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Astronaut Maurer: Flug zu Chinas Raumstation wäre eine "große Ehre"

Matthias Maurer hat seine Grundausbildung absolviert und darf sich Astronaut nennen. Demnächst könnte es für ihn zur ISS gehen – oder zu Chinas Raumstation.

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Astronaut Maurer: Flug zu Chinas Raumstation wäre eine "große Ehre"

Matthias Maurer während seiner Ausbildung

(Bild: ESA–Stephane Corvaja, 2017)

Der Astronaut Matthias Maurer der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) könnte der nächste Deutsche sein, der ins All fliegt. Im September 2018 beendete der gebürtige Saarländer seine Grundausbildung und trainiert nun für kommende Missionen. Mit der Deutschen Presse-Agentur sprach er über die erste bemannte Mondlandung vor 50 Jahren und über den möglichen Nutzen seiner Chinesisch-Kenntnisse.

Der Saarländer hat Materialwissenschaft und Werkstofftechnik an den Universitäten in Saarbrücken, Leeds, Nancy und Barcelona studiert. 2004 erhielt Maurer seinen Doktortitel in Materialwissenschaft an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Maurer ist laut ESA für die Erfindung von mehr als zehn patentierten Anwendungen verantwortlich. Seit Juli 2015 ist er Mitglied des Europäischen Astronautenkorps in Köln. 2018 schloss er seine Astronauten-Grundausbildung ab.

Herr Maurer, 2019 jährt sich die erste Mondlandung zum 50. Mal. Was empfinden Sie, wenn Sie Bilder der damaligen "Apollo 11"-Mission betrachten?

Matthias Maurer: Für mich persönlich stehen diese bekannten Aufnahmen für den Forscherdrang des Menschen. Nach heutigen Maßstäben war die Mondlandung eine erstaunliche Leistung. 1961 kündigte der damalige US-Präsident John F. Kennedy das Unternehmen an und nur acht Jahre später standen tatsächlich Menschen auf dem Mond. Es war wohl das bisher aufregendste Abenteuer in der Geschichte der Menschheit.

Matthias Maurer im Astronauten-Korps (9 Bilder)

Maurer bei einem Test der Hololens
(Bild: ESA)

Der Wettlauf zum Mond stand im Zeichen des Kalten Krieges. Wie beurteilen Sie die politischen Bedingungen heutzutage, wenn es um die Raumfahrt geht?

Heute hätte man gar nicht mehr das Budget, um einen solchen Wettlauf zu gewinnen. Der Rechtfertigungsdruck gegenüber der Öffentlichkeit ist für Raumfahrtorganisationen heute viel größer als damals. Das ist verständlich. Aber die Raumfahrt liefert auch ihren Beitrag. Und das nicht nur mit Blick auf Grundlagenforschung oder den technischen Fortschritt.

Sondern?

Die Internationale Raumstation leistet auch einen Beitrag zur internationalen Kooperation. Das ist ein positiver politischer Beitrag. Der lässt sich nicht ohne weiteres messen. Aber klar ist, politischer Streit spielt auf der ISS keine Rolle. Zwischen Besatzungsmitgliedern – egal ob Amerikaner, Russen oder Europäer – herrscht Vertrauen. Das muss auch so sein. Anders geht es nicht.

Wie bewerten Sie den jüngsten Erfolg der Chinesen nach der geglückten Landung der Sonde Chang'e 4 und dem Start des chinesischen Mond-Rovers Jadehase 2?

Das war ein großer wissenschaftlicher Erfolg, keine Frage. Spannend dürfte es auch werden, wenn bei der Mission Chang'e 5 noch dieses Jahr Gesteinsproben vom Mond auf die Erde gebracht werden sollen. Wir planen eine vergleichbare, jedoch deutlich komplexere Mission zum Mars, die im Jahr 2026 starten könnte. Voraussetzung ist allerdings, dass die ESA-Ministerratssitzung der Finanzierung im November 2019 zustimmt.

Der Mond steht zu Recht wieder im Fokus der Wissenschaft?

Ja, denn wir wollen dort etwa lernen, wie man Ressourcen auch auf dem Mars für dortige Aufenthalte nutzen kann. Insofern ist der Mond so etwas wie ein Sprungbrett zum Mars. Anders als bei Apollo 11 geht es nicht um eine reine Landemission, wissenschaftliche und praktische Fragen stehen heute im Vordergrund. Gelingt es etwa, Sauerstoff und Trinkwasser aus dem Mondboden zu gewinnen und dort vorhandene Materialien mit einem 3D-Drucker zu formen, wäre das ein wichtiger Erkenntnisgewinn. Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass dies dann auch auf dem Mars funktionieren könnte. Insofern bleibt der Mond auch 50 Jahre nach der ersten Landung interessant.

Bei der ESA lernen aktuell drei Astronauten Chinesisch – Sie gehören dazu. Einer davon könnte 2023 als erster Ausländer zur neuen chinesischen Raumstation fliegen. Das Überleben und die Rettung nach einer Notlandung im Meer haben Sie in China schon trainiert. Ihre Chancen stehen also gut?

Es wäre eine große Ehre, daran teilzunehmen. Und ein Traum, den ich als Erwachsener habe. Aber das ist noch nicht entschieden. Es gibt eine Absichtserklärung zwischen den Chinesen und der ESA. Gewünscht wird, dass zumindest ein Europäer zur chinesischen Raumstation fliegt.

Davon abgesehen könnte es auch sein, dass Sie als ESA-Astronaut 2021 zur Internationalen Raumstation fliegen?

Ja. Aber auch das ist noch nicht entschieden, denn wir sind sieben Astronauten im Astronautenteam und jedes Jahr darf nur einer von uns zur ISS fliegen. Die Entscheidung darüber, wer fliegt, fällt der Generaldirektor der ESA in Rücksprache mit den Mitgliedsländern. Aber dass ich zur ISS fliege ist die wahrscheinlichste Option. Ich trainiere, bin optimistisch und lasse das auf mich zukommen.

Amerikaner, Russen, Franzosen, Italiener: Alle haben schon Frauen ins All geschickt. Deutschland nicht. Wie erklären Sie sich das?

Das ist eine Sache der Auswahl. Der Anteil der Frauen bei den Bewerbungen lag in Deutschland zuletzt bei etwa 13 Prozent. Ich gehe davon aus, dass zur neuen Astronautengeneration – sie wird eventuell schon ab 2020 ausgewählt – auch eine Frau gehört. Bei der ESA gibt es momentan sieben Astronauten, darunter Samantha Cristoforetti als zurzeit einzige Frau. Sie war monatelang auf der Internationalen Raumstation. Sie ist der lebende Beweis dafür, dass Frauen den Männern auch im All in nichts nachstehen.

ISS-Bilder von Samantha Cristoforetti (16 Bilder)

Star Trek geht immer, aber vor allem natürlich in einer Raumstation..
(Bild: ESA/NASA)

(mho)

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