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Astronomie: Weißer Zwergstern saugt riesigen Exoplaneten auf

Dank einer immensen Gasscheibe haben Astronomen einen ungewöhnlichen riesigen Exoplaneten gefunden, der von einem sterbenden Stern aufgesaugt wird.

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Künstlerische Darstellung des sterbenden Exoplaneten und seines Sterns

(Bild: ESO/M. Kornmesser)

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Astronomen haben einen riesigen Exoplaneten entdeckt, der vergleichsweise eng um einen sogenannten Weißen Zwergstern kreist und von diesem langsam aufgesaugt wird. Die dadurch entstehende Gasscheibe um den Stern verrät einiges über die Zusammensetzung der Atmosphäre des neptunähnlichen Exoplaneten, erklären die Forscher um Boris Gänsicke von der Universität Warwick. Ihren Fund stellen sie nun im Wissenschaftsmagazin Nature vor. Gänsicke meint, dass wohl bis vor kurzem nur sehr wenige Astronomen über das Schicksal von Planeten nachgedacht hätten, die sterbende Sterne umkreisen. Das Universum wisse aber immer, den Geist herauszufordern.

Weiße Zwerge stehen am Ende der Entwicklungsstufe der meisten Sterne im Universum. Auch unsere Sonne wird sich – wenn ihr der Treibstoff ausgegangen ist – zu einem Roten Riesen aufblähen und die inneren Planeten Merkur, Venus und auch die Erde verschlingen, erklären die Forscher. Die äußere Schicht eines solchen Riesensterns geht dann verloren, übrig bleibe der ausgebrannte Kern: ein Weißer Zwerg. Der nun entdeckte Exoplanet umkreist einen solchen Weißen Zwerg mit der Bezeichnung WDJ0914+1914. Der ist klein, mit 28.000 Grad Celsius etwa fünf Mal so heiß wie die Sonne und etwa 1500 Lichtjahre von uns entfernt.

Der Exoplanet wiederum ist demnach mindestens doppelt so groß wie sein Stern und verliere jede Sekunde 3000 Tonnen Gas an den Stern. Er umkreist seinen Stern in lediglich 10 Millionen Kilometern, also nur knapp dem 15-fachen Radius unserer Sonne. So nah an dem Stern hätte er die Aufblähung zum Roten Riesen nicht überlebt, er dürfte sich also später näher an den Stern herangearbeitet haben. Dieser Wechsel der Umlaufbahn dürften den Forschern zufolge auch auf die Anwesenheit mindestens eines weiteren Exoplaneten in dem System hinweisen.

Der Exoplanet selbst wäre ohne die Gasscheibe nicht zu entdecken gewesen, erklären die Forscher. In dem Material haben sie Wasserstoff, Sauerstoff und Schwefel entdeckt. Die nachgewiesenen Mengen ähnelten denen in den tiefen atmosphärischen Schichten von Planeten wie Neptun und Uranus. Die Wissenschaftler schlussfolgern, dass die extreme ultraviolette Strahlung des Sterns die äußeren Schichten des Exoplaneten abträgt und so die Gasscheibe bildet. (mho)