit unterschiedlichen Enden, freie Charakterentwicklung und ein großes, aufrüstbares Waffen- und Rüstungsarsenal lassen für Action-Rollenspieler kaum Wünsche offen. Nach den ersten Spielminuten muss der passionierte Assassin’s-Creed-Fan aber erst einmal schlucken. Als Leonidas von Sparta landet er in der Schlacht bei den Thermopylen und steht dem Ansturm der Perser gegenüber. Anstatt heimlicher Gegner-Meuchelei geht es im Stil eines God of War gleich gegen mehrere Feinde gleichzeitig.

Danach macht die Handlung einen Sprung um einige Jahrzehnte in die Zukunft, mitten hinein in den Peloponnesischen Krieg, in dem um 430 v. Chr. Griechen und Spartaner um die Vorherrschaft im Mittelmeer kämpften. Die Spieler dürfen zu Anfang ihr Geschlecht wählen: Als Alexios oder Kassandra halten sie sich als Söldner über Wasser, bis sie plötzlich auf ein Geheimnis über ihre Herkunft stoßen. Unvermittelt werden sie zum Dreh- und Angelpunkt eines Abenteuers, das die Zukunft Griechenlands entscheiden wird.

Irrfahrt mit Anlaufschwierigkeiten

Nach dem etwas chaotischen Beginn kehrt dann doch das altbekannte Assassin’s Creed-Gefühl ein: Schleichen, meucheln, abkassieren. Schnell füllt sich das Questlog und der Spieler säubert ein Gebiet nach dem nächsten, erklimmt Aussichtspunkte – und verteilt wie im Vorgänger Origins mit jedem Levelaufstieg seine Fertigkeitspunkte. Das Kampfsystem ist im Vergleich zum Vorgänger gleich geblieben, sorgt aber mit Fähigkeiten wie dem berüchtigten Spartanertritt für einige Aha-Momente.

Das Waffen- und Rüstungssystem wurde gründlich überarbeitet. Ein klassisches Craftingsystem gibt es nicht mehr. Stattdessen schleppen die Spieler ihre Ausrüstung zum Schmied, der sie dann verbessert. Mit speziellen Gravuren schalten die Spieler zusätzlich kleine Boni wie erhöhten Attentats- oder Giftschaden frei. Am Anfang sind diese Änderungen aber unscheinbar. Erst nachdem der Spieler die erste von vielen Inseln verlässt, zeigt das Spiel seine Stärken.

Assassin's Creed Odyssey (5 Bilder)

Assassin’s Creed Odyssey führt den Spieler an viele historische Bauwerke der Antike.
(Bild: heise online)

Ein Königreich für ein Schiff

Ähnlich wie in Assassin’s Creed IV: Black Flag wird das Schiff so etwas wie die Heimatbasis der Spieler. Angriffstärke und Panzerung wollen ausgebaut werden, auf dem Land dürfen auch neue Besatzungsmitglieder rekrutiert werden, entweder durch Quests oder durch schlagkräftige Argumente.

Eine weitere Neuerung sind die Eroberungsschlachten. Während seines Abenteuers muss der Spieler immer wieder Militärstützpunkte angreifen und so die gegnerische Kriegspartei schwächen. Tötet er dabei einen Anführer, kommt es zur Schlacht: In Hack’n Slay Manier wütet der Spieler dann über das Schlachtfeld. Das ist gerade am Anfang ungewohnt, für reine Assassinenspieler werden diese langwierigen Kämpfe schnell frustrierend. Allerdings war die Teilnahme an so einer Eroberungsschlacht in den ersten 15 Spielstunden nur einmal zwingend notwendig.

Aber es sind nicht nur die großen spektakulären See- und Landschlachten, die für spielerische Abwechslung sorgen, sondern auch die kleinen Ideen: Manchmal muss sich der Spieler als Detektiv beweisen, in dem er Hinweise auf Quests sucht oder die Mitglieder eines Kults entlarvt, der im Hintergrund die Strippen zieht. Von Zeit zu Zeit kann es auch passieren, dass Söldner Jagd auf unseren Helden machen. Diese können bestochen oder im Zweikampf besiegt werden. Da es so einer Art Liga dieser Söldner gibt, kann der Spieler einfach vom Story-Pfad abweichen und sich als Kopfgeldjäger die Zeit vertreiben.

Sowieso ist Assassin’s Creed Odyssey ein Spiel, in dem die Story nur einen kleinen Teil ausmacht. Wer wirklich alle Nebenaufgaben erledigt und jeden Ort besucht, kann sich auch abseits der spannenden Geschichte um Bürgerkriege und geheimnisvolle Kults stundenlang in der griechischen Antike spannend unterhalten lassen.

Zwischenfazit

Das neue Rollenspiel-Kleid passt der ehrwürdigen Assassin’s-Creed-Reihe wie angegossen. Wie jedes gute Rollenspiel entfaltet Assassin’s Creed Odyssey seine Stärken aber erst nach ein paar Stunden. Die riesige, offene Spielwelt lädt dann zum Entdecken ein, am Charakter darf fleißig gebastelt werden und Tonnen von Loot wecken den Sammelinstinkt der Spieler. Mit den See- und Eroberungsschlachten kommt auch die Abwechslung ins Spiel, die der Reihe ab und an fehlte.

Zugegeben – das ist alles nicht neu. Viele der neuen Spielelemente wurden aus alten Spielen recycelt, die sich aber wunderbar flüssig ins Spielgeschehen einfügen. Fans der ersten Stunde müssen aber umdenken, denn schon im Vorgänger Origins deutete sich an, dass die Reihe actionlastiger wird. Das kann anfangs zu Frustmomenten führen, aber davon sollte sich niemand abhalten lassen. Nach ein bisschen Einarbeitungszeit lässt Assassin’s Creed Odyssey die Spieler nicht so schnell wieder los.

Assassin’s Creed Odyssey erscheint am 05. Oktober für Windows, PS4 und Xbox One. Es kostet ca. 70 Euro. USK ab 16. Für unser Angespielt haben wir ein paar Stunden die PS4-Version gespielt. (dahe)

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